{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"Kartellsenat","decided":"2007-09-25","aktenzeichen":"KZR 24/07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nKZR 24/07 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n25. September 2007 \n\nin dem Rechtsstreit \n\n \n \n \n \n \n\n2\n\nDer Kartellsenat des Bundesgerichtshofs hat am 25. September 2007 durch \n\nden Präsidenten des Bundesgerichtshofs Prof. Dr. Hirsch, den Vorsitzenden \n\nRichter Prof. Dr. Bornkamm und die Richter Dr. Raum, Dr. Strohn und \n\nDr. Kirchhoff beschlossen: \n\nDer Antrag der Beklagten, die Zwangsvollstreckung aus dem Urteil \n\ndes 11. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main \n\nvom 17. April 2007 einstweilen einzustellen, wird abgelehnt. \n\nGründe: \n\n1 \n\nI. Die Beklagte ist durch das Berufungsgericht verurteilt worden, \"an die \n\nInsolvenzschuldnerin\" 475.554,17 € und - insoweit unter dem Vorbehalt mehre-\n\nrer Aufrechnungen - 437.669,34 €, jeweils nebst Zinsen, zu zahlen und die Kos-\n\nten des Rechtsstreits zu tragen. Das Urteil ist für vorläufig vollstreckbar erklärt \n\nworden. Der Beklagten ist nachgelassen worden, eine Vollstreckung \"der Kläge-\n\nrin\" gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110% des zu vollstreckenden Betra-\n\nges abzuwenden, wenn nicht \"die Klägerin\" in gleicher Höhe Sicherheit leiste. \n\nDie Beklagte hat gegen dieses Urteil Revision eingelegt. Sie beantragt, \n\ndie Zwangsvollstreckung aus dem Vorbehaltsurteil des Oberlan-\n\ndesgerichts einstweilen einzustellen. \n\n2 \n\nZur Begründung macht sie geltend, ihre Existenz sei durch die Vollstre-\n\nckung bedroht, sie sei nicht in der Lage, die erforderliche Sicherheit in Höhe \n\nvon 1,355 Mio. € aufzubringen, sondern lediglich in Höhe von 310.000 €, bei \n\neiner Vollstreckung werde sie zahlungsunfähig. \n\n \n \n \n \n \n \n \n \n \n \n \n \n \n\n3\n\n3 \n\n4 \n\nII. Der auf einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung gerichtete \n\nAntrag der Beklagten ist nicht begründet. \n\nDas Gesetz knüpft die Einstellung der Zwangsvollstreckung im Revisi-\n\nonsverfahren an besonders strenge Voraussetzungen. Sie kommt nur in Be-\n\ntracht, wenn auf der einen Seite die Vollstreckung dem Schuldner einen nicht \n\nzu ersetzenden Nachteil bringen würde und wenn auf der anderen Seite kein \n\nüberwiegendes Interesse des Gläubigers entgegensteht (§ 719 Abs. 2 Satz 1 \n\nZPO). Darüber hinaus entspricht es der ständigen Rechtsprechung des Bun-\n\ndesgerichtshofs, dass die Einstellung nach § 719 Abs. 2 ZPO regelmäßig dann \n\nzu versagen ist, wenn der Schuldner es versäumt hat, im Berufungsrechtszug \n\neinen ihm möglichen und zumutbaren Vollstreckungsschutzantrag nach § 712 \n\nZPO zu stellen (Senatsbeschl. v. 24.9.1996 - KZR 17/96, ZIP 1996, 1798; BGH, \n\nBeschl. v. 6.6.2006 - XII ZR 80/06, NJW-RR 2006, 1088 Tz. 5 ff.; v. 29.7.2004 \n\n- III ZR 263/04, NJW-RR 2005, 147). \n\n5 \n\nDiese - negative - Voraussetzung ist hier erfüllt. Die Beklagte hat in der \n\nmündlichen Verhandlung vor dem Berufungsgericht am 20. Februar 2007 kei-\n\nnen Vollstreckungsschutzantrag nach § 712 ZPO gestellt, obwohl es ihr möglich \n\nund zumutbar gewesen wäre, die nunmehr zur Begründung angeführten Um-\n\nstände schon damals vorzutragen und glaubhaft zu machen. \n\n6 \n\nDie Beklagte trägt dazu vor, der Jahresabschluss 2006, der die nachteili-\n\nge Entwicklung der Vermögensverhältnisse und die angespannte Liquiditätsla-\n\nge der Gesellschaft dokumentiere, sei erst am 31. März 2007, also über einen \n\nMonat nach dem Schluss der mündlichen Verhandlung in dem Berufungsver-\n\nfahren, aufgestellt worden. Aus einem Zwischenabschluss zum 31. Mai 2007 \n\nergebe sich eine weitere Verschlechterung der Vermögenslage. \n\n \n \n \n \n \n \n \n \n \n \n \n \n \n \n\n4\n\n7 \n\nDieser Vortrag reicht nicht aus, um darzulegen, dass ein Vollstreckungs-\n\nschutzantrag nach § 712 ZPO nicht aussichtsreich hätte begründet werden \n\nkönnen. Auf den Zeitpunkt der Aufstellung des Jahresabschlusses kommt es \n\nentgegen der Auffassung der Beklagten schon deshalb nicht an, weil der Vor-\n\nstand einer Aktiengesellschaft grundsätzlich verpflichtet ist, die Vermögenslage \n\nder Gesellschaft ständig im Auge zu behalten, schon um gegebenenfalls seiner \n\nInsolvenzantragspflicht aus § 92 AktG nachkommen zu können (BGHZ 143, \n\n184, 185; BGH, Urt. v. 14.5.2007 - II ZR 48/06, ZIP 2007, 1265, 1266). Deshalb \n\nist davon auszugehen, dass dem Vorstand der Beklagten die maßgeblichen \n\nVermögensverhältnisse des Jahres 2006 jedenfalls zum Zeitpunkt der mündli-\n\nchen Verhandlung vor dem Berufungsgericht am 20. Februar 2007 bekannt wa-\n\nren oder hätten bekannt sein müssen. Die Beklagte hat nicht dargelegt, dass \n\n \n \n \n \n \n \n\n5\n\nsich ihre Vermögensverhältnisse erst im Jahre 2007 oder gar erst nach dem \n\nVerhandlungstermin am 20. Februar 2007 derart verschlechtert hätten, dass sie \n\nnun erst außer Stand gewesen sei, die erforderliche Sicherheit zu stellen. \n\nHirsch Bornkamm Raum \n\n Strohn Kirchhoff \n\nVorinstanzen: \n\nLG Frankfurt/Main, Entscheidung vom 06.01.2006 - 3/11 O 42/05 - \n\nOLG Frankfurt/Main, Entscheidung vom 17.04.2007 - 11 U (Kart) 5/06 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-09-25/kzr-24-07","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 712","ref_norm":"712","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 719","ref_norm":"719","n":2},{"jurabk":"AktG","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-09-25/kzr-24-07","retrieved":"2026-07-10 22:00:39.340815+00:00"},"card":{"id":"bgh/2007-09-25/kzr-24-07","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"Kartellsenat","date":"2007-09-25","dockets":["KZR 24/07"],"decision_type":"Beschluss","ecli":null,"ids":{"ecli":null},"cite_as":"BGH, Beschluss vom 25.09.2007 – KZR 24/07","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-09-25/kzr-24-07","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Der Antrag der Beklagten, die Zwangsvollstreckung aus dem Urteil\n\ndes 11. 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