{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"Senat fuer Anwaltssachen","decided":"2008-04-28","aktenzeichen":"AnwZ (B) 18/08","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nAnwZ (B) 18/08 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n28. April 2008 \n\nin dem Verfahren \n\nwegen Beiladung zu einer Wahlanfechtung \n\nDer Bundesgerichtshof, Senat für Anwaltssachen, hat durch den Vorsitzenden \n\nRichter Dr. Ganter, die Richter Dr. Schmidt-Räntsch und Schaal, die Richterin \n\nRoggenbuck, die Rechtsanwälte Dr. Frey, Dr. Wüllrich und Prof. Dr. Quaas \n\nohne mündliche Verhandlung \n\nam 28. April 2008 \n\nbeschlossen: \n\nDie sofortige Beschwerde des Beiladungspetenten gegen den Be-\n\nschluss des II. Senats des Anwaltsgerichtshofs in der Freien und \n\nHansestadt Hamburg vom 28. November 2007 über die Zurück-\n\nweisung des Beiladungsantrags wird als unzulässig verworfen. \n\nVon der Erhebung von Gerichtskosten von dem Beiladungspeten-\n\nten wird abgesehen. Außergerichtliche Auslagen sind von ihm \n\nnicht zu erstatten. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nAuf der Kammerversammlung am 22. Mai 2007 wurde der Beiladungspe-\n\ntent in den Vorstand der Antragsgegnerin gewählt. Diese Wahl ficht der An-\n\ntragsteller an. Der Beiladungspetent hat seine Beiladung zu diesem Wahlan-\n\nfechtungsverfahren beantragt. Diesen Antrag hat der Anwaltsgerichtshof zu-\n\nrückgewiesen. Dagegen richtet sich die Beschwerde des Beiladungspetenten. \n\nII. \n\n2 \n\n3 \n\nDas Rechtsmittel bleibt ohne Erfolg. \n\n1. Dem Beiladungspetenten ist zwar einzuräumen, dass die Vorschriften \n\nder Verwaltungsgerichtsordnung über die Beiladung in berufsrechtlichen Ver-\n\nfahren nach der Bundesrechtsanwaltsordnung entsprechend anzuwenden sind. \n\nDer Senat hat dies für das Zulassungsverfahren (BGHZ 171, 69, 71; Beschl. v. \n\n13. Oktober 2006, AnwZ (B) 87/05, unveröff.) und für die Wahl zum Rechtsan-\n\nwalt beim Bundesgerichtshof entschieden (Beschl. v. 28. Juli 2006, AnwZ 1/06 \n\nund AnwZ 2/06, beide unveröff.). Für die Anfechtung der Wahl von Mitgliedern \n\ndes Vorstands einer Rechtsanwaltskammer gilt nichts anderes. Richtig ist auch, \n\ndass die Beiladung des Gewählten im verwaltungsgerichtlichen Wahlanfech-\n\ntungsverfahren als Fall der notwendigen Beiladung anerkannt ist (BVerwGE 80, \n\n228, 229; BVerwG, NVwZ 1982, 243; OVG Münster, NVwZ-RR 1991, 420, 421; \n\nVGH München, Beschl. v. 17. Februar 1997, 4 D 96.4282, veröff. bei juris). \n\n4 \n\n2. Gegen die Ablehnung einer Beiladung durch den Anwaltsgerichtshof \n\nist aber die sofortige Beschwerde nicht statthaft (Senat, Beschl. v. 27. Novem-\n\nber 2006, AnwZ (B) 102/05, RdL 2008, 44, insoweit in BGHZ 171, 69 nicht ab-\n\ngedruckt). In Verfahren über Anträge auf gerichtliche Entscheidung in Wahlan-\n\nfechtungssachen ist eine sofortige Beschwerde gegen Entscheidungen des \n\nAnwaltsgerichtshofs nach § 91 Abs. 6 Satz 1 BRAO nur zulässig, wenn der An-\n\nwaltsgerichtshof sie zugelassen hat. Das gilt auch für prozessuale