{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2009-01-08","aktenzeichen":"IX ZB 80/08","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 80/08 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n8. Januar 2009 \n\nin dem Insolvenzverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Ganter, den Richter Vill, die Richterin Lohmann und die Richter Dr. Fischer \n\nund Dr. Pape \n\nam 8. Januar 2009 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 14. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts München I vom 27. März 2008 wird auf Kosten \n\ndes Schuldners als unzulässig verworfen. \n\nDer Gegenstandswert für das Rechtsbeschwerdeverfahren wird \n\nauf 5.000 € festgesetzt. \n\nGründe: \n\n1 \n\nIn dem am 21. Januar 2005 eröffneten Insolvenzverfahren, in dem der \n\nSchuldner Restschuldbefreiung beantragt, hat der weitere Beteiligte zu 1 im \n\nSchlusstermin Antrag auf Versagung der Restschuldbefreiung gestellt. Zur Be-\n\ngründung hat er auf ein Strafverfahren Bezug genommen, in dem der Schuldner \n\nwegen Steuerhinterziehung in 77 Fällen in Tatmehrheit sowie Vorenthalten und \n\nVeruntreuen von Arbeitsentgelt in 111 Fällen in Tatmehrheit rechtskräftig zu \n\neiner Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt worden \n\nist. Außerdem ist in diesem Antrag aufgelistet, für welche Zeiträume der \n\nSchuldner in Umsatzsteuererklärungen, Umsatzsteuervoranmeldungen und \n\nLohnsteuervoranmeldungen gemäß dem Strafurteil bewusst falsche Angaben \n\ngemacht hat. Das Insolvenzgericht hat dem Schuldner Restschuldbefreiung \n\nversagt. Die dagegen gerichtete sofortige Beschwerde hatte keinen Erfolg. Mit \n\nder Rechtsbeschwerde verfolgt der Schuldner den Antrag auf Restschuldbefrei-\n\nung weiter. \n\nII. \n\n2 \n\nDie gemäß §§ 6, 7, 289 Abs. 2 Satz 1 InsO, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 \n\nZPO statthafte Rechtsbeschwerde ist unzulässig. Die Rechtssache hat keine \n\ngrundsätzliche Bedeutung, und weder die Fortbildung des Rechts noch die Si-\n\ncherung einer einheitlichen Rechtsprechung erfordern eine Entscheidung des \n\nRechtsbeschwerdegerichts (§ 574 Abs. 2 ZPO). \n\n3 \n\n4 \n\nDas Landgericht hat den Grundsatz, dass der Gläubiger, der den Antrag \n\nauf Versagung der Restschuldbefreiung stellt, den Versagungsgrund nach den \n\nfür den Zivilprozess geltenden Regeln und Maßstäben (§ 294 ZPO) glaubhaft \n\nzu machen hat (BGHZ 156, 139, 143), nicht verkannt. \n\nZwar ist der Versagungsgrund des § 290 Abs. 1 Nr. 2 InsO im Schluss-\n\ntermin weder durch Vorlage des strafrichterlichen Urteils (vgl. BGHZ 156, 139, \n\n144) noch durch Abgabe einer eidesstattlichen Erklärung glaubhaft gemacht \n\nworden. Dass eine Glaubhaftmachung des Versagungsgrundes dann nicht er-\n\nforderlich ist, wenn die Tatsachen, auf die der Antragsteller seinen Antrag \n\nstützt, unstreitig sind, entspricht der Rechtsprechung des Senats (BGH, Beschl. \n\nv. 29. September 2005 - IX ZB 178/02, ZVI 2005, 614). \n\n5 \n\nDer weitere Beteiligte hat sich auf ein Strafurteil bezogen, in dem der \n\nSchuldner wegen Steuerhinterziehung innerhalb des Zeitraums des § 290 \n\nAbs. 1 Nr. 2 InsO rechtskräftig zu einer Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt worden \n\nist. Dem ist der Schuldner nicht entgegengetreten. Im Schlusstermin hat sein \n\nVerfahrensbevollmächtigter nur die fehlende Glaubhaftmachung gerügt. Dass \n\nes zu einer Verurteilung des Schuldners wegen der von der Gläubigerin be-\n\nhaupteten Falschangaben gekommen ist, mit denen er Leistungen an öffentli-\n\nche Kassen vermeiden wollte, hat er jedoch nicht bestritten. \n\n6 \n\nAuch der Anspruch des Schuldners auf rechtliches Gehör ist nicht ver-\n\nletzt. Dass der Schuldner im Strafverfahren aufgrund eines sogenannten \n\n\"Deals\" verurteilt worden ist, hat das Landgericht zur Kenntnis genommen und \n\ngewürdigt. \n\n7 \n\nVon einer weiteren Begründung wird gemäß § 577 Abs. 6 Satz 3 ZPO \n\nabgesehen. \n\nGanter \n\nVill \n\nLohmann\n\nFischer \n\nPape \n\nVorinstanzen: \n\nAG München, Entscheidung vom 22.10.2007 - 1507 IN 2039/04 - \n\nLG München I, Entscheidung vom 27.03.2008 - 14 T 21419/07 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-01-08/ix-zb-80-08","cited_norms":[{"jurabk":"InsO","ref":"§ 290","ref_norm":"290","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 6","ref_norm":"6","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 289","ref_norm":"289","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 294","ref_norm":"294","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-01-08/ix-zb-80-08","retrieved":"2026-07-10 19:08:41.413589+00:00"},"card":{"id":"bgh/2009-01-08/ix-zb-80-08","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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