{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IV. Zivilsenat","decided":"2007-06-20","aktenzeichen":"IV ZR 3/05","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIV ZR 3/05\n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n20. Juni 2007 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nDer IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat durch den Vorsit-\n\nzenden Richter Terno, die Richter Dr. Schlichting, Seiffert, die Richterin \n\nDr. Kessal-Wulf und den Richter Dr. Franke \n\nam 20. Juni 2007 \n\nbeschlossen: \n\nAuf die Beschwerde der Klägerin wird die Revision gegen \n\ndas Urteil des 25. Zivilsenats des Oberlandesgerichts \n\nMünchen vom 30. November 2004 zugelassen. \n\nDas vorbezeichnete Urteil wird gemäß § 544 Abs. 7 ZPO \n\naufgehoben und die Sache zur neuen Verhandlung und \n\nEntscheidung, auch über die Kosten des Revisionsverfah-\n\nrens, an das Berufungsgericht zurückverwiesen. \n\nStreitwert: 125.902 € \n\nGründe:\n\n1 \n\nDas Berufungsgericht hat den Anspruch der Klägerin auf rechtli-\n\nches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) verletzt, weil es ihren Antrag auf Einho-\n\nlung eines weiteren Sachverständigengutachtens zu Unrecht abgelehnt \n\nhat. Es ist nicht auszuschließen, dass das Urteil darauf beruht. Dieser \n\nVerstoß führt gemäß § 544 Abs. 7 ZPO zur Aufhebung und Zurückver-\n\nweisung. \n\n2 \n\n1. Das Gebot des rechtlichen Gehörs verpflichtet die Gerichte, das \n\nVorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Kenntnis zu nehmen und bei \n\nder Urteilsfindung in Erwägung zu ziehen (BVerfG NJW 2000, 131) und \n\nerhebliche Beweisantritte zu berücksichtigen (BVerfG NJW 2005, 1487 \n\nund NJW 1991, 285, 286). \n\n3 \n\na) Die Klägerin behauptet, seit dem 1. Mai 2001 berufsunfähig zu \n\nsein. Sie beruft sich hierfür unter anderem auf ein für einen anderen Ver-\n\nsicherer erstattetes Gutachten der Orthopädin und Sozialmedizinerin \n\nDr. N. vom 6. April 2001. Darin wird festgestellt, dass seit einem \n\nVerkehrsunfall vom 24. August 2000 völlige Arbeitsunfähigkeit bestehe, \n\ndie Versicherungsnehmerin auf nicht absehbare Zeit nicht mehr in der \n\nLage sei, den durchschnittlichen Arbeitsanfall in ihrer zuletzt ausgeübten \n\nTätigkeit einer selbständigen Restaurantleiterin zu wenigstens 50% zu \n\nerledigen und damit bedingungsgemäße Berufsunfähigkeit vorliege. \n\n4 \n\nDamit sind die Voraussetzungen einer Berufsunfähigkeit jedenfalls \n\nim Sinne der hier vereinbarten Bestimmung des § 2 Abs. 3 BB-BUZ hin-\n\nreichend vorgetragen. Die Klägerin hat für die behauptete Berufsunfähig-\n\nkeit Beweis durch Sachverständigengutachten angeboten, in erster In-\n\nstanz unter anderem mit Schriftsatz vom 13. Januar 2004 unter nochma-\n\nligem Hinweis auf das Gutachten Dr. N. vom 6. April 2001. In der \n\nBerufungsbegründung hat sie die Beweisantritte wiederholt. \n\n5 \n\nb) Kann die Klägerin beweisen, dass sie vor dem 1. Mai 2001 min-\n\ndestens sechs Monate ununterbrochen gesundheitsbedingt außerstande \n\nwar, ihren Beruf oder eine Verweisungstätigkeit auszuüben, und kann sie \n\nzusätzlich die aus damaliger Sicht unveränderte Weiterdauer dieses Zu-\n\nstands beweisen, so gilt dieses über sechs Monate hinausgehende An-\n\ndauern des gesundheitlichen Zustands nach § 2 Abs. 3 BB-BUZ als Ein-\n\ntritt des Versicherungsfalles (vgl. Senatsurteil vom 27. September 1989 \n\n- IVa ZR 132/88 - VersR 1989, 1182 unter 3 b). Die Voraussetzungen für \n\neinen späteren Wegfall der