{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"Senat fuer Landwirtschaftssachen","decided":"2008-07-08","aktenzeichen":"LwZR 5/08","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nLwZR 5/08 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n8. Juli 2008 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nDer Bundesgerichtshof, Senat für Landwirtschaftssachen, hat am 8. Juli 2008 \n\ndurch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Krüger und die Richter Dr. Lemke und \n\nDr. Czub gemäß § 20 Abs. 1 Nr. 7 LwVG ohne Hinzuziehung ehrenamtlicher \n\nRichter \n\nbeschlossen: \n\nDer Antrag des Beklagten, die Zwangsvollstreckung aus dem Ur-\n\nteil des 7. Zivilsenats - Senat für Landwirtschaftssachen - des \n\nOberlandesgerichts Celle vom 6. Februar 2008 - 7 U 132/07 - oh-\n\nne eine von dem Beklagten zu erbringende Sicherheitsleistung \n\neinstweilen einzustellen, wird zurückgewiesen. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDer Kläger verlangt von dem Beklagten die Herausgabe eines Hofgrund-\n\nstücks, nachdem das in einem gerichtlichen Vergleich der Parteien vereinbarte \n\nWohnrecht des Beklagten am 31. Juli 2005 geendet hat. Der Beklagte wendet \n\nein, dass der Kläger nicht Alleineigentümer des Hofes sei, da ein am 2. März \n\n1979 für diesen ausgestelltes Hoffolgezeugnis unrichtig sei. \n\n2 \n\nDas Amtsgericht (Landwirtschaftsgericht) hat dem Antrag des Klägers \n\nauf Räumung und Herausgabe durch Beschluss stattgegeben. Das Oberlan-\n\ndesgericht (Landwirtschaftssenat) hat die sofortige Beschwerde des Beklagten \n\ngegen diesen Beschluss als zulässige Berufung behandelt, das Rechtsmittel in \n\nder Sache jedoch zurückgewiesen. Der Beklagte hat für die von ihm bei dem \n\nBundesgerichtshof eingelegte Nichtzulassungsbeschwerde Prozesskostenhilfe \n\nund - nunmehr - nach Mitteilung der Anberaumung eines Räumungstermins \n\ndurch den Gerichtvollzieher Vollstreckungsschutz durch einstweilige Einstellung \n\nder Zwangsvollstreckung beantragt. \n\nII. \n\n3 \n\nDer Antrag des Beklagten auf vorläufige Einstellung der Zwangsvollstre-\n\nckung nach §§ 719 Abs. 2, Abs. 1 Satz 1, 707 Abs. 1 Satz 1 ZPO, über den der \n\nSenat nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 LwVG ohne Hinzuziehung ehrenamtlicher Richter \n\nentscheiden kann (Senat, Beschl. v. 11. September 1997, RdL 1998, 45), ist \n\nnicht begründet. \n\n4 \n\n1. Eine Einstellung nach § 719 Abs. 2 Satz 1 ZPO setzt voraus, dass \n\ndem Schuldner durch die Vollstreckung ein unersetzlicher Nachteil entsteht. \n\nNicht unersetzlich sind jedoch die Nachteile, die der Schuldner selbst vermei-\n\nden kann. Der Schuldner kann sich daher nach ständiger Rechtsprechung des \n\nBundesgerichtshofes nicht auf einen unersetzlichen Nachteil berufen, wenn er \n\nim Berufungsrechtszug keinen Vollstreckungsschutzantrag nach § 712 ZPO \n\ngestellt hat (BGH, Beschl. v. 6. Mai 2004, V ZA 4/04, NJW-RR 2004, 936; \n\nBeschl. v. 29. Juli 2004, III ZR 263/04, NJW-RR 2005, 147; Beschl. v. 9. August \n\n2004, VIII ZR 178/04, WuM 2004, 553). Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn es \n\ndem Schuldner im Berufungsverfahren aus besonderen Gründen nicht möglich \n\noder nicht zumutbar war, einen solchen Vollstreckungsschutzantrag zu stellen, \n\nweil die Gründe, die die Einstellung der Vollstreckung rechtfertigen könnten, im \n\nZeitpunkt der mündlichen Verhandlung vor dem Berufungsgericht noch nicht \n\nerkennbar waren oder glaubhaft gemacht werden konnten (BGH, Beschl. v. \n\n5 \n\n6 \n\n7. September 1999, XII ZR 237/99, BGHR ZPO § 719 Abs. 2 Einstellungsgrün-\n\nde 3; Beschl. v. 4. September 2002, XII ZR 173/02, NJW-RR 2002, 1650). \n\n2. Gemessen daran kann der Antrag auf Einstellung der Zwangsvollstre-\n\nckung ohne Sicherheitsleistung keinen Erfolg haben. \n\na) Der Einwand des Beklagten, dass er den Antrag nach § 712 ZPO nicht \n\nmehr rechtzeitig vor dem Schluss der mündlichen Verhandlung über die Beru-\n\nfung habe stellen können, weil das Berufungsgericht erst im Termin mitgeteilt \n\nhabe, dass das Verfahren als zivilprozessualer Rechtsstreit zu führen sei, ist \n\nschon deshalb unbegründet, weil es für den Vollstreckungsschutzantrag nach § \n\n712 ZPO nicht darauf ankommt, in welcher Verfahrensart das Landwirtschafts-\n\ngericht entscheidet. Der Beklagte hätte den Schutzantrag ebenso gegenüber \n\neinem in einer Landwirtschaftssache der freiwilligen Gerichtsbarkeit ergangenen \n\nTitel auf Räumung stellen müssen (vgl. Senat, Beschl. v. 11. September 1997, \n\nBLw 19/97, RdL 1998, 45). \n\n7 \n\nb) Andere Gründe dafür, dass es nicht möglich gewesen sei, den Antrag \n\nnach § 712 ZPO nicht zu stellen, trägt der Beklagte nicht vor. Der Umstand, \n\ndass das Sozialamt der Stadt, solange der Beklagte sich noch auf sein Wohn-\n\nrecht beruft, einen Anspruch des Beklagten auf zusätzliche Sozialleistungen \n\nwegen seines Unterkunftsbedarfs verneint, ist als solches ebenfalls nicht neu \n\nund hätte auch schon vor dem Berufungsgericht vorgetragen werden können. \n\nKrüger Lemke Czub \n\nVorinstanzen: \n\nAG Celle, Entscheidung vom 03.07.2007 - 31 Lw 26/07 - \n\nOLG Celle, Entscheidung vom 06.02.2008 - 7 U 132/07 (L) -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-07-08/lwzr-5-08","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 712","ref_norm":"712","n":4},{"jurabk":"LwVfG","ref":"§ 20","ref_norm":"20","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 719","ref_norm":"719","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-07-08/lwzr-5-08","retrieved":"2026-07-10 18:37:18.325243+00:00"},"card":{"id":"bgh/2008-07-08/lwzr-5-08","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"Senat fuer Landwirtschaftssachen","date":"2008-07-08","dockets":["LwZR 5/08"],"decision_type":"Beschluss","ecli":null,"ids":{"ecli":null},"cite_as":"BGH, Beschluss vom 08.07.2008 – LwZR 5/08","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-07-08/lwzr-5-08","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Der Antrag des Beklagten, die Zwangsvollstreckung aus dem Ur-\n\nteil des 7. 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