{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VI. Zivilsenat","decided":"2008-06-03","aktenzeichen":"VI ZB 55/07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nVI ZB 55/07 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n3. Juni 2008 \n\nin dem selbständigen Beweisverfahren \n\n \n \n \n \n \n \n \n \n\n - - 2\n\nDer VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 3. Juni 2008 durch die Vize-\n\npräsidentin Dr. Müller und die Richter Dr. Greiner, Wellner, Pauge und Stöhr \n\nbeschlossen: \n\nAuf die Rechtsbeschwerde des Antragstellers wird der Beschluss \n\ndes 2. Zivilsenats des Saarländischen Oberlandesgerichts vom \n\n5. Oktober 2007 aufgehoben. \n\nDie Sache wird zur erneuten Entscheidung - auch über die Kosten \n\ndes Rechtsbeschwerdeverfahrens - an das Beschwerdegericht \n\nzurückverwiesen. \n\nGegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens: 433,76 € \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDer Antragsteller hat gegen die Antragsgegnerin wegen eines von ihm \n\nbehaupteten Behandlungsfehlers ein selbständiges Beweisverfahren durchge-\n\nführt. Mit Beschluss des Landgerichts vom 17. April 2007 sind ihm die Kosten \n\ndes Verfahrens auferlegt worden. Mit Kostenfestsetzungsantrag vom 6. März \n\n2007 hat die Antragsgegnerin auf der Grundlage des vom Landgericht auf \n\n10.000 € festgesetzten Gegenstandswerts unter anderem die Festsetzung einer \n\n1,3-Verfahrensgebühr beantragt. Mit Kostenfestsetzungsbeschluss vom 8. Mai \n\n \n \n \n \n \n \n \n \n \n\n - - 3\n\n2007 hat die Rechtspflegerin des Landgerichts die der Antragsgegnerin vom \n\nAntragsteller zu erstattenden Kosten antragsgemäß auf 775,64 € nebst Zinsen \n\nfestgesetzt. Dagegen hat der Antragsteller sofortige Beschwerde eingelegt und \n\nsich gegen den vollen Ansatz der Verfahrensgebühr gewandt. Die Rechtspfle-\n\ngerin hat der sofortigen Beschwerde nicht abgeholfen und sie dem Oberlandes-\n\ngericht vorgelegt. Dieses hat die sofortige Beschwerde mit dem angefochtenen \n\nBeschluss zurückgewiesen. Dagegen wendet sich der Antragsteller mit der vom \n\nBeschwerdegericht zugelassenen Rechtsbeschwerde. \n\n2 \n\n3 \n\n4 \n\n5 \n\nII. \n\nDie Rechtsbeschwerde ist statthaft (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO) und \n\nauch im Übrigen zulässig. \n\n1. Das Beschwerdegericht ist der Auffassung, die Verfahrensgebühr sei \n\nim Kostenfestsetzungsverfahren in voller Höhe festzusetzen. Eine teilweise An-\n\nrechnung der Geschäftsgebühr nach Nr. 2300 VV RVG komme im Kostenfest-\n\nsetzungsverfahren nur dann in Betracht, wenn entsprechende Erstattungsan-\n\nsprüche entweder anderweitig tituliert oder unstreitig seien. Dies sei hier nicht \n\nder Fall. \n\n2. Dagegen wendet sich die Rechtsbeschwerde mit Erfolg. \n\na) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist eine wegen \n\ndesselben Gegenstands entstandene Geschäftsgebühr nach der Vorbemer-\n\nkung 3 Abs. 4 zu Nr. 3100 VV RVG anteilig auf die in dem anschließenden ge-\n\nrichtlichen Verfahren anfallende Verfahrensgebühr anzurechnen (BGH, Urteile \n\nvom 7. März 2007 - VIII ZR 86/06 - VersR 2007, 1098 und vom 14. März 2007 \n\n- VIII ZR 184/06 - NJW 2007, 2050; BGH, Versäumnisurteil