{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2008-11-13","aktenzeichen":"IX ZB 201/07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 201/07 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n13. November 2008 \n\nin dem Insolvenzeröffnungsverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Ganter, die Richter Prof. Dr. Gehrlein, Vill, Dr. Fischer und Grupp \n\nam 13. November 2008 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 4. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Meiningen vom 29. Oktober 2007 wird auf Kos-\n\nten der Schuldnerin als unzulässig verworfen. \n\nDer Gegenstandswert wird auf 89.083,72 € festgesetzt. \n\nGründe: \n\n1 \n\n2 \n\n3 \n\nDie gemäß § 574 Abs. 1 Nr. 1 ZPO, §§ 7, 6 Abs. 1, § 34 Abs. 2 InsO \n\nstatthafte Rechtsbeschwerde ist unzulässig, weil ein Zulässigkeitsgrund nicht \n\ngegeben ist. \n\n1. Die von der Rechtsbeschwerde geltend gemachten Rügen einer Ver-\n\nletzung des Art. 103 Abs. 1 GG greifen nicht durch. \n\na) Das Beschwerdegericht hat das Vorbringen der Schuldnerin, den Mit-\n\ntelpunkt ihrer hauptsächlichen Interessen (Art. 3 Abs. 1 EuInsVO) bereits im \n\nZeitpunkt der Antragstellung am 29. Januar 2007 nach Frankreich verlegt zu \n\nhaben, nicht übergangen. \n\n4 \n\nZwar hat die Schuldnerin abweichend von dem Beschwerdegericht die \n\nAnsicht vertreten, für die Beurteilung, wo sich der Mittelpunkt der hauptsächli-\n\nchen Interessen befindet, sei auf den Zeitpunkt der Eröffnung des Insolvenzver-\n\nfahrens am 17. August 2007 abzustellen, aber - nach ausdrücklichem Hinweis \n\ndurch das Beschwerdegericht - vorsorglich auch für den Zeitpunkt der Antrag-\n\nstellung am 29. Januar 2007 vorgetragen. Das Beschwerdegericht hat auch das \n\nauf diesen Zeitpunkt bezogene Vorbringen der Schuldnerin, wie die Würdigung \n\ndes behaupteten Wohnsitzwechsels im November 2006 belegt, ersichtlich zur \n\nKenntnis genommen und erwogen, ohne sich mit jedem vorgetragenen Um-\n\nstand in den Gründen ausdrücklich auseinandersetzen zu müssen (BVerfGE \n\n96, 205, 216 f). \n\n5 \n\nb) Soweit das Beschwerdegericht von einer \"Scheinsitzverlegung\" durch \n\ndie Schuldnerin gesprochen hat, kommt dem für den Entscheidungsausspruch \n\nkeine tragende Bedeutung zu. Das Beschwerdegericht ist ersichtlich davon \n\nausgegangen, dass die Schuldnerin tatsächlich den Mittelpunkt ihrer haupt-\n\nsächlichen Interessen jedenfalls nicht vor dem 29. Januar 2007 nach Frankreich \n\nverlegt hat. \n\n6 \n\nc) Ohne Erfolg beruft sich die Rechtsbeschwerde darauf, das Beschwer-\n\ndegericht habe das entscheidungserhebliche Vorbringen der Schuldnerin, wo-\n\nnach wegen der Notwendigkeit eines Vermögensbeschlags für die Beurteilung \n\nder örtlichen Zuständigkeit anstelle der Antragstellung auf den späteren Zeit-\n\npunkt der Verfahrenseröffnung abzustellen sei, nicht zur Kenntnis genommen. \n\n7 \n\nDas Beschwerdegericht hat das Vorbringen ersichtlich berücksichtigt, \n\nweil es eingangs seiner rechtlichen Begründung ausdrücklich ausführt, dass für \n\ndie örtliche Zuständigkeit die Verhältnisse im Zeitpunkt der Antragstellung maß-\n\ngeblich seien. \n\n8 \n\nDiese rechtliche Würdigung ist entgegen der Auffassung der Rechtsbe-\n\nschwerde auch sachlich zutreffend: Das Gericht eines Mitgliedsstaats, in des-\n\nsen Gebiet der Schuldner bei Stellung eines Antrags auf Eröffnung des Insol-\n\nvenzverfahrens den Mittelpunkt seiner hauptsächlichen Interessen hat, bleibt für \n\ndie Entscheidung über die Eröffnung dieses Verfahrens zuständig, wenn der \n\nSchuldner nach Antragstellung, aber vor der Eröffnungsentscheidung den Mit-\n\ntelpunkt seiner hauptsächlichen Interessen in das Gebiet eines anderen Mit-\n\ngliedsstaats verlegt (BGH, Beschl. v. 9. Februar 2006 - IX ZB 418/02, ZIP 2006, \n\n529 unter Bezugnahme auf EuGH, Beschl. v. 17. Januar 2006 Rs. C-1/04, ZIP \n\n2006, 188). Mithin ist die Anordnung eines Vermögensbeschlags für die Beur-\n\nteilung der Zuständigkeit ohne Bedeutung. \n\n9 \n\nIm Übrigen wird von einer Begründung abgesehen, weil sie nicht geeig-\n\nnet wäre, zur Klärung von Rechtsfragen grundsätzlicher Bedeutung, zur Fortbil-\n\ndung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung beizu-\n\ntragen (§ 4 InsO, § 577 Abs. 6 Satz 3 ZPO). \n\nGanter \n\nGehrlein \n\nVill \n\nFischer \n\nGrupp \n\nVorinstanzen: \n\nAG Meiningen, Entscheidung vom 17.08.2007 - IN 47/07 - \n\nLG Meiningen, Entscheidung vom 29.10.2007 - 4 T 289/07 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-11-13/ix-zb-201-07","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 34","ref_norm":"34","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 4","ref_norm":"4","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-11-13/ix-zb-201-07","retrieved":"2026-07-10 19:00:45.090871+00:00"},"card":{"id":"bgh/2008-11-13/ix-zb-201-07","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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