{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"XII. Zivilsenat","decided":"2009-08-12","aktenzeichen":"XII ZA 30/09","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nXII ZA 30/09 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n12. August 2009 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nDer XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 12. August 2009 durch die \n\nVorsitzende Richterin Dr. Hahne und die Richter Prof. Dr. Wagenitz, die Richte-\n\nrin Dr. Vézina und die Richter Dose und Dr. Klinkhammer \n\nbeschlossen: \n\n1. Der Antrag der Beklagten, die Zwangsvollstreckung aus dem \n\nUrteil des 1. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Braunschweig \n\nvom 14. Mai 2009 einstweilen einzustellen, wird zurückgewie-\n\nsen. \n\n2. Der Antrag der Beklagten auf Bewilligung von Prozesskostenhil-\n\nfe wird zurückgewiesen. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDie Beklagte ist durch Urteil des Landgerichts zur Zahlung rückständiger \n\nNutzungsentschädigung und Nebenkosten in Höhe von insgesamt 36.937,76 € \n\nund zur Räumung und Herausgabe eines Hotels verurteilt worden. Den Antrag \n\nder Beklagten, ihr gemäß § 765 a ZPO Räumungsfrist mindestens bis zum \n\n15. Januar 2007 zu gewähren, hat das Landgericht abgelehnt, weil für diesen \n\nAntrag ausschließlich das Vollstreckungsgericht gemäß § 802 ZPO zuständig \n\nsei. Das Landgericht hat sein Urteil gegen Sicherheitsleistung für vorläufig voll-\n\nstreckbar erklärt. Auf die Berufung der Beklagten hat das Oberlandesgericht \n\ndas Urteil des Landgerichts aufgehoben, soweit die Beklagte zur Zahlung von \n\nmehr als 22.851,36 € verurteilt worden ist, und die Klage im Übrigen abgewie-\n\nsen. Die weitergehende Berufung hat es zurückgewiesen und die Revision nicht \n\nzugelassen. Es hat sein Urteil für vorläufig vollstreckbar erklärt und der Beklag-\n\nten nachgelassen, die Zwangsvollstreckung gegen Sicherheitsleistung abzu-\n\nwenden, wenn nicht der Kläger vor der Vollstreckung Sicherheit in gleicher Hö-\n\nhe leistet. \n\n2 \n\nDie Beklagte hat durch ihren zweitinstanzlichen Prozessbevollmächtigten \n\nbeantragt, ihr Prozesskostenhilfe für die Durchführung einer Beschwerde gegen \n\ndie Nichtzulassung der Revision im Urteil des Oberlandesgerichts unter Beiord-\n\nnung eines beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalts zu bewilligen \n\n(Schriftsatz vom 18. Juni 2009). Mit Schriftsatz vom 20. Juli 2009 hat sie ihren \n\nProzesskostenhilfeantrag begründet. Zusätzlich hat sie beantragt, die Vollstre-\n\nckung aus dem Urteil des Oberlandesgerichts Braunschweig einstweilen für \n\nsechs Monate einzustellen. \n\nII. \n\n3 \n\n1. Der Antrag auf einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung aus \n\ndem Berufungsurteil ist unzulässig, weil er entgegen § 78 Abs. 1 Satz 3 ZPO \n\nnicht von einem bei dem Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt ge-\n\nstellt worden ist. Für den im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren gestellten \n\nAntrag auf einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung besteht ebenso \n\nwie für das Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren selbst Anwaltszwang (BGH \n\nBeschlüsse vom 6. Mai 2004 - V ZA 4/04 - NJW-RR 2004, 936). Die Ausnahme \n\ndes § 78 Abs. 5 ZPO gilt nicht für den Antrag auf Einstellung der Zwangsvoll-\n\nstreckung. \n\n4 \n\n2. Der Antrag auf einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung wäre \n\nim Übrigen auch nicht begründet. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundes-\n\ngerichtshofs kommt eine Einstellung der Zwangsvollstreckung nach § 719 \n\nAbs. 2 ZPO nur in Betracht, wenn der Schuldner im Berufungsrechtszug einen \n\nVollstreckungsschutzantrag gemäß § 712 ZPO gestellt hat, oder ihm ein solcher \n\nAntrag nicht möglich oder nicht zumutbar gewesen wäre (Senatsbeschlüsse \n\nvom 1. Juli 2009 - XII ZR 50/09 - juris, vom 6. Juni 2006 - XII ZR 80/06 - \n\nNJW-RR 2006, 1088 und vom 2. Oktober 2002 - XII ZR 173/02 - NJW-RR \n\n2002, 1650). \n\n5 \n\nDiese Voraussetzungen liegen hier nicht vor. Die Beklagte hat in der Be-\n\nrufungsinstanz keinen Vollstreckungsschutzantrag gestellt. Es sind auch keine \n\nAnhaltspunkte dafür ersichtlich, dass es ihr im Berufungsrechtszug aus beson-\n\nderen Gründen nicht möglich oder zumutbar gewesen wäre, einen entspre-\n\nchenden Schutzantrag bis zum Schluss der mündlichen Verhandlung, auf die \n\ndas Urteil ergangen ist (§ 714 Abs. 1 ZPO), zu stellen. \n\n6 \n\n3. Der Antrag der Beklagten auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für \n\ndie beabsichtigte Nichtzulassungsbeschwerde gegen das Berufungsurteil war \n\nzurückzuweisen, weil die beabsichtigte Nichtzulassungsbeschwerde keine Aus-\n\nsicht auf Erfolg hat. \n\nHahne \n\nWagenitz \n\nVézina \n\nDose \n\nKlinkhammer \n\nVorinstanzen: \n\nLG Braunschweig, Entscheidung vom 21.07.2006 - 4 O 2535/05 - \n\nOLG Braunschweig, Entscheidung vom 14.05.2009 - 1 U 59/06 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-08-12/xii-za-30-09","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 712","ref_norm":"712","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 714","ref_norm":"714","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 719","ref_norm":"719","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 765a","ref_norm":"765a","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 802","ref_norm":"802","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-08-12/xii-za-30-09","retrieved":"2026-07-10 19:46:51.402571+00:00"},"card":{"id":"bgh/2009-08-12/xii-za-30-09","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"XII. 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