vom 11. Juli 2007 \n\n \n\n - - 4\n\n- VIII ZR 310/06 - NJW 2007, 3500; ebenso VGH München, NJW 2006, 1990; \n\nOLG Hamburg, MDR 2007, 1224). An dieser Sichtweise, die in erster Linie auf \n\nden klaren Wortlaut der Anrechnungsbestimmung gestützt ist, hält der VIII. Zi-\n\nvilsenat des Bundesgerichtshofs trotz der namentlich in der Instanzrechtspre-\n\nchung (z.B. KG, AGS 2007, 439; OLG München, Rpfleger 2007, 686; OLG \n\nKarlsruhe, AGS 2007, 494; OLG Koblenz, AnwBl 2007, 873; OLG Stuttgart, Be-\n\nschluss vom 30. Oktober 2007, AGS 2008, 43) geäußerten Kritik fest (BGH, \n\nBeschluss vom 22. Januar 2008 - VIII ZB 57/07 - NJW 2008, 1323). Der VI. Zi-\n\nvilsenat schließt sich dieser Auffassung an. \n\n6 \n\nb) Wie der VIII. Zivilsenat inzwischen - nach Erlass des angefochtenen \n\nBeschlusses - entschieden hat, ist es für die Anrechnung ohne Bedeutung, ob \n\ndie Geschäftsgebühr auf materiell-rechtlicher Grundlage vom Prozessgegner zu \n\nerstatten und ob sie unstreitig, geltend gemacht, tituliert oder bereits beglichen \n\nist (BGH, Beschluss vom 22. Januar 2008 - VIII ZB 57/07 - aaO; vgl. auch \n\nStreppel, MDR 2008, 421). Für die Anrechnung und damit die von selbst ein-\n\nsetzende Kürzung ist nach dem Wortlaut der Anrechnungsbestimmung vielmehr \n\nentscheidend, ob und in welcher Höhe eine Geschäftsgebühr bei vorausgesetz-\n\nter Identität des Streitgegenstandes entstanden ist, der Rechtsanwalt zum Zeit-\n\npunkt des Entstehens der Verfahrensgebühr also schon einen Anspruch auf \n\neine Geschäftsgebühr aus seinem vorprozessualen Tätigwerden erlangt hatte. \n\n7 \n\nDiese Grundsätze gelten entsprechend für das selbständige Beweisver-\n\nfahren, denn das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz enthält insoweit keine Son-\n\ndervorschriften \n\n(vgl. Gerold/Schmidt/v. Eicken/Madert//Müller-Rabe, RVG, \n\n17. Aufl., Anhang III, Rz. 6). Soweit wegen desselben Gegenstands eine Ge-\n\nschäftsgebühr nach Nr. 2300 RVG entstanden ist, wird diese Gebühr zur Hälfte, \n\nhöchstens mit einem Gebührensatz von 0,75, auf die Verfahrensgebühr des \n\nselbständigen Beweisverfahrens angerechnet. Die Rechtsbeschwerde rügt \n\n - - 5\n\nhiernach zu Recht, dass das Beschwerdegericht offen gelassen hat, ob die Ver-\n\nfahrensbevollmächtigten der Antragsgegnerin in dieser Sache vorgerichtlich \n\ntätig geworden sind. Ist dies nämlich der Fall, muss die angemeldete 1,3-\n\nVerfahrensgebühr nach Nr. 3100 VV RVG wegen der Geschäftsgebühr nach \n\nNr. 2300 VV RVG auf eine 0,65-Gebühr gekürzt werden. Die hierfür erforderli-\n\nchen Feststellungen wird das Beschwerdegericht nach erfolgter Zurückverwei-\n\nsung nachzuholen haben. \n\nMüller Greiner Wellner \n\n Pauge Stöhr \n\nVorinstanzen: \n\nLG Saarbrücken, Entscheidung vom 08.05.2007 - 16 OH 3/06 - \n\nOLG Saarbrücken, Entscheidung vom 05.10.2007 - 2 W 188/07-21 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-06-03/vi-zb-55-07","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-06-03/vi-zb-55-07","retrieved":"2026-07-10 19:46:32.892543+00:00"},"card":{"id":"bgh/2008-06-03/vi-zb-55-07","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"VI. 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