{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VI. Zivilsenat","decided":"2007-09-25","aktenzeichen":"VI ZB 53/06","doktyp":"Beschluss","leitsatz":"RVG VV Nr. 3104 Abs. 1 Nr. 1; § 91a ZPO Bei Kostenentscheidungen gemäß § 91a ZPO fällt keine Terminsgebühr des Rechts- anwalts an, wenn nicht ausnahmsweise eine mündliche Verhandlung stattfindet.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n25. September 2007 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nVI ZB 53/06 \n\nNachschlagewerk: \n\nja \n\nBGHZ: \n\nBGHR: \n\nnein \n\nja \n\nRVG VV Nr. 3104 Abs. 1 Nr. 1; § 91a ZPO \n\nBei Kostenentscheidungen gemäß § 91a ZPO fällt keine Terminsgebühr des Rechts-\n\nanwalts an, wenn nicht ausnahmsweise eine mündliche Verhandlung stattfindet. \n\nBGH, Beschluss vom 25. September 2007 - VI ZB 53/06 - LG Heilbronn \n\n AG Heilbronn \n\nDer VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 25. September 2007 durch \n\ndie Vizepräsidentin Dr. Müller sowie die Richter Dr. Greiner, Wellner, Pauge \n\nund Stöhr \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde der Klägerin gegen den Beschluss der \n\n1. Zivilkammer des Landgerichts Heilbronn vom 12. Juni 2006 wird \n\nauf ihre Kosten zurückgewiesen. \n\nBeschwerdewert: 224,11 € \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDie Klägerin hat gegenüber den Beklagten einen Zahlungsbetrag in Hö-\n\nhe von 2.130,58 € geltend gemacht. Da während des Verfahrens die Forderung \n\nvollständig bezahlt wurde, haben die Parteien den Rechtsstreit übereinstim-\n\nmend für erledigt erklärt, wobei die Beklagten die Kostenlast anerkannten. Das \n\nAmtsgericht hat den Beklagten daraufhin gemäß § 91a ZPO die Kosten des \n\nRechtsstreits als Gesamtschuldner auferlegt. \n\n2 \n\nMit ihrem Kostenfestsetzungsantrag hat die Klägerin u.a. die Festsetzung \n\neiner 1,2-Terminsgebühr aus Nr. 3104 RVG VV beantragt. Im Kostenfestset-\n\nzungsbeschluss vom 31. Januar 2006 hat das Amtsgericht diese Gebühr und \n\nden sich hieraus ergebenden Mehrwertsteuerbetrag abgesetzt. Die sofortige \n\nBeschwerde gegen diesen Beschluss hat das Landgericht mit dem angefochte-\n\nnen Beschluss zurückgewiesen. Mit der vom Beschwerdegericht zugelassenen \n\nRechtsbeschwerde verfolgt die Klägerin ihr Begehren auf Festsetzung einer \n\n1,2-Terminsgebühr weiter. \n\nII. \n\n3 \n\n1. Nach Auffassung des Beschwerdegerichts steht der Klägerin keine \n\nTerminsgebühr zu. Schon nach § 35 BRAGO a.F. sei bei einer Entscheidung \n\ngemäß § 91a ZPO ohne vorherige mündliche Verhandlung eine Verhandlungs-\n\ngebühr nicht angefallen. Aufgrund des vergleichbaren Wortlauts sei davon aus-\n\nzugehen, dass mit Nr. 3104 Abs. 1 Nr. 1 RVG VV die alte Regelung des § 35 \n\nBRAGO habe übernommen werden sollen. Nach dem Wortlaut der jetzigen Re-\n\ngelung sei der Fall der Entscheidung nach § 91a ZPO ohne vorangegangene \n\nmündliche Verhandlung weiterhin nicht erfasst. \n\n4 \n\nSelbst wenn die Situation beim Anerkenntnis und bei der übereinstim-\n\nmenden Erledigungserklärung faktisch ähnlich sein sollte, komme eine Analogie \n\nnicht in Betracht. Eine unbewusste Regelungslücke liege nicht vor, weil dem \n\nGesetzgeber bei Neufassung des RVG VV die Problematik bekannt gewesen \n\nsei. \n\n5 \n\n6 \n\n2. Die aufgrund Zulassung statthafte (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO) \n\nund im Übrigen zulässige (§ 575 ZPO) Rechtsbeschwerde bleibt in der Sache \n\nohne Erfolg. Die angegriffene Entscheidung hält rechtlicher Nachprüfung stand. \n\nGemäß seinem Wortlaut findet Nr. 3104 Abs. 1 Nr. 1 RVG VV nur auf \n\nsolche Verfahren Anwendung, in denen eine mündliche Verhandlung grund-\n\nsätzlich vorgeschrieben ist (vgl. etwa BGH, Beschlüsse vom 1. Februar 2007 \n\n- V ZB 110/06 - NJW 2007, 1461, 1463; vom 22. Februar 2007 - VII ZB 101/06 - \n\nAnwBl. 