{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2009-09-17","aktenzeichen":"IX ZB 26/08","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 26/08 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n17. September 2009 \n\nin dem Insolvenzeröffnungsverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Ganter und die Richter Raebel, Prof. Dr. Kayser, Prof. Dr. Gehrlein und \n\nGrupp \n\nam 17. September 2009 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 2. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Halle vom 18. Dezember 2007 wird auf Kosten \n\ndes Schuldners als unzulässig verworfen. \n\nDer Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf \n\n7.487,93 € festgesetzt. \n\nGründe: \n\n1 \n\nDie Rechtsbeschwerde ist nach §§ 7, 6 Abs. 1, § 34 Abs. 1 InsO, § 574 \n\nAbs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO statthaft. Sie ist aber unzulässig, weil die Rechtssache \n\nkeine grundsätzliche Bedeutung hat und weder die Fortbildung des Rechts noch \n\ndie Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Sachentscheidung des \n\nRechtsbeschwerdegerichts erfordern (§ 574 Abs. 2 ZPO). \n\n2 \n\n1. Der angefochtene Beschluss des Beschwerdegerichts weicht nicht in \n\nentscheidungserheblicher Weise zum Nachteil des Schuldners von der Recht-\n\nsprechung des Senats ab. \n\n3 \n\na) Ein Gläubiger, der die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das \n\nVermögen seines Schuldners beantragt, muss - neben dem Eröffnungsgrund - \n\nseine Forderung gegen den Schuldner glaubhaft machen. Leitet er den Eröff-\n\nnungsgrund der Zahlungsunfähigkeit allein aus seiner Forderung ab und ist die-\n\nse bestritten, muss die Forderung für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens \n\nbewiesen sein (BGH, Beschl. v. 14. Dezember 2005 - IX ZB 207/04, WM 2006, \n\n492, 493). Ein solcher Fall liegt hier nicht vor. Die Zahlungsunfähigkeit des \n\nSchuldners folgt aus einer Vielzahl weiterer Forderungen. \n\n4 \n\nb) Glaubhaft ist die Forderung des weiteren Beteiligten, weil sie auf ei-\n\nnem bestandskräftigen Haftungsbescheid beruht. Dass der Schuldner die \n\nRücknahme seines Einspruchs gegen den Haftungsbescheid angefochten hat, \n\nist unerheblich, weil die Einspruchsrücknahme nicht nach den bürgerlich-\n\nrechtlichen Regelungen angefochten werden kann (BFHE 96, 552; BGHZ 12, \n\n284, 285). Im Übrigen ist ein Anfechtungsgrund nicht substantiiert dargelegt. \n\n5 \n\nc) Mit Recht hat das Beschwerdegericht dem Vorbringen des Schuld-\n\nners, er habe mit dem Finanzamt eine Verrechnung von Ansprüchen auf Erstat-\n\ntung von Einkommensteuer vereinbart, keine ausschlaggebende Bedeutung \n\nbeigemessen. Ist die Forderung des die Eröffnung des Insolvenzverfahrens \n\nbetreibenden Gläubigers tituliert, muss der Schuldner Einwendungen gegen die \n\nVollstreckbarkeit in dem dafür vorgesehenen Verfahren verfolgen. Solange die \n\nVollstreckbarkeit nicht auf diese Weise beseitigt ist, braucht das Insolvenzge-\n\nricht die Einwendungen des Schuldners nicht zu berücksichtigen (BGH, Beschl. \n\nv. 29. Juni 2006 - IX ZB 245/05, WM 2006, 1632, 1633; v. 27. Juli 2006 - IX ZB \n\n15/06, NZI 2006, 642; v. 29. November 2007 - IX ZB 12/07, ZInsO 2008, 103, \n\n104 Rn. 9). Dies gilt auch für vollstreckbare öffentlich-rechtliche Forderungen \n\n(MünchKomm-InsO/Schmahl, 2. Aufl. § 14 Rn. 25; vgl. ferner BGH, Beschl. v. \n\n8. Mai 2008 - IX ZB 195/07). Ob hiervon bei unstreitigen oder offensichtlichen \n\nSachverhalten eine Ausnahme zu machen ist, braucht nicht entschieden zu \n\nwerden, weil ein solcher Fall nicht vorliegt. Die Gegenforderungen des Schuld-\n\nners sind nicht einmal substantiiert dargelegt. Der Ausgang des finanzgerichtli-\n\nchen Verfahrens betreffend die Einkommensteuer braucht unter diesen Um-\n\nständen nicht abgewartet zu werden. \n\n6 \n\n2. Entgegen der Ansicht der Rechtsbeschwerde ist auch das Verfah-\n\nrensgrundrecht des Schuldners auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) \n\nnicht verletzt. Der angeblich übergangene Vortrag betraf nicht den wesentlichen \n\nKern des Tatsachenvortrags des Schuldners zu einer Frage von zentraler Be-\n\ndeutung. Aus dem Umstand, dass das Beschwerdegericht diesen Vortrag in \n\nseiner Begründung nicht ausdrücklich erwähnt hat, kann daher nicht geschlos-\n\nsen werden, es habe ihn nicht zur Kenntnis genommen und berücksichtigt \n\n(BVerfGE 86, 133, 145 f; 96, 205, 216 f; BGHZ 154, 288, 300). \n\nGanter Raebel Kayser \n\n Gehrlein Grupp \n\nVorinstanzen: \n\nAG Halle (Saale), Entscheidung vom 24.07.2007 - 59 IN 659/06 - \n\nLG Halle, Entscheidung vom 18.12.2007 - 2 T 323/07 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-09-17/ix-zb-26-08","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 34","ref_norm":"34","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-09-17/ix-zb-26-08","retrieved":"2026-07-10 19:55:23.691596+00:00"},"card":{"id":"bgh/2009-09-17/ix-zb-26-08","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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