{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2007-11-08","aktenzeichen":"IX ZB 201/03","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 201/03 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n8. November 2007 \n\nin dem Insolvenzeröffnungsverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Fischer, die Richter Raebel, Dr. Kayser, Cierniak und die Richterin \n\nLohmann \n\nam 8. November 2007 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 7. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Lübeck vom 29. Juli 2003 wird auf Kosten der \n\nRechtsbeschwerdeführerin als unzulässig verworfen. \n\nDer Wert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 56.836,74 € \n\nfestgesetzt. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nAuf Antrag der weiteren Beteiligten zu 2 vom 25. November 2002 ist am \n\n24. Mai 2003 das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Schuldnerin we-\n\ngen Zahlungsunfähigkeit eröffnet worden. Die dagegen erhobene sofortige Be-\n\nschwerde hat das Landgericht durch den angefochtenen Beschluss zurückge-\n\nwiesen und zur Begründung seiner Entscheidung ausgeführt, die Fälligkeit der \n\nKreditrückzahlung an die Gläubigerin, welche die Zahlungsunfähigkeit der \n\nSchuldnerin begründe, sei zu seiner vollen Überzeugung festgestellt. Zwar sei-\n\nen die Parteien einig gewesen, dass der Kredit aus Verkaufserlösen der mo-\n\ndernisierend instandgesetzten Wohnungen zurückgezahlt werden sollte. Dies \n\nhabe aber nur für die Art und Weise der Tilgung, nicht für die bestimmte Lauf-\n\nzeit des Kredits Bedeutung haben sollen. Hinsichtlich der Vertragsdauer sei es \n\nbei der schriftlich vereinbarten Befristung bis zum 31. August 2002 geblieben. \n\nOb die Gläubigerin zur Verlängerung des Kreditverhältnisses verpflichtet gewe-\n\nsen sei, könne dahinstehen, weil die Schuldnerin jedenfalls nicht um eine Ver-\n\nlängerung nachgesucht, sondern sich stattdessen um eine Umschuldung be-\n\nmüht habe. In ihrer Rechtsbeschwerde verfolgt die Schuldnerin ihr Rechts-\n\nschutzziel, den Eröffnungsbeschluss aufheben zu lassen, weiter. \n\nII. \n\n2 \n\n3 \n\nDie Rechtsbeschwerde ist unzulässig, weil Gründe für eine Sachent-\n\nscheidung gemäß § 574 Abs. 2 ZPO nicht vorliegen. \n\n1. Nach § 14 InsO ist der Antrag eines Gläubigers zulässig, wenn er ein \n\nrechtliches Interesse an der Eröffnung des Insolvenzverfahrens hat und seine \n\nForderung sowie den Eröffnungsgrund glaubhaft macht. Soll der Insolvenz-\n\ngrund allein aus einer Forderung dieses Gläubigers hergeleitet werden, reicht \n\nihre Glaubhaftmachung nicht aus. Das Insolvenzverfahren darf nur dann eröff-\n\nnet werden, wenn die Forderung zur Überzeugung des Insolvenzgerichts fest-\n\nsteht (BGH, Beschl. v. 14. Dezember 2005 - IX ZB 207/04, ZIP 2006, 247 mit \n\nNachweisen der früheren Rechtsprechung; v. 29. Juni 2006 - IX ZB 245/05, ZIP \n\n2006, 1452, 1453 f; v. 27. Juli 2006 - IX ZB 12/06, ZVI 2006, 564, 565; v. \n\n29. März 2007 - IX ZB 141/06, ZIP 2007, 1226). Der antragstellende Gläubiger \n\nist auf den Prozessweg zu verweisen, wenn seine Forderung nicht vollstreckbar \n\nist und ihre tatsächliche oder rechtliche Beurteilung nicht eindeutig ausfällt \n\n(BGH, Beschl. v. 14. Dezember 