{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"XI. Zivilsenat","decided":"2009-09-08","aktenzeichen":"XI ZB 7/09","doktyp":"Beschlüsse","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nXI ZB 7/09\n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n8. September 2009 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nDer XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nWiechers und die Richter Dr. Müller, Dr. Ellenberger, Maihold und Dr. Matthias \n\nam 8. September 2009 \n\nbeschlossen: \n\nAuf die Rechtsmittel der Beklagten zu 2) werden der Beschluss \n\ndes 5. Zivilsenats des Oberlandesgerichts München vom \n\n19. Februar 2009 und der Beschluss des Landgerichts München I \n\nvom 18. Dezember 2008, soweit er das auf Verletzung eines Bera-\n\ntungsvertrages gestützte Klagebegehren gegen die Beklagte zu 2) \n\nbetrifft, aufgehoben. \n\nDer Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens beträgt \n\n11.500 €. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDie klagende Partei macht u.a. Schadensersatzansprüche gegen die Be-\n\nklagte zu 2) (nachfolgend: Beklagte) wegen fehlerhafter Anlageberatung im Zu-\n\nsammenhang mit ihrer Beteiligung an der F. Medien-\n\nfonds GmbH & Co. KG (nachfolgend: Fonds) geltend, weil die Beklagte in \n\nmehrfacher Weise ihre Pflicht zu anleger- und anlagegerechter Beratung \n\nschlecht erfüllt habe. \n\n2 \n\nUnter dem Aktenzeichen KAP 2/07 ist beim Oberlandesgericht München \n\nein Verfahren nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) an-\n\nhängig, das einzelne Fragen zur Richtigkeit und Vollständigkeit des für den \n\nFonds herausgegebenen Prospektes zum Gegenstand hat. Nach Bekanntma-\n\nchung des Musterverfahrens im Klageregister hat das Landgericht München I \n\ndas Verfahren hinsichtlich des vorliegenden Streitverhältnisses nach § 7 Abs. 1 \n\nKapMuG ausgesetzt, weil das im Musterverfahren zu klärende Feststellungsziel \n\nder Richtigkeit oder Unrichtigkeit des Prospektes vorgreiflich sei. \n\n3 \n\nDie sofortige Beschwerde gegen diesen Beschluss hat das Beschwerde-\n\ngericht als unzulässig verworfen. Zur Begründung hat es im Wesentlichen aus-\n\ngeführt: Der Aussetzungsbeschluss des Landgerichts unterliege gemäß § 7 \n\nAbs. 1 Satz 4 KapMuG keinem Rechtsmittel. Die Beschwerde sei auch nicht \n\nnach § 252, § 567 Abs. 1 Nr. 1 ZPO mit der Begründung zulässig, im vorliegen-\n\nden Streitverhältnis sei der Anwendungsbereich des § 7 KapMuG nicht eröffnet. \n\nAuch wenn die Beklagte nicht Musterbeklagte in dem Musterverfahren sein \n\nkönne, weil gegen sie kein Schadensersatzanspruch wegen falscher, irrefüh-\n\nrender oder unterlassener öffentlicher Kapitalmarktinformation geltend gemacht \n\nwerde, nehme sie doch den Status einer Beigeladenen nach § 8 Abs. 1 Nr. 3 \n\nKapMuG ein. Der Begriff der Beteiligtenfähigkeit sei weit auszulegen und be-\n\nziehe alle Parteien in das Musterverfahren ein, für deren Rechtsverhältnisse \n\ndas Feststellungsziel des Musterverfahrens von entscheidungserheblicher Re-\n\nlevanz sei. \n\n4 \n\nMit der - vom Beschwerdegericht zugelassenen - Rechtsbeschwerde be-\n\ngehrt die Beklagte die Aufhebung des Aussetzungsbeschlusses. \n\nII. \n\n5 \n\n1. Die Rechtsbeschwerde ist gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO \n\nstatthaft, da das Beschwerdegericht sie zugelassen hat. Der Statthaftigkeit der \n\nRechtsbeschwerde steht - wie der erkennende Senat bereits mit Beschluss vom \n\n16. Juni 2009 entschieden hat (XI ZB 33/08, WM 2009, 1359, Tz. 7 ff.) - § 7 \n\nAbs. 1 Satz 4 KapMuG nicht entgegen, da Rechtsstreitigkeiten aus einem Bera-\n\ntungsvertrag, in denen kein Musterfeststellungsantrag nach § 1 KapMuG ge-\n\nstellt werden kann, von § 7 Abs. 1 KapMuG von vornherein nicht erfasst wer-\n\nden. Die Entscheidung des Landgerichts ist daher entgegen der Ansicht des \n\nBeschwerdegerichts rechtsmittelfähig (vgl. Senatsbeschluss vom 16. Juni 2009 \n\naaO, Tz. 16). \n\n6 \n\n2. Die Rechtsbeschwerde ist auch begründet. Soweit das Landgericht die \n\nAussetzung auf § 7 Abs. 1 KapMuG gestützt hat, ist die Aussetzung rechtsfeh-\n\nlerhaft, weil das Streitverhältnis der Parteien nicht Gegenstand eines Muster-\n\nklageverfahrens sein kann (vgl. Senatsbeschluss vom 16. Juni 2009 aaO, \n\nTz. 17). \n\n7 \n\n3. Eine Kostenentscheidung ergeht nicht. Die Kosten des Beschwerde-\n\nverfahrens bilden einen Teil der Kosten des Rechtsstreits, die unabhängig vom \n\nAusgang des Beschwerdeverfahrens die nach §§ 91 ff. ZPO in der Sache unter-\n\nliegende Partei zu tragen hat (BGH, Beschlüsse vom 12. Dezember 2005 \n\n- II ZB 30/04, NJW-RR 2006, 1289, 1290 und vom 16. Juni 2009 aaO, Tz. 19). \n\nWiechers \n\nMüller \n\nEllenberger \n\nMaihold \n\nMatthias \n\nVorinstanzen: \n\nLG München I, Entscheidung vom 18.12.2008 - 27 O 5001/07 - \n\nOLG München, Entscheidung vom 19.02.2009 - 5 W 907/09 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-09-08/xi-zb-7-09","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 91","ref_norm":"91","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 567","ref_norm":"567","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-09-08/xi-zb-7-09","retrieved":"2026-07-10 19:53:46.070116+00:00"},"card":{"id":"bgh/2009-09-08/xi-zb-7-09","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"XI. 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