{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2008-11-20","aktenzeichen":"IX ZB 87/07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 87/07 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n20. November 2008 \n\nin dem Insolvenzverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Ganter, den Richter Vill, die Richterin Lohmann und die Richter Dr. Fischer \n\nund Dr. Pape \n\nam 20. November 2008 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 5. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Gera vom 3. April 2007 wird auf Kosten des wei-\n\nteren Beteiligten als unzulässig verworfen. \n\nDer Gegenstandswert für das Rechtsbeschwerdeverfahren wird \n\nauf 25.726,83 € festgesetzt. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDer weitere Beteiligte wurde mit Beschluss des Insolvenzgerichts vom \n\n28. Januar 1999 zum vorläufigen Insolvenzverwalter über das Vermögen der \n\nSchuldnerin bestellt; zugleich wurde ein Zustimmungsvorbehalt gemäß § 21 \n\nAbs. 2 Satz 1 Nr. 2 Halbs. 2 InsO angeordnet. Am 1. März 1999 wurde das In-\n\nsolvenzverfahren eröffnet. \n\n2 \n\n3 \n\n4 \n\nAm 6. Dezember 2004 beantragte der weitere Beteiligte, seine Vergü-\n\ntung als vorläufiger Insolvenzverwalter auf 33.267,45 € zuzüglich 511,29 € Aus-\n\nlagen und 16 % Umsatzsteuer festzusetzen, zusammen 39.183,34 €. \n\nDas Insolvenzgericht hat mit Beschluss vom 2. Februar 2005 die Vergü-\n\ntung auf 11.089,15 € und die Auslagen auf 511,29 € festgesetzt, jeweils zuzüg-\n\nlich 16 % Umsatzsteuer, zusammen 13.456,51 €. \n\nDie hiergegen gerichtete sofortige Beschwerde hat das Landgericht mit \n\nBeschluss vom 3. April 2007 zurückgewiesen. Mit der Rechtsbeschwerde ver-\n\nfolgt der vorläufige Insolvenzverwalter seinen Vergütungsfestsetzungsantrag in \n\nvollem Umfang weiter. \n\nII. \n\n5 \n\nDie Rechtsbeschwerde ist nach § 574 Abs. 2 ZPO unzulässig. Die Zu-\n\nlässigkeitsvoraussetzungen der kraft Gesetzes - hier gemäß §§ 6, 7, 64 Abs. 3 \n\nSatz 1, § 21 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 InsO - statthaften Rechtsbeschwerde beurteilen \n\nsich nach dem Zeitpunkt der Entscheidung über dieses Rechtsmittel (BGH, \n\nBeschl. v. 23. September 2003 - VI ZA 16/03, NJW 2003, 3781, 3782 unter 3. a. \n\nE.; v. 23. Oktober 2008 - IX ZB 35/05 z.V.b.). Die von der Rechtsbeschwerde \n\naufgeworfene Rechtsfrage ist geklärt, ohne dass die Einheitlichkeit der Recht-\n\nsprechung im Blick auf die Beschwerdeentscheidung zum Nachteil des Be-\n\nschwerdeführers berührt wäre. Er ist auch nicht in einem Verfahrensgrundrecht \n\nverletzt. \n\n6 \n\n1. Die Frage, in welchem Umfang sich aus der Übergangsregelung des \n\n§ 19 Abs. 2 InsVV eine Rückwirkung ergibt, ist geklärt. Jedenfalls auf Vergütun-\n\ngen aus vorläufigen Insolvenzverwaltungen, die vor dem 29. Dezember 2006 \n\nbegonnen und geendet haben, ist die zuvor geltende Fassung des § 11 Abs. 1 \n\nInsVV weiter anzuwenden. § 19 Abs. 2 InsVV bezieht sich lediglich auf § 11 \n\nAbs. 2 InsVV, die Nachbewertung des Schuldnervermögens, auf das sich die \n\nTätigkeit des vorläufigen Insolvenzverwalters erstreckte (BGH, Beschl. v. \n\n23. Oktober 2008 - IX ZB 35/05 aaO). Erst recht gilt dies in den Fällen, in denen \n\n- wie hier - schon die Erste Verordnung zur Änderung der