{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2007-03-22","aktenzeichen":"IX ZB 94/06","doktyp":"Beschluss","leitsatz":"InsO §§ 4, 4a; ZPO § 114; BerHG § 1 Beabsichtigt der mittellose Schuldner, einen Insolvenzantrag nebst Verfahrenskos- tenstundung und Restschuldbefreiung zu stellen, kann ihm zur Vorbereitung dieses Antrags kein Rechtsanwalt beigeordnet werden; in Betracht kommt die Gewährung von Beratungshilfe nach dem Beratungshilfegesetz.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 94/06 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n22. März 2007 \n\nin dem Verbraucherinsolvenzverfahren \n\nNachschlagewerk: \n\nja \n\nBGHZ: \n\nBGHR: \n\nnein \n\nja \n\nInsO §§ 4, 4a; ZPO § 114; BerHG § 1 \n\nBeabsichtigt der mittellose Schuldner, einen Insolvenzantrag nebst Verfahrenskos-\n\ntenstundung und Restschuldbefreiung zu stellen, kann ihm zur Vorbereitung dieses \n\nAntrags kein Rechtsanwalt beigeordnet werden; in Betracht kommt die Gewährung \n\nvon Beratungshilfe nach dem Beratungshilfegesetz. \n\nBGH, Beschluss vom 22. März 2007 - IX ZB 94/06 - LG Chemnitz \n\nAG Chemnitz \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch die Richter Dr. Ganter, \n\nRaebel, Dr. Kayser, Cierniak und Dr. Fischer \n\nam 22. März 2007 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 3. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Chemnitz vom 1. Juni 2006 wird auf Kosten der \n\nSchuldnerin zurückgewiesen. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDie in den Vorinstanzen durch einen Rechtsbeistand vertretene Schuld-\n\nnerin beantragte die Eröffnung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens, Rest-\n\nschuldbefreiung sowie Stundung der Verfahrenskosten. Mit der Begründung, \n\nden Vordruck für den Insolvenzantrag nicht allein ausfüllen zu können, hat sie \n\ninsoweit um die Gewährung von Prozesskostenhilfe nachgesucht. Das Amtsge-\n\nricht hat diesen Antrag abgelehnt. Die hiergegen gerichtete sofortige Be-\n\nschwerde der Schuldnerin ist erfolglos geblieben. Gegen diese Entscheidung \n\nwendet sich die Schuldnerin mit ihrer zugelassenen Rechtsbeschwerde. \n\nII. \n\n2 \n\nDie nach § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO statthafte Rechtsbeschwerde ist \n\nauch im Übrigen zulässig. Sie ist jedoch unbegründet. Für die begehrte Beiord-\n\nnung eines Rechtsanwalts zur Mitwirkung an den das Verbraucherinsolvenzver-\n\nfahren einleitenden Anträgen (§ 4a Abs. 2, § 305 InsO; §§ 119, 121 ZPO) be-\n\nsteht keine rechtliche Grundlage. \n\n3 \n\n1. Die Schuldnerin hat ihren Antrag auf Gewährung von Prozesskosten-\n\nhilfe handschriftlich auf den Vordruck gesetzt, mit dem sie in der Hauptsache \n\nden Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten (§ 4a InsO) gestellt hat. Nach \n\n§ 4a Abs. 2 Satz 1 InsO wird dem Schuldner, dem die Verfahrenskosten ge-\n\nstundet sind, auf Antrag ein zur Vertretung bereiter Rechtsanwalt seiner Wahl \n\nbeigeordnet, wenn die Vertretung durch einen Rechtsanwalt trotz der dem Ge-\n\nricht obliegenden Fürsorge erforderlich erscheint. Dies könnte auf das Begeh-\n\nren der Schuldnerin hindeuten, die in § 4a Abs. 2 InsO unter den genannten \n\nVoraussetzungen vorzunehmende Anwaltsbeiordnung - entgegen dem Wortlaut \n\nder Vorschrift - auf die Antragstellung selbst auszudehnen. Dies kommt jedoch \n\nnicht in Betracht. Der Bundesgerichtshof hat bereits wiederholt entschieden, \n\ndass die Beiordnung eines Rechtsanwalts nach § 4a Abs. 2 InsO die Stundung \n\nder Verfahrenskosten