{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2008-11-20","aktenzeichen":"IX ZB 30/08","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 30/08 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n20. November 2008 \n\nin dem Insolvenzverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Ganter, den Richter Vill, die Richterin Lohmann und die Richter Dr. Fischer \n\nund Dr. Pape \n\nam 20. November 2008 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 4. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Offenburg vom 20. Dezember 2007 wird auf \n\nKosten des weiteren Beteiligten als unzulässig verworfen. \n\nDer Gegenstandswert für das Rechtsbeschwerdeverfahren wird \n\nauf 21.915,70 € festgesetzt. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDer Rechtsbeschwerdeführer war vom 31. Oktober 2005 bis \n\n30. Dezember 2005 vorläufiger Verwalter in dem Verfahren zur Eröffnung des \n\nInsolvenzverfahrens über das Vermögen des Schuldners. Er beantragte mit \n\nSchreiben vom 6. September 2007 und 26. November 2007 - unter teilweiser \n\nRücknahme seines zuerst gestellten Antrages -, seine Vergütung auf \n\n51.314,34 € zuzüglich 500 € Auslagen und 8.290,29 € Umsatzsteuer festzuset-\n\nzen, insgesamt 60.104,63 €. \n\n2 \n\nDas Amtsgericht hat die Vergütung auf 32.421,49 €, die Auslagen auf \n\n500 € und die Umsatzsteuer auf 5.267,44 € \n\nfestgesetzt, zusammen \n\n38.188,93 €. Die hiergegen gerichtete sofortige Beschwerde ist ohne Erfolg \n\ngeblieben. Mit der Rechtsbeschwerde verfolgt der weitere Beteiligte seinen \n\nVergütungsfestsetzungsantrag in vollem Umfang weiter. \n\nII. \n\n3 \n\n4 \n\nDie Rechtsbeschwerde ist statthaft (§§ 6, 7, 64 Abs. 3 Satz 1, § 21 \n\nAbs. 2 Satz 1 Nr. 1 InsO), aber unzulässig. Die Rechtsbeschwerdebegründung \n\ndeckt keinen Zulässigkeitsgrund im Sinne des § 574 Abs. 2 ZPO auf. \n\n1. Die Frage, unter welchen Voraussetzungen anzunehmen ist, dass sich \n\nein vorläufiger Insolvenzverwalter im Sinne des § 11 Abs. 1 Satz 4 InsVV in der \n\nFassung der Zweiten Verordnung zur Änderung der Insolvenzrechtlichen Ver-\n\ngütungsverordnung vom 21. Dezember 2006 (BGBl. I S. 3389) in erheblichem \n\nUmfang mit Vermögensgegenständen befasst hat, an denen Aus- oder Abson-\n\nderungsrechte bestehen, ist nicht entscheidungserheblich. \n\n5 \n\nDas Landgericht hat, was auch die Rechtsbeschwerde verkennt, zu Un-\n\nrecht § 11 Abs. 1 Satz 4 InsVV in der genannten Fassung angewandt. Wie der \n\nSenat inzwischen entschieden hat, ergibt sich aus § 19 Abs. 2 InsVV keine \n\nRückwirkung für die Anwendbarkeit des § 11 Abs. 1 InsVV. Jedenfalls auf Ver-\n\ngütungen aus vorläufigen Insolvenzverwaltungen, die vor dem 29. Dezember \n\n2006 begannen und geendet haben, ist die zuvor geltende Fassung des § 11 \n\nAbs. 1 InsVV weiter anzuwenden (BGH, Beschl. v. 23. Oktober 2008 - IX ZB \n\n35/05 z.V.b.). \n\n6 \n\nIm Beschwerdefall hatte es demgemäß bei den Grundsätzen der Se-\n\nnatsbeschlüsse vom 14. Dezember 2005 (BGHZ 165, 266) und 13. Juli 2006 \n\n(BGHZ 168, 321) zu verbleiben. Danach waren Gegenstände mit Aus- und Ab-\n\nsonderungsrechten bei der Vergütung des vorläufigen Insolvenzverwalters zu \n\nberücksichtigen, wenn sich der vorläufige Verwalter damit in erheblichem Um-\n\nfang befasst hat. In diesem Fall hätte sich die erhebliche Befassung allerdings \n\nnicht bei der Berechnungsgrundlage niedergeschlagen, sondern sie hätte zu \n\neinem Zuschlag zur Regelvergütung geführt (BGHZ 168, 321, 322). \n\n7 \n\n8 \n\n9 \n\n2. Das Beschwerdegericht hat jedoch eine erhebliche Befassung ver-\n\nneint. Die Zulässigkeit der Rechtsbeschwerde ist insoweit auch nicht unter dem \n\nGesichtspunkt einer erforderlichen Rechtsfortbildung oder Einheitlichkeitssiche-\n\nrung gegeben. \n\nIn der Rechtsprechung des Senats ist geklärt, wann eine erhebliche Be-\n\nfassung anzunehmen ist (vgl. BGHZ 168, 321, 336 Rn. 35 ff; BGH, Beschl. v. \n\n28. September 2006 - IX ZB 230/05, ZIP 2006, 2134, 2136 Rn. 20 ff). \n\nDas Beschwerdegericht hat diese Grundsätze übernommen. Die Würdi-\n\ngung der Umstände des Einzelfalles ist Aufgabe des Tatrichters. Sie ist im \n\nRechtsbeschwerdeverfahren nur darauf zu überprüfen, ob sie die Gefahr der \n\nVerschiebung von Maßstäben mit sich bringt (vgl. BGH, Beschl. v. 14. Februar \n\n2008 - IX ZB 181/04, ZIP 2008, 618, 619 Rn. 3; v. 12. Juni 2008 - IX ZB 184/07 \n\nRn. 4). Dies ist hier nicht der Fall. Das Beschwerdegericht hat auch alle erhebli-\n\nchen Umstände bei seiner Würdigung berücksichtigt. \n\nGanter \n\nVill \n\nLohmann\n\nFischer \n\nPape \n\nVorinstanzen: \n\nAG Offenburg, Entscheidung vom 04.12.2007 - 2 IN 156/05 - \n\nLG Offenburg, Entscheidung vom 20.12.2007 - 4 T 315/07 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-11-20/ix-zb-30-08","cited_norms":[{"jurabk":"InsVV","ref":"§ 11","ref_norm":"11","n":4},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 21","ref_norm":"21","n":1},{"jurabk":"InsVV","ref":"§ 19","ref_norm":"19","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-11-20/ix-zb-30-08","retrieved":"2026-07-10 18:59:12.139822+00:00"},"card":{"id":"bgh/2008-11-20/ix-zb-30-08","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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