{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2009-09-24","aktenzeichen":"IX ZB 285/08","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 285/08\n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n24. September 2009 \n\nin dem Insolvenzverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Ganter, den Richter Vill, die Richterin Lohmann und die Richter Dr. Fischer \n\nund Dr. Pape \n\nam 24. September 2009 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 6. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Wuppertal vom 20. November 2008 wird auf \n\nKosten des Gläubigers als unbegründet zurückgewiesen. \n\nDer Gegenstandswert für das Rechtsbeschwerdeverfahren wird \n\nauf 5.000 € festgesetzt. \n\nGründe: \n\n1 \n\n2 \n\nDie gemäß § 574 Abs. 1 Nr. 1 ZPO, §§ 7, 6 Abs. 1, § 289 Abs. 2 Satz 1 \n\nInsO statthafte Rechtsbeschwerde ist zulässig, weil die Sicherung einer einheit-\n\nlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts er-\n\nfordert (§ 574 Abs. 2 Nr. 2 ZPO). \n\n1. Das Insolvenzgericht hat den Anspruch des weiteren Beteiligten zu 1 \n\nauf Gewährung rechtlichen Gehörs missachtet, weil es vor Ablauf einer Frist \n\nvon zwei Wochen seit Eingang der Beschwerde über das Rechtsmittel gegen \n\nden Beschluss des Amtsgerichts Wuppertal vom 15. Oktober 2008 entschieden \n\nhat. Kündigt der Beschwerdeführer in der Beschwerdeschrift an, eine Begrün-\n\ndung seines Rechtsmittels kurzfristig nachreichen zu wollen, ist das Beschwer-\n\ndegericht zu einer Fristsetzung nach § 571 Abs. 3 Satz 1 ZPO zwar nicht ver-\n\npflichtet (vgl. BVerfG ZIP 1986, 1336, 1337). Es hat dem Beschwerdeführer \n\naber eine angemessene Frist zur Begründung zu lassen, deren Länge durch die \n\nSchwierigkeit der Sache, den Umfang der Akten und die Eilbedürftigkeit des \n\nVerfahrens bestimmt wird (BVerfGE 60, 317, 318) und die in der Regel mindes-\n\ntens zwei Wochen betragen soll (vgl. OLG Celle Nds.Rpfl. 1992, 51; OLG Köln \n\nMDR 1990, 556; Zöller/Heßler, ZPO 27. Aufl. § 571 Rn. 14). Der weitere Betei-\n\nligte hatte in der Beschwerdeschrift angekündigt, eine Beschwerdebegründung \n\nkurzfristig nachzureichen. Im Hinblick auf diese Ankündigung hätte das Be-\n\nschwerdegericht frühestens nach Ablauf des 21. November 2008 über die so-\n\nfortige Beschwerde entscheiden dürfen. Mithin liegt eine Gehörsverletzung vor, \n\ndie unabhängig von der Frage, ob sich der Rechtsverstoß auf das Ergebnis \n\nausgewirkt hat, zur Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde unter dem Gesichts-\n\npunkt der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung führt (vgl. BGH, \n\nBeschl. v. 23. Oktober 2003 - V ZB 28/02, NJW 2004, 367, 368). \n\n3 \n\n2. Die Rechtsbeschwerde ist jedoch unbegründet, weil die Entscheidung \n\ndes Beschwerdegerichts nicht auf der Verletzung rechtlichen Gehörs beruht. \n\nVorliegend hat der weitere Beteiligte in seinem auf dem 1. Dezember 2008 da-\n\ntierten Schriftsatz lediglich tatsächliches Vorbringen wiederholt, das bereits Ge-\n\ngenstand seines Schriftsatzes vom 2. Oktober 2008 war, den die Vorinstanzen \n\nbei ihren Entscheidungen berücksichtigt haben. \n\n4 \n\nSoweit man das Vorbringen in dem vom Beschwerdegericht nicht be-\n\nrücksichtigten Schriftsatz dahingehend verstehen könnte, dass der Beschwer-\n\ndeführer nunmehr auch noch den Versagungsgrund des § 290 Abs. 1 Nr. 4 \n\nInsO geltend machen wollte, hätte das Beschwerdegericht hierauf eine Versa-\n\ngung der Restschuldbefreiung nicht stützen dürfen. Nach der Rechtsprechung \n\ndes Senats (BGH, Beschl. v. 23. Oktober 2008 - IX ZB 53/08, ZInsO 2008, 1272 \n\nRn. 9 ff) können Versagungsgründe, die nicht im Schlusstermin oder - wie hier - \n\nin einer an die Stelle des Schlusstermins tretenden Frist geltend gemacht wor-\n\nden sind, im Beschwerdeverfahren nicht mehr nachgeschoben werden. Unab-\n\nhängig von der Frage, ob das Vorbringen des weiteren Beteiligten zu 1 den \n\nVersagungsgrund der Vermögensverschwendung überhaupt ausfüllt, hätte die-\n\nser Grund im Beschwerdeverfahren nicht mehr berücksichtigt werden dürfen. \n\nGanter Vill Lohmann \n\n Fischer Pape \n\nVorinstanzen: \n\nAG Wuppertal, Entscheidung vom 15.10.2008 - 145 IK 1579/07 - \n\nLG Wuppertal, Entscheidung vom 20.11.2008 - 6 T 772/08 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-09-24/ix-zb-285-08","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 289","ref_norm":"289","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 290","ref_norm":"290","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 571","ref_norm":"571","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-09-24/ix-zb-285-08","retrieved":"2026-07-10 19:55:08.127400+00:00"},"card":{"id":"bgh/2009-09-24/ix-zb-285-08","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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