{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"5. Strafsenat","decided":"2009-02-04","aktenzeichen":"5 StR 260/08","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"5 StR 260/08 \n\nBUNDESGERICHTSHOF \n\nBESCHLUSS \n\nvom 4. Februar 2009 \nin der Strafsache \ngegen \n\n1. \n\n2. \n\n3. \n\n4. \n\n5. \n\nwegen Untreue \n\nDer 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 4. Februar 2009 \n\nbeschlossen: \n\nDie Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des Land-\n\ngerichts Berlin vom 21. März 2007 werden nach § 349 Abs. 2 \n\nStPO als unbegründet verworfen. \n\nJeder Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels \n\nzu tragen. \n\nG r ü n d e \n\n1 \n\nDas Landgericht hat die Angeklagten B. , L. und N. \n\nwegen Untreue zu Freiheitsstrafen von jeweils einem Jahr und vier Monaten \n\nverurteilt, die Angeklagten W. und Bü. wegen Untreue zu Freiheits-\n\nstrafen von jeweils einem Jahr. Die Vollstreckung der Strafen ist zur Bewäh-\n\nrung ausgesetzt worden. Die auf Verfahrens- und Sachrügen gestützten Re-\n\nvisionen der Angeklagten gegen das Urteil sind aus den Gründen der An-\n\ntragsschrift des Generalbundesanwalts unbegründet im Sinne des § 349 \n\nAbs. 2 StPO. Ergänzend bemerkt der Senat zu den Sachrügen: \n\nDie Schadensbestimmung durch das Landgericht (UA S. 267 ff.) ist \n\nprinzipiell durchgreifend bedenklich. Indes ist dem Urteilszusammenhang zu \n\nentnehmen, dass sich dies auf die Feststellung eines Vermögensnachteils im \n\nSinne des § 266 Abs. 1 StGB und auf die Bemessung von dessen Ausmaß \n\nim Ergebnis nicht zum Nachteil der Angeklagten ausgewirkt hat. \n\nEs war auf einen Vergleich der ausgereichten Darlehensvaluta mit \n\ndem Wert des Rückzahlungsanspruchs der kreditierenden Bank unter Be-\n\nrücksichtigung der Sicherheiten im Zeitpunkt der pflichtwidrigen riskanten \n\nKreditgewährung abzustellen (vgl. BGHSt 47, 148, 157; BGH NStZ-RR 2005, \n\n2 \n\n3 \n\n374, 375; BGH wistra 2000, 60, 61; BGH, Urteil vom 31. Mai 1960 \n\n– 1 StR 106/60). Namentlich im Blick auf die anschließend über zwei Jahre \n\nmit Mieteinkünften aus dem kreditierten Plattenbau-Objekt geleisteten Zins-\n\nzahlungen (UA S. 121, 130, 199) war die Annahme völliger Wertlosigkeit der \n\nDarlehensrückzahlungsforderung bei ausschließlicher Inrechnungstellung der \n\nGrundsicherheiten als Ausgangspunkt verfehlt. Der Senat sieht jedoch eine \n\nim Sinne des § 266 StGB tatbestandsrelevante Vermögensgefährdung darin, \n\ndass die Angeklagten mit der Kreditgewährung ein allzu weitgehendes Risiko \n\neingegangen sind, weil – anders als bei den anderen angeklagten Kreditge-\n\nwährungen (Leipzig III, Schwerin) – kein ausreichender Sicherheitsspielraum \n\nvorhanden war. Dieses von ihnen erkannte pflichtwidrige Risiko hat sich \n\ndann in einer entsprechenden Vermögensgefährdung niedergeschlagen, die \n\nnach außen deutlich wurde (Leerstand, UA S. 129; Wertberichtigungen, UA \n\nS. 130 f.; Einstellung weiterer Rückzahlungen, UA S. 278 f., 54). Hiernach \n\nbesteht unter Berücksichtigung der pflichtwidrig von den Angeklagten einge-\n\ngangenen Risiken (Gefahr einer Negativentwicklung des Geschäftskonzepts \n\nim Zusammenhang mit den Plattenbauten bei mindestens überaus knapper \n\nModernisierungskalkulation mit fehlenden Kapitalreserven; Hintergrund einer \n\nunmittelbar zuvor abgelehnten Kreditgewährung, Görlitz, UA S. 62 ff.) im Er-\n\ngebnis kein Zweifel daran, dass ein grundlegend abweichender zutreffender \n\nAnsatz der Bestimmung des Nachteils im Sinne des § 266 Abs. 1 StGB in-\n\nsoweit kein günstigeres Ergebnis für die Angeklagten erbracht hätte. Dies gilt \n\nangesichts der im Urteil festgestellten gesamten Negativentwicklung auch in \n\nAnbetracht der gebotenen Berücksichtigung einer Haftung auch anderer Au-\n\nbis-Objekte für den der Verurteilung zugrunde liegenden Kredit. Dies steht \n\nvor dem Hintergrund, dass die Pflichtwidrigkeit des eingegangenen Risikos \n\nmaßgeblich am Umfang des Gesamtengagements der Bank mit Aubis-\n\nKrediten, für die sich weitestgehend auch keine Konsortialbank finden ließ, \n\nzu messen ist. \n\n4 \n\nDer ausgeurteilte Untreuevorwurf ist im Ergebnis zu Recht letztlich \n\ndarin zu finden, dass die als Vorstandsmitglieder der Bank verantwortlichen \n\nAngeklagten zu einem Zeitpunkt, als dies wirtschaftlich noch vertretbar war \n\n(vgl. hingegen UA S. 472 ff.), unter Vernachlässigung erkannter deutlicher \n\nRisiken und Negierung vielfältiger Warnungen pflichtwidrig die Kreditgewäh-\n\nrung für das Aubis-Gesamtprojekt fortsetzten, anstatt pflichtgemäß das En-\n\ngagement durch Verweigerung weiterer Kredite ohne weitere Nachweise zu \n\npositiver Entwicklung des Gesamtkonzepts zu begrenzen. Angesichts der \n\nKenntnis der Angeklagten von allen maßgeblichen Begleitumständen ändert \n\nder Umstand, dass eigennützige oder sonstige ersichtlich sachfremde Motive \n\nnicht festzustellen waren, nichts am bedingten Untreuevorsatz. Motivatorisch \n\nwar zu unterstellen das Festhaltenwollen der Angeklagten an einem ur-\n\nsprünglich vertretbar engagiert geförderten, für die Bank auch einträglichen \n\nGroßprojekt, das sie mit überaus weitgehenden informellen Zusagen beför-\n\ndert hatten und das sie infolge einer – freilich unerlässlichen – Begrenzung \n\nmöglicherweise insgesamt gefährdet sahen (UA S. 289 ff.). \n\nBasdorf Raum Schaal \n\nDölp König","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-02-04/5-str-260-08","cited_norms":[{"jurabk":"StGB","ref":"§ 266","ref_norm":"266","n":3},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":2}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-02-04/5-str-260-08","retrieved":"2026-07-10 19:12:57.914242+00:00"},"card":{"id":"bgh/2009-02-04/5-str-260-08","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"5. 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