{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2008-02-21","aktenzeichen":"IX ZB 112/07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 112/07 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n21. Februar 2008 \n\nin dem Insolvenzeröffnungsverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Fischer und die Richter Dr. Ganter, Raebel, Dr. Kayser und \n\nProf. Dr. Gehrlein \n\nam 21. Februar 2008 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 5. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Mönchengladbach vom 9. Mai 2007 wird auf \n\nKosten des Schuldners als unzulässig verworfen. \n\nDer Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf \n\n300 € festgesetzt. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nAm 21. Dezember 2006 beantragte die beteiligte Gläubigerin die Eröff-\n\nnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Schuldners. Zur Be-\n\ngründung machte sie unter anderem geltend, dass dieser als Gesellschafter \n\nund Geschäftsführer einer inzwischen insolventen GmbH eine Bürgschaft über \n\n1 Mio. € übernommen habe, die nach Kreditkündigung gezogen worden sei. \n\nDer Schuldner habe ihr gegenüber schriftlich und mündlich erklärt, seinen Zah-\n\nlungspflichten nicht nachkommen zu können. \n\n2 \n\nDurch Beschluss vom 23. April 2007 hat das Insolvenzgericht den weite-\n\nren Beteiligten zu 2 zum mitbestimmenden vorläufigen Insolvenzverwalter be-\n\nstellt und weitere Sicherungsmaßnahmen getroffen. Hiergegen hat der Schuld-\n\nner sofortige Beschwerde eingelegt, der das Insolvenzgericht durch Beschluss \n\nvom 26. April 2007 nicht abgeholfen hat. Das Landgericht hat die sofortige Be-\n\nschwerde durch Beschluss vom 9. Mai 2007 zurückgewiesen. Mit Schreiben \n\nvom 10. Mai 2007 hat die beteiligte Gläubigerin mitgeteilt, dass der Schuldner \n\nihr am selben Tag eine Höchstbetragsbürgschaft über 1 Mio. € zur Verfügung \n\ngestellt habe. Im Hinblick auf die Besicherung der Bürgschaftsforderung erkläre \n\nsie die Hauptsache für erledigt. Mit Beschluss vom 15. Mai 2007 hat das Insol-\n\nvenzgericht die Sicherungsmaßnahmen aufgehoben. Mit seiner am 15. Juni \n\n2007 eingereichten Rechtsbeschwerde begehrt der Schuldner die Aufhebung \n\nder Beschlüsse des Landgerichts und des Amtsgerichts vom 23. sowie 26. April \n\n2007. \n\nII. \n\n3 \n\nDie Rechtsbeschwerde ist nach § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO, §§ 6, 7, \n\n21 Abs. 1 Satz 2 InsO statthaft. Sie ist jedoch unzulässig, weil ein Fall verfah-\n\nrensrechtlicher Überholung vorliegt und der Schuldner durch die mit der \n\nRechtsbeschwerde angestrebte Entscheidung nicht bessergestellt werden \n\nkann. \n\n4 \n\nNach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (vgl. \n\nBVerfGE 104, 220, 221 f, 110, 77, 85) widerspricht es dem Grundrecht auf ef-\n\nfektiven Rechtsschutz (Art. 19 Abs. 4 G) nicht, die Rechtsschutzgewährung von \n\neinem vorhandenen und fortbestehenden Rechtsschutzinteresse abhängig zu \n\nmachen. Ein Rechtsschutzinteresse ist zu bejahen, solange der Rechtsschutz-\n\nsuchende gegenwärtig betroffen ist und mit seinem Rechtsmittel ein konkretes \n\npraktisches Ziel erreichen kann (vgl. BGH, Beschl. v. 12. Oktober 2006 - IX ZB \n\n34/05, ZInsO 2006, 1212, 1213). Im vorliegenden Fall fehlt dieses Rechts-\n\nschutzinteresse, weil das Insolvenzgericht die Sicherungsmaßnahmen, deren \n\nAnordnung Gegenstand der Beschlüsse des Insolvenzgerichts vom 23. April \n\n2007 und 26. April 2007 sowie der bestätigenden Beschwerdeentscheidung des \n\nLandgerichts waren, vor Einlegung der Rechtsbeschwerde aufgehoben hat. Ei-\n\nne ersetzende Sachentscheidung hierüber ist nicht mehr möglich. Die mit dem \n\nHilfsantrag des Schuldners erstrebte Zurückverweisung der Sache an das \n\nLandgericht zur erneuten Entscheidung über die Sicherungsmaßnahmen ist \n\nwegen der eingetretenen prozessualen Überholung ebenfalls ausgeschlossen. \n\n5 \n\nDas Rechtsschutzinteresse muss in der Hauptsache bestehen. Liegt \n\n- wie hier - ein Fall prozessualer Überholung vor, kann es nicht aus der im \n\nStreitfall hilfsweise angestrebten Beseitigung einer für den Rechtsbeschwerde-\n\nführer ungünstigen Kostenentscheidung hergeleitet werden (vgl. § 4 InsO, § 99 \n\nAbs. 1 ZPO). \n\nFischer \n\nGanter \n\nRaebel \n\nKayser \n\nGehrlein \n\nVorinstanzen: \n\nAG Mönchengladbach, Entscheidung vom 23.04.2007 - 32 IN 174/06 - \n\nLG Mönchengladbach, Entscheidung vom 09.05.2007 - 5 T 210/07 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-02-21/ix-zb-112-07","cited_norms":[{"jurabk":"InsO","ref":"§ 6","ref_norm":"6","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 99","ref_norm":"99","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 4","ref_norm":"4","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 21","ref_norm":"21","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-02-21/ix-zb-112-07","retrieved":"2026-07-10 19:17:21.618416+00:00"},"card":{"id":"bgh/2008-02-21/ix-zb-112-07","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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