{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2008-07-17","aktenzeichen":"IX ZB 150/07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 150/07 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n17. Juli 2008 \n\nin dem Insolvenzverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Ganter, die Richter Prof. Dr. Gehrlein und Vill, die Richterin Lohmann und \n\nden Richter Dr. Fischer \n\nam 17. Juli 2008 \n\nbeschlossen: \n\nAuf die Rechtsmittel des Insolvenzverwalters werden der Be-\n\nschluss der 6. Zivilkammer des Landgerichts Wuppertal vom \n\n17. Juli 2007 und der Beschluss des Amtsgerichts Wuppertal vom \n\n24. Mai 2007 insoweit aufgehoben, als zum Nachteil des Insol-\n\nvenzverwalters bei der Berechnung seiner Vergütung auf die Ver-\n\nwaltervergütung zu zahlende Umsatzsteuer in Höhe von 815,46 € \n\nbei der Berechnungsgrundlage nicht berücksichtigt worden ist. \n\nDie Sache wird zur neuen Entscheidung - auch über die Kosten \n\nder Rechtsmittelverfahren - an das Amtsgericht zurückverwiesen. \n\nDer Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf \n\n485,37 € festgesetzt. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\n2 \n\nDer Verwalter begehrte mit seinem Antrag auf Festsetzung seiner Vergü-\n\ntung, in die Berechnungsgrundlage die auf seine Vergütung zu entrichtende \n\nUmsatzsteuer erhöhend einzurechnen. \n\nDas Amtsgericht hat die Vergütung des Insolvenzverwalters einschließ-\n\nlich Auslagen und Umsatzsteuer auf insgesamt 4.508,97 € festgesetzt. Auf die \n\nhiergegen gerichtete sofortige Beschwerde hat das Landgericht die Vergütung \n\neinschließlich Auslagen und Umsatzsteuer auf 4.621,97 € erhöht. Amtsgericht \n\nund Landgericht haben jeweils die Umsatzsteuer hinsichtlich der Vergütung des \n\nVerwalters bei der Bemessungsgrundlage nicht berücksichtigt. \n\n3 \n\nMit der Rechtsbeschwerde verfolgt der Insolvenzverwalter sein Anliegen \n\nweiter. \n\nII. \n\n4 \n\n5 \n\nDie statthafte Rechtsbeschwerde (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO, §§ 6, \n\n7, 64 Abs. 3 Satz 1 InsO) ist zulässig (§ 574 Abs. 2 Nr. 2 ZPO) und begründet. \n\n1. Grundlage für die Berechnung der Vergütung des Insolvenzverwalters \n\nist gemäß § 63 Abs. 1 Satz 2 InsO der Wert der Insolvenzmasse bei Beendi-\n\ngung des Verfahrens (BGH, Beschl. v. 17. Juni 2003 - IX ZB 476/02, ZIP 2003, \n\n2171, 2172; v. 10. November 2005 - IX ZB 168/04, ZIP 2006, 93 Rn. 5; v. \n\n26. Januar 2006 - IX ZB 183/04, ZIP 2006, 486, 487 Rn. 15; v. 25. Oktober \n\n2007 - IX ZB 147/06, ZIP 2008, 81 Rn. 5). \n\n6 \n\nEinnahmen der Masse, die noch nicht feststehen, können grundsätzlich \n\nnoch nicht Grundlage der Vergütungsfestsetzung des Verwalters sein. Steht \n\naber ein späterer Massezufluss bei Einreichung der Schlussrechnung schon mit \n\nSicherheit fest, ist dieser bereits bei der Schlussrechnung und der hierauf ge-\n\nstützten Vergütungsfestsetzung zu berücksichtigen \n\n(BGH, Beschl. v. \n\n10. November 2005 aaO S. 94 Rn. 12; v. 26. Januar 2006 aaO Rn. 17 f; v. \n\n5. Juli 2007 - IX ZB 305/04, ZIP 2007, 1958, 1959 Rn. 9; v. 25. Oktober 2007 \n\naaO Rn. 6). Steuererstattungsansprüche der Masse, die nach Einreichung der \n\nSchlussrechnung mit Sicherheit zu erwarten sind, werden deshalb in die Be-\n\nmessungsgrundlage einbezogen (BGH, Beschl. v. 25. Oktober 2007 aaO Rn. 6 \n\nm.w.N.). Voraussetzung ist allerdings, dass diese tatsächlich an die Masse \n\nausbezahlt werden und daher die Masse erhöhen. \n\n7 \n\nAmtsgericht und Landgericht haben die Berücksichtigung der für die Ver-\n\ngütung zu zahlenden Umsatzsteuer bei der Bemessungsgrundlage grundsätz-\n\nlich abgelehnt. Dem kann nicht gefolgt werden. Dies hat der Senat mit Be-\n\nschluss vom 25. Oktober 2007 (aaO) entschieden. Hierauf wird wegen der Ein-\n\nzelheiten Bezug genommen. \n\n8 \n\n2. Die Masse schuldet auf die von ihr erbrachten Lieferungen oder sons-\n\ntigen Leistungen die hierauf entfallende Umsatzsteuer. Hiervon kann die Vor-\n\nsteuer der Vorumsätze gemäß § 15 UStG abgezogen werden. Ein Umsatzsteu-\n\nererstattungsanspruch der Masse ergibt sich aber nach Einreichung der \n\nSchlussrechnung nur dann, wenn für den dann maßgeblichen Besteuerungs-\n\nzeitraum ein Überschuss der Vorsteuerbeträge festgestellt wird. Dann ist dieser \n\nvom Finanzamt zu erstatten und an die Masse auszubezahlen (BGH, Beschl. v. \n\n25. Oktober 2007 aaO Rn. 9). \n\n9 \n\nDas Amtsgericht wird deshalb festzustellen haben, ob für die Zeit nach \n\nEinreichung der Schlussrechnung aufgrund der auf die Verwaltervergütung zu \n\nzahlenden Umsatzsteuer tatsächlich eine Umsatzsteuererstattung sicher zu \n\nerwarten ist. Diese ist sodann bei der Bemessungsgrundlage zu berücksichti-\n\ngen. \n\nGanter \n\nGehrlein \n\nVill \n\nLohmann \n\nFischer \n\nVorinstanzen: \n\nAG Wuppertal, Entscheidung vom 24.05.2007 - 145 IN 1150/05 - \n\nLG Wuppertal, Entscheidung vom 17.07.2007 - 6 T 506/07 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-07-17/ix-zb-150-07","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 6","ref_norm":"6","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 63","ref_norm":"63","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 64","ref_norm":"64","n":1},{"jurabk":"UStG 1980","ref":"§ 15","ref_norm":"15","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-07-17/ix-zb-150-07","retrieved":"2026-07-10 19:51:45.904722+00:00"},"card":{"id":"bgh/2008-07-17/ix-zb-150-07","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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