{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2006-12-07","aktenzeichen":"IX ZR 71/03","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZR 71/03 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n7. Dezember 2006 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Fischer, die Richter Raebel, Dr. Kayser, Cierniak und die Richterin \n\nLohmann \n\nam 7. Dezember 2006 \n\nbeschlossen: \n\nDie Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem \n\nUrteil des 20. Zivilsenats des Oberlandesgerichts München vom \n\n12. Februar 2003 wird auf Kosten des Klägers zurückgewiesen. \n\nDer Wert des Beschwerdegegenstandes wird auf 68.315,53 € \n\nfestgesetzt. \n\nGründe: \n\n1 \n\n2 \n\nDie statthafte und auch sonst zulässige Beschwerde ist unbegründet. \n\nWeder hat die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung noch erfordert die Fort-\n\nbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine \n\nEntscheidung des Revisionsgerichts (§ 543 Abs. 2 ZPO). \n\nDie angestrebte Revision kann keinen Beitrag zur Klärung der Frage leis-\n\nten, ob ein steuerlicher Berater seinen Mandanten auch dann über eine Gestal-\n\ntungsmöglichkeit aufklären muss, wenn ihre Anerkennung durch die Finanzver-\n\nwaltung und die höchstrichterliche Rechtsprechung nicht sicher ist (vgl. dazu \n\nbereits BGHZ 129, 386, 396; BGH, Urt. v. 20. Oktober 2005 - IX ZR 127/04, \n\nWM 2005, 2345, 2346 unter II. 2. a). Die Beratung zur steuergünstigen Auf-\n\nnahme eines Sozius in die Zahnarztpraxis des Klägers brauchte sich in den \n\nJahren 1990/91 noch nicht darauf zu erstrecken, dass die Tarifbegünstigung \n\ndes § 34 Abs. 1 EStG für die Zahlungen des eintretenden Gesellschafters nach \n\n§ 18 Abs. 3, § 34 Abs. 2 Nr. 1 EStG im Rahmen eines Zweistufenmodells in \n\nFrage kam. \n\n3 \n\nFür diese Grenze der Beratungspflicht kam es allerdings nicht entschei-\n\ndend auf die vom Berufungsgericht angeführten Zweifel unter dem Gesichts-\n\npunkt des Gestaltungsmissbrauchs an (vgl. dazu später BFHE 189, 465, 478; \n\nBFH BStBl. II 2004, 1068, 1069 f). Ausschlaggebend ist, dass der Beklagte zur \n\nZeit seiner Beratung nach damaligem Stand der höchstrichterlichen Rechtspre-\n\nchung und Verwaltungspraxis, den er pflichtgemäß zugrunde legen musste \n\n(BGHZ 145, 256, 259, 263; BGH, Urt. v. 20. Oktober 2005 aaO, S. 2345), nicht \n\ndamit zu rechnen brauchte, dass für den Kläger eine Tarifbegünstigung nach \n\n§ 18 Abs. 3, § 34 Abs. 2 Nr. 1 EStG erreichbar sein könnte. \n\n4 \n\nNach ständiger Rechtsprechung des IV. Senats des Bundesfinanzhofs \n\nsetzte die Veräußerung oder Aufgabe einer Praxis, Teilpraxis oder eines Pra-\n\nxisanteils nach § 18 Abs. 3 EStG voraus, dass die freiberufliche Tätigkeit des \n\nPraxisinhabers im bisherigen örtlichen Wirkungskreis wenigstens für eine ge-\n\nwisse Zeit eingestellt wurde (vgl. BFH BStBl. II 1986, 335, 336 = BFHE 145, \n\n522; als ständige Rechtsprechung noch bezeichnet im Urteil des BFH v. \n\n7. November 1991 BStBl. II 1992, 457 = BFHE 166, 527). Diese Rechtspre-\n\nchung hatte das Bundesfinanzministerium in die Einkommensteuerrichtlinien \n\n1990, Abschnitt 147 Satz 6 (BStBl. I Sondernummer 4/1990) übernommen. \n\n5 \n\nEine Änderung dieser Rechtsprechung zeichnete sich vor den Entschei-\n\ndungen des Bundesfinanzhofs vom 14. September 1994 (BFH BStBl. II 1995, \n\n407, 408; BFH/NV 1995, 766) nicht ab, mit denen der I. Senat ausdrücklich und \n\nmit dessen Zustimmung von der ständigen Rechtsprechung des IV. Senats ab-\n\nwich. Mit dieser Entwicklung brauchte ein Berater im Voraus nicht zu rechnen, \n\nzumal noch die Einfügung von § 24 Abs. 3 Satz 3 UmwStG durch Art. 11 Nr. 2 \n\ndes Gesetzes vom 21. Dezember 1993 (BGBl. I S. 2310) eine gegenläufige \n\nTendenz erkennen ließ. \n\n6 \n\nDa der Kläger seine Berufstätigkeit an gleicher Stelle mit einem Sozius \n\nfortsetzen wollte, war für ihn eine Tarifbegünstigung der Ausgleichszahlung auf \n\ndem Wege der Betriebsveräußerung gemäß § 18 Abs. 3, § 34 Abs. 2 Nr. 1 \n\nEStG selbst mit einem zweistufigen Vorgehen aus der Sicht der Jahre 1990/91 \n\npraktisch unerreichbar. Zu einer Aufklärung über Gestaltungsmöglichkeiten, die \n\nnach derzeitigem und voraussehbaren Stand der höchstrichterlichen Recht-\n\nsprechung und der einschlägigen Steuerrichtlinien oder Verwaltungserlasse \n\nnicht nur unsicher, sondern praktisch aussichtslos und damit bei vernünftiger \n\nAbwägung untauglich sind, ist der steuerliche Berater nicht verpflichtet. In die-\n\nsem Sinne ist die ergangene obergerichtliche Rechtsprechung einheitlich (vgl. \n\nauch OLG Karlsruhe, OLG-Report 2003, 523, 525 zu einem im wesentlichen \n\ngleichen Beratungsgegenstand im Jahre 1993). \n\nFischer \n\nRaebel \n\nKayser \n\nCierniak \n\nLohmann \n\nVorinstanzen: \n\nLG München I, Entscheidung vom 28.03.2002 - 34 O 15396/94 - \n\nOLG München, Entscheidung vom 12.02.2003 - 20 U 3018/02 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-12-07/ix-zr-71-03","cited_norms":[{"jurabk":"EStG","ref":"§ 34","ref_norm":"34","n":4},{"jurabk":"EStG","ref":"§ 18","ref_norm":"18","n":1},{"jurabk":"UmwStG 1995","ref":"§ 24","ref_norm":"24","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-12-07/ix-zr-71-03","retrieved":"2026-07-10 21:13:57.798786+00:00"},"card":{"id":"bgh/2006-12-07/ix-zr-71-03","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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