{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VIII. Zivilsenat","decided":"2009-04-28","aktenzeichen":"VIII ZB 7/08","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nVIII ZB 7/08 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n28. April 2009 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nDer VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 28. April 2009 durch den \n\nVorsitzenden Richter Ball, die Richterinnen Hermanns, Dr. Milger und \n\nDr. Hessel sowie den Richter Dr. Schneider \n\nbeschlossen: \n\nAuf die Rechtsbeschwerde der Klägerin wird der Beschluss der \n\n3. Zivilkammer des Landgerichts Wiesbaden vom 19. Dezember \n\n2007 aufgehoben. \n\nDie Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten \n\ndes Rechtsbeschwerdeverfahrens, an das Beschwerdegericht zu-\n\nrückverwiesen. \n\nBeschwerdewert: bis zu 300 €. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDie Parteien streiten um die Kostenlast nach Klagerücknahme gemäß \n\n§ 269 Abs. 3 Satz 3 ZPO. Die Klägerin hat beim Amtsgericht Klage auf Zustim-\n\nmung zur Mieterhöhung eingereicht. Vor deren Zustellung hat der Beklagte der \n\nMieterhöhung zugestimmt. Daraufhin hat die Klägerin die Klage zurückgenom-\n\nmen. \n\n2 \n\nDas Amtsgericht hat der Klägerin durch Beschluss vom 5. März 2007 die \n\nKosten des Rechtsstreits auferlegt, weil sie dem klageweise geltend gemachten \n\nMieterhöhungsverlangen den Mietspiegel nicht beigefügt habe und daher aller \n\nVoraussicht nach in dem Rechtsstreit unterlegen wäre. Die dagegen gerichtete \n\n \n\n3 \n\n4 \n\n5 \n\n6 \n\nsofortige Beschwerde der Klägerin ist ohne Erfolg geblieben. Hiergegen wendet \n\nsich die Klägerin mit der vom Beschwerdegericht zugelassenen Rechtsbe-\n\nschwerde. \n\nII. \n\nDie zulässige Rechtsbeschwerde ist begründet. \n\n1. Allerdings hat das Beschwerdegericht rechtsfehlerhaft unbeachtet ge-\n\nlassen, dass eine Rechtsbeschwerde gegen eine Kostenentscheidung nach \n\n§ 269 Abs. 3 Satz 3 ZPO nicht aus materiell-rechtlichen Gründen zugelassen \n\nwerden darf, da es nicht Zweck einer solchen Kostenentscheidung ist, Rechts-\n\nfragen von grundsätzlicher Bedeutung zu klären oder das Recht fortzubilden, \n\nsoweit es um Fragen des materiellen Rechts geht (vgl. BGH, Beschluss vom \n\n7. Oktober 2008 - XI ZB 24/07, WM 2008, 2201, Tz. 9 m.w.N.). Gleichwohl ist \n\nder Senat an die Zulassung der Rechtsbeschwerde gebunden (§ 574 Abs. 3 \n\nSatz 2 ZPO). \n\n2. Die Rechtsbeschwerde hat Erfolg. \n\nDie angefochtene Kostenentscheidung ist rechtsfehlerhaft. Entgegen der \n\nAuffassung des Beschwerdegerichts ist die Beifügung eines Mietspiegels re-\n\ngelmäßig nicht erforderlich, damit ein Mieterhöhungsverlangen die formellen \n\nVoraussetzungen des § 558a BGB erfüllt. Wie der Senat bereits entschieden \n\nhat, bedarf es einer Beifügung des Mietspiegels jedenfalls dann nicht, wenn \n\ndieser allgemein zugänglich ist (Senatsurteil vom 12. Dezember 2007 - VIII ZR \n\n11/07, NJW 2008, 573 Tz. 15). Da der Mietspiegel für Wiesbaden nach den \n\nFeststellungen des Amtsgerichts, auf die das Beschwerdegericht Bezug nimmt, \n\nin Wiesbaden durch die Interessenverbände der Mieter und Vermieter gegen \n\nZahlung eines geringen Betrages von 3 € abgegeben wird und er zudem, wie \n\nden Ausführungen des Beschwerdegerichts zu entnehmen ist, (vollständig) im \n\nInternet veröffentlicht wird, ist der Mietspiegel im vorgenannten Sinne allgemein \n\nzugänglich. \n\n7 \n\n3. Der angefochtene Beschluss ist daher aufzuheben (§ 577 Abs. 4 \n\nSatz 1 Halbs. 1 ZPO). Die Sache ist nicht zur Endentscheidung reif, weil über \n\ndie Kostentragungslast gemäß § 269 Abs. 3 Satz 3 ZPO unter Berücksichtigung \n\ndes bisherigen Sach- und Streitstandes nach tatrichterlichem Ermessen zu ent-\n\nscheiden ist. Die Sache ist daher zur erneuten Entscheidung an das Beschwer-\n\ndegericht zurückzuverweisen (§ 577 Abs. 4 Satz 1 Halbs. 2 ZPO). \n\nBall \n\nHermanns \n\nDr. Milger \n\nDr. Hessel \n\nDr. Schneider \n\nVorinstanzen: \n\nAG Wiesbaden, Entscheidung vom 05.03.2007 - 92 C 6354/06-28 - \n\nLG Wiesbaden, Entscheidung vom 19.12.2007 - 3 T 10/07 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-04-28/viii-zb-7-08","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 269","ref_norm":"269","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":2},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 558a","ref_norm":"558a","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-04-28/viii-zb-7-08","retrieved":"2026-07-10 19:27:32.349376+00:00"},"card":{"id":"bgh/2009-04-28/viii-zb-7-08","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"VIII. 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