2005, aaO; v. 29. Juni 2004, aaO S. 1454; v. \n\n1. Februar 2007 - IX ZB 79/06, NZI 2007, 350; v. 29. März 2007, aaO \n\nS. 1226 f). Von diesen Rechtssätzen ist das Beschwerdegericht nicht abgewi-\n\nchen, weil es die hier streitige Fälligkeit der nicht vollstreckbaren Gläubigerfor-\n\nderung in freier tatrichterlicher Überzeugung (§ 286 ZPO) festgestellt hat. \n\n4 \n\n2. Die Schuldnerin hat die Fälligkeit ihrer Kreditverbindlichkeit gegenüber \n\nder antragstellenden Gläubigerin schon nicht in erheblicher Weise bestritten. \n\nAuch das entsprechende Vorbringen ihrer Rechtsbeschwerde geht ins Leere. \n\nDenn es kommt nicht darauf an, ob die Schuldnerin bereits bei Eingang des \n\nEröffnungsantrags der weiteren Beteiligten zu 2 am 26. November 2002 infolge \n\nder Kreditfälligkeit zahlungsunfähig war, sondern erst die Eröffnung des Insol-\n\nvenzverfahrens setzt den Eröffnungsgrund im Zeitpunkt dieser hier am 24. Mai \n\n2003 ergangenen Entscheidung voraus (vgl. BGH, Beschl. v. 27. Juli 2006 \n\n- IX ZB 204/04, ZIP 2006, 1957, 1958 f, z.V.b. in BGHZ 169, 17 ff). Es würde \n\noffensichtlich jeder Grundlage entbehren, wenn die Schuldnerin behaupten woll-\n\nte, auch zu diesem Zeitpunkt seien die mit letzter Zahlungsfrist bis Ende Sep-\n\ntember 2002 zurückgeforderten Kreditmittel noch nicht fällig gewesen. Im Eröff-\n\nnungszeitpunkt wäre auch eine hierdurch in Gang gesetzte ordentliche Kündi-\n\ngungsfrist gemäß Art. 229 § 5 EGBGB, § 609 Abs. 2 BGB a.F. längst abgelau-\n\nfen gewesen. Die Schuldnerin macht selbst nicht geltend, dass ihre berechtig-\n\nten Interessen einer Rückforderung des Kredits noch im Eröffnungszeitpunkt \n\nentgegengestanden hätten. \n\nIII. \n\n5 \n\nDie Festsetzung des Beschwerdewertes beruht auf § 38 Satz 1, § 37 \n\nAbs. 1 Satz 1 GKG in der Fassung der Bekanntmachung vom 15. Dezember \n\n1975 (BGBl. I S. 30, 47) zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 5 des Gesetzes vom \n\n12. März 2004 (BGBl. I S. 390). Maßgeblich ist grundsätzlich der Wert der In-\n\nsolvenzmasse zur Zeit der Beendigung des Verfahrens (ebenso jetzt § 58 \n\nAbs. 1 und 3 Satz 1 GKG vom 5. Mai 2004). Im nicht abgeschlossenen Verfah-\n\nren ist der Wert der Masse zu schätzen. Sie ergibt sich hier aus dem Bericht \n\ndes Insolvenzverwalters vom 18. August 2003, in welchem vorläufig und \n\nschätzweise eine freie Masse von 56.836,74 € ausgewiesen worden ist. \n\nFischer \n\nRaebel \n\nKayser \n\nCierniak \n\nLohmann \n\nVorinstanzen: \n\nAG Eutin, Entscheidung vom 20.05.2003 - 3 IN 438/02 - \n\nLG Lübeck, Entscheidung vom 29.07.2003 - 7 T 277/03 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-11-08/ix-zb-201-03","cited_norms":[{"jurabk":"BGBEG","ref":"Art 229 § 5","ref_norm":"229-5","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 37","ref_norm":"37","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 286","ref_norm":"286","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 14","ref_norm":"14","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-11-08/ix-zb-201-03","retrieved":"2026-07-10 22:10:19.449567+00:00"},"card":{"id":"bgh/2007-11-08/ix-zb-201-03","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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