2007, 462, 463). Dies ist nicht der Fall, wenn das Gericht nach seinem \n\nErmessen aufgrund mündlicher Verhandlung durch Urteil oder ohne eine solche \n\ndurch Beschluss entscheiden kann. Deshalb greift Nr. 3104 Abs. 1 Nr. 1 RVG \n\nVV bei Beschlüssen, die gemäß § 128 Abs. 3, 4 ZPO ohne mündliche Verhand-\n\nlung ergehen können, nicht ein (vgl. AnwK-RVG/Onderka/Wahlen, 3. Aufl., VV \n\n3104 Rn. 9 ff.; Müller-Rabe in Gerold/Schmidt/von Eicken/Madert/Müller-Rabe, \n\nRVG, 17. Aufl., VV 3104 Rn. 18 f., 22; Schons in Hartung/Römermann/Schons, \n\nPraxiskommentar RVG, 2. Aufl., VV 3104 Rn. 12; Madert/Müller-Rabe, NJW \n\n2006, 1927, 1931 f.; Bischof in Kompaktkommentar RVG, 2. Aufl., Nr. 3104 \n\nRn. 59). Mit der Regelung in Nr. 3104 Abs. 1 Nr. 1 RVG VV soll nämlich erreicht \n\nwerden, dass der Prozessbevollmächtigte, der im Zivilprozess im Hinblick auf \n\nden Grundsatz der Mündlichkeit (§ 128 Abs. 1 ZPO) an sich erwarten kann, in \n\nder mündlichen Verhandlung eine Terminsgebühr zu verdienen, keinen Gebüh-\n\nrennachteil erleidet, wenn durch eine andere Verfahrensgestaltung auf eine \n\nmündliche Verhandlung verzichtet wird (vgl. BGH, Beschlüsse vom 27. Oktober \n\n2005 - III ZB 42/05 - NJW 2006, 157, 158; vom 10. Juli 2006 - II ZB 28/05 - \n\nMDR 2007, 302). \n\n7 \n\nDem gemäß hat das Beschwerdegericht in Übereinstimmung mit der \n\nRechtsprechung anderer Instanzgerichte (vgl. OLG Karlsruhe, JurBüro 2005, \n\n596 und NJW-RR 2007, 503; OLG Frankfurt JurBüro 2006, 532) zu Recht an-\n\ngenommen, dass bei Kostenentscheidungen nach § 91a ZPO im Hinblick auf \n\n§§ 128 Abs. 3, 4 ZPO keine Terminsgebühr des Rechtsanwalts anfällt, wenn \n\nnicht ausnahmsweise eine mündliche Verhandlung stattfindet \n\n(ebenso \n\nZöller/Vollkommer, ZPO, 26. Aufl., § 91a Rn. 59). \n\n8 \n\nEntgegen der Auffassung der Rechtsbeschwerde ist Nr. 3104 Abs. 1 \n\nNr. 1 RVG VV auch nicht analog auf den Fall anzuwenden, dass der Beklagte \n\nvor der mündlichen Verhandlung bezahlt und dann die Hauptsache überein-\n\nstimmend für erledigt erklärt wird. Eine Analogie scheitert schon daran, dass \n\nkeine planwidrige Regelungslücke vorliegt. Nach der Gesetzbegründung sollte \n\nin Nr. 3104 Abs. 1 Nr. 1 RVG VV die Regelung des § 35 BRAGO a.F. über-\n\nnommen werden (vgl. BT-Drs. 15/1971 S. 212). Dem Gesetzgeber war im Hin-\n\nblick auf die zu § 35 BRAGO ergangenen Entscheidungen (vgl. OLG Zweibrü-\n\ncken OLGR 2000, 247; LG Köln NJW-RR 1998, 1692) die hier aufgeworfene \n\nProblematik bekannt. Trotz verschiedener Änderungen der ZPO und der maß-\n\ngeblichen Kostenvorschriften hat er den Fall der übereinstimmenden Erledi-\n\ngungserklärung mit der Möglichkeit einer Entscheidung durch Beschluss nach \n\n§§ 91a, 128 Abs. 3, 4 ZPO nicht in die Ausnahmevorschrift der Nr. 3104 RVG \n\nVV aufgenommen. Bei dieser Situation ist eine Ausweitung der Ausnahmebe-\n\nstimmung auf diesen Fall im Wege der Analogie nicht möglich (vgl. auch OLG \n\nKarlsruhe NJW-RR 2007, 503 f.; OLG Frankfurt JurBüro 2006, 532 f.). \n\n9 \n\n3. Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 ZPO. \n\nMüller Greiner Wellner \n\n Pauge Stöhr \n\nVorinstanzen: \n\nAG Heilbronn, Entscheidung vom 31.01.2006 - 5 C 1911/05 - \n\nLG Heilbronn, Entscheidung vom 12.06.2006 - 1 T 227/06 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-09-25/vi-zb-53-06","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 91a","ref_norm":"91a","n":7},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 128","ref_norm":"128","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 575","ref_norm":"575","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-09-25/vi-zb-53-06","retrieved":"2026-07-10 22:01:03.335677+00:00"},"card":{"id":"bgh/2007-09-25/vi-zb-53-06","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"VI. 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