{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2007-10-25","aktenzeichen":"IX ZB 78/05","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 78/05 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n25. Oktober 2007 \n\nin dem Insolvenzverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Gero Fischer, die Richter Vill und Cierniak, die Richterin Lohmann und den \n\nRichter Dr. Detlev Fischer \n\nam 25. Oktober 2007 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 86. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Berlin vom 23. Februar 2005 wird auf Kosten \n\ndes Schuldners als unzulässig verworfen. \n\nDer Gegenstandswert für das Rechtsbeschwerdeverfahren wird \n\nauf 5.000 € festgesetzt. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nMit Gutachten vom 7. Dezember 2004 hat der vom Insolvenzgericht ein-\n\ngesetzte Gutachter die Eröffnung des Verfahrens über das Vermögen des \n\nSchuldners wegen Zahlungsunfähigkeit angeregt. Das Insolvenzgericht hat das \n\nGutachten dem Verfahrensbevollmächtigten des Schuldners zur Stellungnahme \n\nzugeleitet, eine Äußerungsfrist eingeräumt und mit Beschluss vom \n\n17. Dezember 2004 das Insolvenzverfahren eröffnet. Der Eröffnungsbeschluss \n\nwurde dem Verfahrensbevollmächtigten des Schuldners am 29. Dezember \n\n2004 zugestellt. \n\n2 \n\nMit Schriftsatz vom 17. Januar 2005, beim \n\nInsolvenzgericht am \n\n18. Januar 2005 eingegangen, hat der Schuldner, der Rechtsanwalt ist, soforti-\n\nge Beschwerde gegen den Eröffnungsbeschluss eingelegt und zugleich Wie-\n\ndereinsetzung in den vorigen Stand wegen Versäumung der Rechtsmittelfrist \n\nbeantragt. Hierzu hat er vorgetragen, er sei aufgrund einer genetisch bedingten \n\nHerzmuskelschwäche und eines darauf folgenden Herzinfarktes schwer behin-\n\ndert. Infolge einer akuten Verschlechterung seines Gesundheitszustandes habe \n\ner sich seit dem 30. Dezember 2004 in internistische Behandlung begeben \n\nmüssen, ab dem 3. Januar 2005 über die Notaufnahme in die Universitätsklinik \n\nKiel, bevor er nach seiner Entlassung aus der stationären Behandlung am \n\n10. Januar 2005 abends nach Berlin habe zurückkehren können. Am \n\n14. Januar 2005 habe er erstmals von der Verfahrenseröffnung Kenntnis erhal-\n\nten und seinen bislang für ihn tätigen Anwalt aufgesucht. Seine Telefongeräte \n\nseien wegen Nichtzahlung der angefallenen Gebühren gesperrt gewesen, wes-\n\nwegen er für seinen damaligen Verfahrensbevollmächtigten nicht erreichbar \n\ngewesen sei. \n\n3 \n\nDas Insolvenzgericht hat der sofortigen Beschwerde nicht abgeholfen. \n\nDas Landgericht hat die sofortige Beschwerde zurückgewiesen. Hiergegen \n\nwendet sich der Schuldner mit der Rechtsbeschwerde. \n\nII. \n\n4 \n\nDie nach §§ 6, 7, 34 Abs. 2 InsO i.V.m. § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO \n\nstatthafte Rechtsbeschwerde ist unzulässig, weil die Rechtssache keine grund-\n\nsätzliche Bedeutung aufweist und weder die Fortbildung des Rechts noch die \n\nSicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechts-\n\nbeschwerdegerichts erfordert, § 4 InsO i.V.m. § 574 Abs. 2 ZPO. \n\n5 \n\nEntgegen der Ansicht der Rechtsbeschwerde hat das Landgericht mit \n\nseiner Entscheidung, dem Schuldner keine Wiedereinsetzung in den vorigen \n\nStand wegen Versäumung der Frist zur Einlegung der sofortigen Beschwerde \n\ngegen die vom Insolvenzgericht angeordnete Eröffnung des Insolvenzverfah-\n\nrens zu gewähren, nicht in verfassungswidriger Weise den von der Prozessord-\n\nnung eröffneten Zugang zur nächsten Instanz vereitelt. \n\n6 \n\nAngesichts des Umstandes, dass nach Zuleitung des Gutachtens des \n\njetzigen Insolvenzverwalters vom 7. Dezember 2004 die dort angeregte Eröff-\n\nnung des Insolvenzverfahrens nahe lag und deshalb mit einer für den Schuld-\n\nner nachteiligen Entscheidung gerechnet werden musste, hätte der Schuldner, \n\nbesondere Vorkehrungen treffen müssen, damit der Kontakt zwischen ihm und \n\nseinem damaligen Anwalt aufrechterhalten bleiben konnte (vgl. BGH, Beschl. v. \n\n7. Juni 1972 - IVb ZB 26/72, VersR 1972, 975; Beschl. v. 19. Dezember 1994 \n\n- II ZR 174/94, VersR 1995, 810; Beschl. v. 24. Juli 2000 - II ZB 22/99, NJW \n\n2000, 3143). Wie das Landgericht zutreffend dargelegt hat, hätte der Schuldner \n\nseinen Anwalt mit der Rechtsmitteleinlegung im Voraus beauftragen können. \n\nZudem bestand die Möglichkeit, nach Entlassung aus der stationären Behand-\n\nlung bis zum Ablauf der Beschwerdefrist am 12. Januar 2005 durch öffentliche \n\nFernsprechapparate mit dem Anwalt unmittelbar Verbindung aufzunehmen. \n\nDr. Gero Fischer \n\nVill \n\nCierniak\n\nLohmann \n\nDr. Detlev Fischer \n\nVorinstanzen: \n\nAG Berlin-Charlottenburg, Entscheidung vom 17.12.2004 - 101 IN 1575/04 a - \n\nLG Berlin, Entscheidung vom 23.02.2005 - 86 T 55/05 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-10-25/ix-zb-78-05","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 6","ref_norm":"6","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 34","ref_norm":"34","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 4","ref_norm":"4","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-10-25/ix-zb-78-05","retrieved":"2026-07-10 22:04:36.682090+00:00"},"card":{"id":"bgh/2007-10-25/ix-zb-78-05","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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