Leistungspflicht hätte dann die Beklagte nach \n\nden Regeln des Nachprüfungsverfahrens (§ 7 BB-BUZ) darzulegen und \n\nzu beweisen (vgl. Senatsurteile vom 27. September 1989 aaO unter 4; \n\nvom 11. Dezember 1996 - IV ZR 238/95 - VersR 1997, 436 unter II 1 a \n\nund vom 19. November 1997 - IV ZR 6/97 - VersR 1998, 173 unter 2 b \n\nund 3). \n\n6 \n\nc) Das Landgericht hat die materielle Rechtslage verkannt und \n\ndeshalb Beweis nur darüber erhoben, ob die Klägerin am Tag der Unter-\n\nsuchung (23. September 2003) durch den gerichtlichen Sachverständi-\n\ngen Dr. M. berufsunfähig war. Dies ergibt sich aus dem ergänzenden \n\nBeweisbeschluss vom 20. November 2003 und den Entscheidungsgrün-\n\nden. Das Landgericht hat nicht nur § 2 Abs. 3 BB-BUZ übersehen, son-\n\ndern schon vom Ansatz her nicht beachtet, dass maßgeblicher Zeitpunkt \n\nfür die Prüfung nach ständiger Rechtsprechung des Senats (vgl. Urteil \n\nvom 7. Februar 2007 - IV ZR 232/03 - VersR 2007, 631 Tz. 11) der vom \n\nVersicherungsnehmer behauptete Eintritt der Berufsunfähigkeit ist. \n\n7 \n\nd) Das Berufungsgericht hat demgegenüber noch erkannt, dass es \n\nnach § 2 Abs. 3 BB-BUZ für das Vorliegen bedingungsgemäßer Berufs-\n\nunfähigkeit auf einen wesentlich früheren Zeitpunkt als den 23. Septem-\n\nber 2003 ankommt. Danach werde zwar - so das Berufungsgericht - bei \n\neiner ununterbrochenen sechsmonatigen vollständigen oder teilweisen \n\nUnfähigkeit, die in § 2 Abs. 1 BB-BUZ beschriebenen Tätigkeiten auszu-\n\nüben, die Fortdauer dieses Zustands fingiert. Diese Fiktion gelte aber \n\nnur dann, wenn dieser Zustand anhalte. Dass der Zustand für den Fall, \n\ndass er vorgelegen hätte, jedenfalls nicht angehalten habe, folge aus \n\ndem Ergebnis der erstinstanzlichen Beweisaufnahme. \n\n8 \n\nDas ist schon deshalb verfahrensrechtlich nicht haltbar, weil in ers-\n\nter Instanz gar kein Beweis dazu erhoben worden ist, ob in dem von der \n\nKlägerin unter Bezugnahme auf das Gutachten Dr. N. vom 6. April \n\n2001 behaupteten maßgeblichen Zeitpunkt - dem 1. Mai 2001 - die Vor-\n\naussetzungen einer Berufsunfähigkeit nach § 2 Abs. 3 BB-BUZ vorgele-\n\ngen haben. Mit dieser nicht tragfähigen Begründung durfte das Beru-\n\nfungsgericht die Beweisaufnahme über von ihm erkennbar für erheblich \n\ngehaltene Tatsachen deshalb nicht ablehnen. \n\n9 \n\n2. Die Zurückverweisung gibt den Parteien Gelegenheit, ergänzend \n\nvorzutragen und Beweis anzutreten. Die erforderlichen Beweise hat das \n\nBerufungsgericht unter Beachtung der Rechtsprechung des Senats (vgl. \n\nUrteil vom 7. Februar 2007 aaO Tz. 17 m.w.N.) zu erheben. Eine Zurück-\n\nverweisung an das Landgericht nach § 538 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO \n\nscheidet aus, weil das Urteil des Landgerichts nicht auf einem Verfah-\n\nrensfehler, sondern auf einer Verkennung der materiellen Rechtslage be-\n\nruht. \n\nTerno Dr. Schlichting Seiffert \n\n Dr. Kessal-Wulf Dr. Franke \n\nVorinstanzen: \n\nLG München I, Entscheidung vom 25.02.2004 - 25 O 16943/02 - \n\nOLG München, Entscheidung vom 30.11.2004 - 25 U 2960/04 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-06-20/iv-zr-3-05","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 538","ref_norm":"538","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-06-20/iv-zr-3-05","retrieved":"2026-07-10 21:45:23.393819+00:00"},"card":{"id":"bgh/2007-06-20/iv-zr-3-05","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IV. 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