{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2007-03-22","aktenzeichen":"IX ZB 208/05","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 208/05 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n22. März 2007 \n\nin dem Insolvenzverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch die Richter Dr. Ganter, \n\nRaebel, Dr. Kayser, Cierniak und Dr. Fischer \n\nam 22. März 2007 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 26. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Hamburg vom 22. Juli 2005 wird auf Kosten des \n\nAbwicklers als unzulässig verworfen. \n\nDer Gegenstandswert des Verfahrens der Rechtsbeschwerde wird \n\nauf 1.534.095 € festgesetzt. \n\nGründe: \n\n1 \n\n2 \n\nDie Rechtsbeschwerde ist nach §§ 6, 7, 34 Abs. 1, § 574 Abs. 1 Satz 1 \n\nNr. 1 ZPO statthaft. Sie ist jedoch unzulässig, weil ein Fall verfahrensrechtlicher \n\nÜberholung vorliegt und der Rechtsbeschwerdeführer durch die mit der Rechts-\n\nbeschwerde angestrebte Entscheidung nicht besser gestellt werden kann. \n\nNach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (vgl. \n\nBVerfGE 104, 220, 221 f; 110, 77, 85) widerspricht es dem Grundrecht auf ef-\n\nfektiven Rechtsschutz (Art. 19 Abs. 4 GG) nicht, die Rechtsschutzgewährung \n\nvon einem vorhandenen und fortbestehenden Rechtsschutzinteresse abhängig \n\nzu machen. Ein Rechtsschutzinteresse ist zu bejahen, solange der Rechts-\n\nschutzsuchende gegenwärtig betroffen ist und mit seinem Rechtsmittel ein kon-\n\nkretes praktisches Ziel erreichen kann. \n\n3 \n\nIm vorliegenden Fall fehlt dieses Rechtsschutzinteresse, weil das Insol-\n\nvenzverfahren über das Vermögen der Schuldnerin aufgrund eines anderen \n\nAntrags bereits eröffnet ist. Eine wiederholte Eröffnung scheidet nach allgemein \n\nvertretener Auffassung aus. Es ergibt sich auch nicht daraus, dass der zeitliche \n\nEingang von Insolvenzanträgen, die - wie hier - nicht zur Eröffnung des Verfah-\n\nrens geführt haben, im Zusammenhang mit einer Insolvenzanfechtung oder bei \n\nder Berechnung der Rückschlagsperre Bedeutung gewinnen kann (vgl. Hen-\n\nckel/Gerhardt, InsO § 13 Rn. 36; HK-InsO/Kreft, 4. Aufl. § 139 Rn. 10). In die-\n\nsen Fällen hat das Prozessgericht zu prüfen, ob der zuerst gestellte Antrag zu-\n\nlässig und begründet war. Nicht zu berücksichtigen sind hierbei allerdings \n\nrechtskräftig abgewiesene sowie zurückgenommene oder für erledigt erklärte \n\nAnträge (vgl. HK-InsO/Kreft, aaO § 139 Rn. 12; MünchKomm-InsO/Kirchhof, \n\n§ 139 Rn. 9, 11). Zu diesen nichtberücksichtigungsfähigen Anträgen rechnen \n\njedoch Eröffnungsanträge nicht, die durch die Verfahrenseröffnung aufgrund \n\neines anderen Antrags prozessual überholt worden sind. Für sie kann nach \n\nSinn und Zweck des § 139 Abs. 2 Satz 1 InsO, die Berechnung der Fristen an \n\nden ersten zulässigen und begründeten Antrag zu knüpfen, nichts anderes gel-\n\nten als für Anträge, deren Bescheidung vom Insolvenzgericht zunächst zurück-\n\ngestellt worden ist. \n\n4 \n\nWäre der Antragsteller gezwungen, das Rechtsmittel gegen die Ableh-\n\nnung des von ihm gestellten Antrags fortzuführen, um der Masse die Vorteile \n\ndes § 139 Abs. 2 Satz 1 InsO zu erhalten, würde dies auf ein im Entwurf noch \n\nvorgesehenes (§ 158 InsO-E), aber nicht in die Insolvenzordnung übernomme-\n\nnes Feststellungsverfahren hinauslaufen (vgl. BT-Drucks. 12/2443, S. 166; BT-\n\nDrucks. 12/7302, S. 174 f). Der Rechtsausschuss war diesem neuartigen Ver-\n\nfahren mit der Begründung entgegengetreten, es solle wie nach der Konkurs-\n\nordnung dabei verbleiben, den maßgeblichen Eröffnungsantrag in den jeweili-\n\ngen Anfechtungsprozessen vor den ordentlichen Gerichten festzustellen. Dieser \n\nWeg ist dem Insolvenzverwalter auch im vorliegenden Fall nicht versperrt. \n\nGanter \n\nRaebel \n\nKayser \n\nCierniak \n\nFischer \n\nVorinstanzen: \n\nAG Hamburg, Entscheidung vom 26.05.2005 - 67a IN 222/05 - \n\nLG Hamburg, Entscheidung vom 22.07.2005 - 326 T 62/05 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-03-22/ix-zb-208-05","cited_norms":[{"jurabk":"InsO","ref":"§ 139","ref_norm":"139","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 19","ref_norm":"19","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-03-22/ix-zb-208-05","retrieved":"2026-07-10 21:27:23.858526+00:00"},"card":{"id":"bgh/2007-03-22/ix-zb-208-05","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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