insolvenzrechtlichen \n\nVergütungsverordnung vom 4. Oktober 2004 (BGBl I S. 2569) gemäß § 19 \n\nAbs. 1 InsVV keine Anwendung findet (BGH, Beschl. v. 23. Oktober 2008 \n\n- IX ZB 55/05). \n\nIm Beschwerdefall bleibt es demgemäß bei den Grundsätzen der Se-\n\nnatsbeschlüsse vom 14. Dezember 2005 (BGHZ 165, 266) und 13. Juli 2006 \n\n(BGHZ 168, 321). Wie die Rechtsbeschwerde selbst ausführt, steht die Ent-\n\nscheidung des Beschwerdegerichts im Einklang mit diesen Grundsätzen. \n\n2. Da § 11 Abs. 1 InsVV in der Fassung der Zweiten Verordnung zur Än-\n\nderung der Insolvenzrechtlichen Vergütungsverordnung nicht anwendbar ist, \n\nkommt die Zulässigkeit entgegen der Auffassung der Rechtsbeschwerde auch \n\nnicht zur Einheitlichkeitssicherung (§ 574 Abs. 2 Nr. 2 Altern. 2 ZPO) in Be-\n\ntracht; das Beschwerdegericht hat die Vorschrift zutreffend nicht angewandt. \n\n7 \n\n8 \n\n9 \n\n3. Die vorsorglich geltend gemachte Divergenz zu der Rechtsprechung \n\ndes Senats, wonach bei der Beurteilung der geltend gemachten Zuschläge \n\nnicht auf den formalen Gesichtspunkt abgestellt werden darf, dass im vorlie-\n\ngenden Fall kein Übergang der Verfügungsbefugnis, sondern nur ein Zustim-\n\nmungsvorbehalt angeordnet war, liegt nicht vor. Die Rechtsbeschwerde hat die-\n\nse Grundsätze zwar zutreffend dargelegt (vgl. BGH, Beschl. v. 14. Dezember \n\n2005 - IX ZB 268/04, ZIP 2006, 625, 627 Rn. 14; v. 13. April 2006 - IX ZB \n\n158/05, ZIP 2006, 1008, 1009 Rn. 7). Hiervon ist das Beschwerdegericht jedoch \n\nnicht abgewichen. Es hat den Umstand, dass ein Zustimmungsvorbehalt und \n\nnicht ein Verfügungsverbot für den Schuldner angeordnet war, lediglich zutref-\n\nfend bei dem Haftungsrisiko des vorläufigen Insolvenzverwalters berücksichtigt. \n\n10 \n\nDie Bemessung vorzunehmender Zu- und Abschläge ist im Übrigen \n\ngrundsätzlich Aufgabe des Tatrichters. Sie ist in der Rechtsbeschwerdeinstanz \n\nnur darauf zu überprüfen, ob sie eine Gefahr der Verschiebung der Maßstäbe \n\nmit sich bringt (st. Rspr.; vgl. zuletzt etwa BGH, Beschl. v. 14. Februar 2008 \n\n- IX ZB 181/04, ZIP 2008, 618, 619 Rn. 3; v. 12. Juni 2008 - IX ZB 184/07 \n\nRn. 4; v. 23. Oktober 2008 - IX ZB 29/05). Dies ist hier nicht der Fall. \n\n11 \n\n4. Das Grundrecht des weiteren Beteiligten auf rechtliches Gehör hat das \n\nBeschwerdegericht entgegen der weiteren vorsorglichen Rüge nicht verletzt. Da \n\n§ 11 Abs. 1 InsVV in der ab dem 29. Dezember 2006 geltenden Fas- \n\nsung hier keine Anwendung findet, hatte das Beschwerdegericht ihn auch nicht \n\nauf dessen Geltung hinzuweisen. \n\nGanter \n\nVill \n\nLohmann\n\nFischer \n\nPape \n\nVorinstanzen: \n\nAG Gera, Entscheidung vom 02.02.2005 - 8 IN 37/99 - \n\nLG Gera, Entscheidung vom 03.04.2007 - 5 T 200/05 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-11-20/ix-zb-87-07","cited_norms":[{"jurabk":"InsVV","ref":"§ 11","ref_norm":"11","n":4},{"jurabk":"InsVV","ref":"§ 19","ref_norm":"19","n":3},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 21","ref_norm":"21","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-11-20/ix-zb-87-07","retrieved":"2026-07-10 19:01:39.650249+00:00"},"card":{"id":"bgh/2008-11-20/ix-zb-87-07","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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