Zwischen-\n\nentscheidungen. An der Zulassung fehlt es hier. Die Statthaftigkeit der soforti-\n\ngen Beschwerde ergibt sich deshalb auch nicht aus § 223 BRAO, der ebenfalls \n\neine Zulassung des Rechtsmittels durch den Anwaltsgerichtshof verlangt \n\n(Abs. 3 Satz 1). Auch aus den Vorschriften des Gesetzes über die Angelegen-\n\nheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit, die nach § 91 Abs. 7 i. V. m. § 40 Abs. 4 \n\nBRAO sinngemäß gelten, lässt sich die Statthaftigkeit der Beschwerde nicht \n\nherleiten. Entscheidungen der Oberlandesgerichte in Verfahren der Freiwilligen \n\nGerichtsbarkeit sind unanfechtbar. Dies gilt auch dann, wenn das Oberlandes-\n\ngericht im ersten Rechtszug entschieden hat (BGH, Beschl. v. 19. Dezember \n\n2002, V ZB 61/02, NJW-RR 2003, 644) und damit auch für solche Entscheidun-\n\ngen des beim Oberlandesgericht angesiedelten Anwaltsgerichtshofs (vgl. zur \n\nZurückweisung eines Befangenheitsantrags: Senat, Beschl. v. 26. Mai 1997, \n\nAnwZ (B) 6/97, BRAK-Mitt. 1997, 203, 204; Beschl. v. 31. März 2006, \n\nAnwZ (B) 119/05, BRAK-Mitt. 2006, 174 Ls.). Die Rechtslage unterscheidet sich \n\ndamit im Ergebnis auch nicht von der Rechtslage im Verwaltungsprozess. Ge-\n\ngen die Zurückweisung einer Beiladung wäre zwar im Verwaltungsprozess die \n\nBeschwerde gegeben (VGH Mannheim, NJW 1977, 1308; Kopp/Schenke, \n\nVwGO, 15. Aufl., § 65 Rdn. 38). Das gilt aber nach § 146 VwGO nur im Verfah-\n\nren vor dem Verwaltungsgericht. Gegen die Zurückweisung eines Beiladungs-\n\nantrags durch das - dem Anwaltsgerichtshof im Instanzenzug entsprechende - \n\nOberverwaltungsgericht wäre dagegen nach § 152 VwGO eine Beschwerde \n\nebenfalls ausgeschlossen. \n\n5 \n\n3. Die erfolgte Zurückweisung der beantragten Beiladung hindert den \n\nAnwaltsgerichtshof nicht, einem erneuten Antrag auf Beiladung zu entsprechen. \n\nIII. \n\n6 \n\nÜber das unzulässige Rechtsmittel kann der Senat ohne vorherige \n\nmündliche Verhandlung entscheiden (BGHZ 44, 25). \n\nGanter Schmidt-Räntsch Schaal Roggenbuck \n\n Frey Wüllrich Quaas \n\nVorinstanz: \n\nAGH Hamburg, Entscheidung vom 06.02.2008 - II ZU 8/07 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-04-28/anwz-b-18-08","cited_norms":[{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 146","ref_norm":"146","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 152","ref_norm":"152","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-04-28/anwz-b-18-08","retrieved":"2026-07-10 19:30:39.920731+00:00"},"card":{"id":"bgh/2008-04-28/anwz-b-18-08","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"Senat fuer Anwaltssachen","date":"2008-04-28","dockets":["AnwZ (B) 18/08"],"decision_type":"Beschluss","ecli":null,"ids":{"ecli":null},"cite_as":"BGH, Beschluss vom 28.04.2008 – AnwZ (B) 18/08","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-04-28/anwz-b-18-08","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die sofortige Beschwerde des Beiladungspetenten gegen den Be-\n\nschluss des II. 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