voraussetzt, vor einer Stundung also nicht möglich ist \n\n(BGH, Beschl. v. 24. Juli 2003 - IX ZA 12/03, NZI 2003, 647, 648; § 4a Abs. 2, \n\n§ 305 InsO; §§ 119, 121 ZPO; vgl. auch HK-InsO/Kirchhof, 4. Aufl. § 4a Rn. 37). \n\nHieran hält der Senat fest. \n\n4 \n\n2. Die Gewährung von Prozesskostenhilfe nebst Anwaltsbeiordnung \n\nnach § 4 InsO in Verbindung mit § 114 ff ZPO scheidet ebenfalls aus. Zwar ist \n\nanerkannt, dass die Vorschriften der Insolvenzordnung über die Verfahrenskos-\n\ntenstundung (§ 4a ff InsO) das Rechtsinstitut der Prozesskostenhilfe in den Fäl-\n\nlen des Schuldnerantrages nicht vollständig verdrängen. \n\nInsbesondere \n\nschließen die Stundungsvorschriften nach der Rechtsprechung des Senats die \n\nGewährung von Prozesskostenhilfe im Beschwerdeverfahren nicht aus (BGH, \n\nBeschl. v. 24. Juli 2003 - IX ZB 539/02, NZI 2003, 556, 557, insoweit in BGHZ \n\n156, 92 nicht abgedruckt). Derselben Rechtsprechung kann jedoch entnommen \n\nwerden, dass der Schuldner für das Stundungsverfahren selbst grundsätzlich \n\nnicht die Beiordnung eines Rechtsanwalts verlangen kann (BGH, aaO S. 557). \n\nDamit hat der Senat auch zum Ausdruck gebracht, dass die Stundungsregelung \n\ndes § 4a InsO in diesem Verfahrensabschnitt vorrangig und abschließend ist \n\n(BGH, Beschl. v. 3. November 2005 \n\n- IX ZB 211/03, n.v.; ebenso: \n\nJaeger/Eckardt, InsO § 4a Rn. 15, HK-InsO/Kirchhof, 4. Aufl. § 4a Rn. 3; \n\nHmbKomm-InsO/Rüther, § 4 Rn. 27; FK-InsO/Schmerbach 4. Aufl. § 13 \n\nRn. 78). Dies erscheint dem Senat auch nicht unbillig. Kann der Schuldner - wie \n\nim vorliegenden Fall geltend gemacht ist - die Vordrucke trotz der ihm zuteil \n\nwerdenden gerichtlichen Fürsorge nicht ohne eine weitergehende rechtliche \n\nHilfe ausfüllen, betreffen diese Schwierigkeiten das Vorfeld eines Insolvenzer-\n\nöffnungsverfahrens und nicht das gerichtliche Verfahren selbst. Bei Vorliegen \n\nder persönlichen Voraussetzungen, die denen der Bewilligung von Prozesskos-\n\ntenhilfe angeglichen sind (vgl. § 1 BerHG), ist dem Schuldner deshalb zur Vor-\n\nbereitung eines Eigenantrags Beratungshilfe zu gewähren (vgl. HK-InsO/ \n\nKirchhof, aaO § 4 Rn. 9; Lindemann/Trenk-Hinterberger, BerHG § 1 Rn. 8 a.E.; \n\nFK-InsO/Schmerbach, aaO § 13 Rn. 97 f; Uhlenbruck, InsO 12. Aufl. § 4 \n\nRn. 22, § 4a Rn. 2; siehe ferner Schoreit in Schoreit/Dehn, Beratungshilfe/ \n\nProzesskostenhilfe 8. Aufl. § 1 BerHG Rn. 12 f). Weitergehender Bedarf nach \n\neiner kostenfreien Hilfe bei der Einreichung eines Insolvenzantrages besteht \n\nnicht. \n\nGanter \n\nRaebel \n\nKayser \n\nCierniak \n\nFischer \n\nVorinstanzen: \n\nAG Chemnitz, Entscheidung vom 30.03.2006 - 15 IK 1055/06 - \n\nLG Chemnitz, Entscheidung vom 01.06.2006 - 3 T 418/06 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-03-22/ix-zb-94-06","cited_norms":[{"jurabk":"InsO","ref":"§ 4a","ref_norm":"4a","n":5},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 305","ref_norm":"305","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 119","ref_norm":"119","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 121","ref_norm":"121","n":2},{"jurabk":"BeratHiG","ref":"§ 1","ref_norm":"1","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 4","ref_norm":"4","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-03-22/ix-zb-94-06","retrieved":"2026-07-10 21:32:10.966371+00:00"},"card":{"id":"bgh/2007-03-22/ix-zb-94-06","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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