{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"XI. Zivilsenat","decided":"2009-09-08","aktenzeichen":"XI ZB 4/09","doktyp":"Beschlüsse","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nXI ZB 4/09 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n8. September 2009 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nDer XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nWiechers und die Richter Dr. Müller, Dr. Ellenberger, Maihold und Dr. Matthias \n\nam 8. September 2009 \n\nbeschlossen: \n\nAuf die Rechtsmittel des Klägers und der Beklagten zu 2) \n\nwerden der Beschluss des 5. Zivilsenats des Oberlandes-\n\ngerichts München vom 14. Januar 2009 und der Beschluss \n\ndes Landgerichts München I vom 3. Dezember 2008, so-\n\nweit er das auf Verletzung eines Beratungsvertrages ge-\n\nstützte Klagebegehren gegen die Beklagte zu 2) betrifft, \n\naufgehoben. \n\nDer Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens \n\nbeträgt 5.750 €. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDie klagende Partei macht u.a. Schadensersatzansprüche gegen die Be-\n\nklagte zu 2) (nachfolgend: Beklagte) wegen fehlerhafter Anlageberatung im Zu-\n\nsammenhang mit ihrer Beteiligung an der F. Medien-\n\nfonds GmbH & Co. KG (nachfolgend: Fonds) geltend, weil die Beklagte in \n\nmehrfacher Weise ihre Pflicht zu anleger- und anlagegerechter Beratung \n\nschlecht erfüllt habe. \n\n2 \n\nUnter dem Aktenzeichen KAP 2/07 ist beim Oberlandesgericht München \n\nein Verfahren nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) an-\n\nhängig, das einzelne Fragen zur Richtigkeit und Vollständigkeit des für den \n\nFonds herausgegebenen Prospektes zum Gegenstand hat. Nach Bekanntma-\n\nchung des Musterverfahrens im Klageregister hat das Landgericht München I \n\ndas Verfahren hinsichtlich des vorliegenden Streitverhältnisses nach § 7 Abs. 1 \n\nKapMuG ausgesetzt, weil das im Musterverfahren zu klärende Feststellungsziel \n\nder Richtigkeit oder Unrichtigkeit des Prospektes vorgreiflich sei. \n\n3 \n\nDie sofortigen Beschwerden des Klägers und der Beklagten gegen die-\n\nsen Beschluss hat das Beschwerdegericht als unzulässig verworfen. Zur Be-\n\ngründung hat es im Wesentlichen ausgeführt: Der Aussetzungsbeschluss des \n\nLandgerichts unterliege gemäß § 7 Abs. 1 Satz 4 KapMuG keinem Rechtsmit-\n\ntel. Die Beschwerden seien auch nicht nach § 252, § 567 Abs. 1 Nr. 1 ZPO mit \n\nder Begründung zulässig, im vorliegenden Streitverhältnis sei der Anwen-\n\ndungsbereich des § 7 KapMuG nicht eröffnet. Auch wenn die Beklagte nicht \n\nMusterbeklagte in dem Musterverfahren sein könne, weil gegen sie kein Scha-\n\ndensersatzanspruch wegen falscher, irreführender oder unterlassener öffentli-\n\ncher Kapitalmarktinformation geltend gemacht werde, nehme sie doch den Sta-\n\ntus einer Beigeladenen nach § 8 Abs. 1 Nr. 3 KapMuG ein. Der Begriff der Be-\n\nteiligtenfähigkeit sei weit auszulegen und beziehe alle Parteien in das Muster-\n\nverfahren ein, für deren Rechtsverhältnisse das Feststellungsziel des Muster-\n\nverfahrens von entscheidungserheblicher Relevanz sei. \n\n4 \n\nMit den - vom Beschwerdegericht zugelassenen - Rechtsbeschwerden \n\nbegehren die am Rechtsbeschwerdeverfahren beteiligten Parteien die Aufhe-\n\nbung des Aussetzungsbeschlusses. \n\nII. \n\n5 \n\n1. Die Rechtsbeschwerden sind gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO \n\nstatthaft, da das Beschwerdegericht sie zugelassen hat. Der Statthaftigkeit der \n\nRechtsbeschwerden steht - wie der erkennende Senat bereits mit Beschluss \n\nvom 16. Juni 2009 entschieden hat (XI ZB 33/08, WM 2009, 1359, Tz. 7 ff.) - \n\n§ 7 Abs. 1 Satz 4 KapMuG nicht entgegen, da Rechtsstreitigkeiten aus einem \n\nBeratungsvertrag, in denen kein Musterfeststellungsantrag nach § 1 KapMuG \n\ngestellt werden kann, von § 7 Abs. 1 KapMuG von vornherein nicht erfasst wer-\n\nden. Die Entscheidung des Landgerichts ist daher entgegen der Ansicht des \n\nBeschwerdegerichts rechtsmittelfähig (vgl. Senatsbeschluss vom 16. Juni 2009 \n\naaO, Tz. 16). \n\n6 \n\n2. Die Rechtsbeschwerden sind auch begründet. Soweit das Landgericht \n\ndie Aussetzung auf § 7 Abs. 1 KapMuG gestützt hat, ist die Aussetzung rechts-\n\nfehlerhaft, weil das Streitverhältnis der Parteien nicht Gegenstand eines Mus-\n\nterklageverfahrens sein kann (vgl. Senatsbeschluss vom 16. Juni 2009 aaO, \n\nTz. 17). \n\n7 \n\n3. Eine Kostenentscheidung ergeht nicht. Die Kosten des Beschwerde-\n\nverfahrens bilden einen Teil der Kosten des Rechtsstreits, die unabhängig vom \n\nAusgang des Beschwerdeverfahrens die nach §§ 91 ff. ZPO in der Sache unter-\n\nliegende Partei zu tragen hat (BGH, Beschlüsse vom 12. Dezember 2005 \n\n- II ZB 30/04, NJW-RR 2006, 1289, 1290 und vom 16. Juni 2009 aaO, Tz. 19). \n\nWiechers Müller Ellenberger \n\n Maihold Matthias \n\nVorinstanzen: \n\nLG München I, Entscheidung vom 03.12.2008 - 27 O 17624/06 - \n\nOLG München, Entscheidung vom 14.01.2009 - 5 W 658/09 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-09-08/xi-zb-4-09","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 91","ref_norm":"91","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 567","ref_norm":"567","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-09-08/xi-zb-4-09","retrieved":"2026-07-10 19:53:52.888300+00:00"},"card":{"id":"bgh/2009-09-08/xi-zb-4-09","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"XI. 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