{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2008-10-23","aktenzeichen":"IX ZB 17/08","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 17/08 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n23. Oktober 2008 \n\nin dem Insolvenzverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Ganter, die Richter Raebel und Vill, die Richterin Lohmann und den Richter \n\nDr. Pape \n\nam 23. Oktober 2008 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 2. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Halle vom 19. Dezember 2007 wird auf Kosten \n\ndes Schuldners als unzulässig verworfen. \n\nDer Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf \n\n5.000 € festgesetzt. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nAuf Antrag des Schuldners vom 1. August 2005 wurde über sein Vermö-\n\ngen am 22. August 2005 das Insolvenzverfahren eröffnet, in dem er Rest-\n\nschuldbefreiung begehrt. Das durch das Finanzamt Naumburg vertretene betei-\n\nligte Land hat im Schlusstermin vom 28. August 2007 beantragt, dem Schuldner \n\ndie Restschuldbefreiung zu versagen. Der Antrag ist darauf gestützt, dass der \n\nSchuldner anlässlich einer von der Finanzverwaltung gegen ihn erwirkten \n\nfruchtlosen Pfändung am 25. Juli 2005 gegenüber dem Vollstreckungsbeamten \n\nverschwiegen habe, über offene Forderungen in einem Gesamtvolumen von \n\n23.724,64 € sowie ein Bausparguthaben in Höhe von 1.604,48 € zu verfügen. \n\n2 \n\nDas Insolvenzgericht hat den Versagungsantrag zurückgewiesen, weil \n\nder Schuldner gegenüber dem Vollstreckungsbeamten keine eigenhändigen \n\nschriftlichen Angaben, sondern nur von ihm unterschriebene gemacht habe. Auf \n\ndie Beschwerde des Landes hat das Landgericht dem Antrag stattgegeben. Mit \n\nseiner Rechtsbeschwerde verfolgt der Schuldner sein Begehren auf Rest-\n\nschuldbefreiung weiter. \n\nII. \n\n3 \n\n4 \n\n5 \n\nDie statthafte Rechtsbeschwerde (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO, §§ 7, 6 \n\nAbs. 1, § 289 Abs. 2 Satz 1 InsO) ist unzulässig. Das Beschwerdegericht hat \n\ndie Verfahrensgrundrechte des Schuldners nicht verletzt. Weitere Zulässig-\n\nkeitsgründe des § 574 Abs. 2 Nr. 1 und 2 ZPO werden nicht geltend gemacht. \n\n1. Die Rüge, der Anspruch des Schuldners auf rechtliches Gehör sei ver-\n\nletzt, weil das Beschwerdegericht keine Feststellungen zur Zielgerichtetheit des \n\nVerschweigens von Forderungen gegenüber dem Vollstreckungsbeamten ge-\n\ntroffen habe, greift nicht durch. \n\nDas Beschwerdegericht hat im Hinblick auf die subjektiven Vorausset-\n\nzungen des § 290 Abs. 1 Nr. 2 InsO zwar lediglich den Gesetzeswortlaut wie-\n\nderholt. Weiter brauchte es sich mit der subjektiven Seite aber auch nicht zu \n\nbefassen. Der Schuldner hat sich weder im Versagungsverfahren noch im Be-\n\nschwerdeverfahren zum Vortrag des weiteren Beteiligten zu 1 geäußert, Au-\n\nßenstände aus seiner gewerblichen Tätigkeit und eine Forderung aus einem \n\nBausparvertrag verschwiegen zu haben, um dadurch weitere Vollstreckungs-\n\nmaßnahmen der Finanzbehörden zu unterbinden. Dieses Verhalten durfte das \n\nBeschwerdegericht dahin werten, dass der Schuldner dem Vorwurf nicht entge-\n\ngentrat. \n\n6 \n\n2. Die Annahme des Beschwerdegerichts, schriftliche Angaben im Sinne \n\ndes § 290 Abs. 1 Nr. 2 InsO seien auch dann gegeben, wenn der Schuldner \n\nvon einem Dritten aufgenommene Angaben mit seiner Unterschrift bestätige, \n\nsteht im Einklang mit der ständigen Rechtsprechung des Senats (BGHZ 156, \n\n139, 144; Beschl. v. 9. März 2006 - IX ZB 19/05, NZI 2006, 414, 415 Rn. 8 f). \n\nDesweiteren hat der Senat schon mehrfach entschieden, dass der Tatbestand \n\ndes § 290 Abs. 1 Nr. 2 InsO auch durch unrichtige Angaben gegenüber einem \n\nVollstreckungsbeamten des Finanzamts erfüllt werden kann (BGH, Beschl. v. \n\n9. März 2006 aaO Rn. 10; v. 20. Dezember 2007 - IX ZB 189/06, ZVI 2008, 83 \n\nRn. 6). \n\n7 \n\n3. Von einer weiteren Begründung wird abgesehen, weil sie nicht geeig-\n\nnet wäre, zur Klärung von Rechtsfragen grundsätzlicher Bedeutung, zur Fortbil-\n\ndung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung beizu-\n\ntragen (§ 577 Abs. 6 Satz 3 ZPO). \n\nGanter Raebel Vill \n\n Lohmann Pape \n\nVorinstanzen: \n\nAG Halle (Saale), Entscheidung vom 10.10.2007 - 59 IN 923/05 - \n\nLG Halle, Entscheidung vom 19.12.2007 - 2 T 465/07 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-10-23/ix-zb-17-08","cited_norms":[{"jurabk":"InsO","ref":"§ 290","ref_norm":"290","n":3},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 289","ref_norm":"289","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-10-23/ix-zb-17-08","retrieved":"2026-07-10 18:56:17.477379+00:00"},"card":{"id":"bgh/2008-10-23/ix-zb-17-08","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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