{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"II. Zivilsenat","decided":"2006-11-20","aktenzeichen":"II ZB 6/06","doktyp":"Beschluss","leitsatz":"RVG § 2; RVG VV Nr. 3202, 3104 Eine Partei hat Anspruch auf Festsetzung einer Terminsgebühr, wenn die tat- bestandlichen Voraussetzungen des Gebührentatbestandes zwischen den Par- teien unstreitig sind.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n20. November 2006 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nII ZB 6/06 \n\nNachschlagewerk: ja \n\nBGHZ: \n\nBGHR: \n\nnein \n\nja \n\nRVG § 2; RVG VV Nr. 3202, 3104 \n\nEine Partei hat Anspruch auf Festsetzung einer Terminsgebühr, wenn die tat-\n\nbestandlichen Voraussetzungen des Gebührentatbestandes zwischen den Par-\n\nteien unstreitig sind. \n\nBGH, Beschluss vom 20. November 2006 - II ZB 6/06 - OLG Stuttgart \n\nLG Stuttgart \n\nDer II. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat am 20. November 2006 \n\ndurch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Goette und die Richter Dr. Kurzwelly, \n\nKraemer, Prof. Dr. Gehrlein und Dr. Reichart \n\nbeschlossen: \n\nAuf die Rechtsbeschwerde des Beklagten werden der Beschluss \n\ndes 8. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Stuttgart vom \n\n16. Januar 2006 aufgehoben und der Kostenfestsetzungsbe-\n\nschluss des Landgerichts Stuttgart vom 3. November 2005 abge-\n\nändert und wie folgt neu gefasst. \n\nDie von der Klägerin an den Beklagten zu erstattenden Kosten \n\nwerden auf 1.533,29 € nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunk-\n\nten über dem Basiszinssatz seit dem 12. September 2005 festge-\n\nsetzt. \n\nDie Klägerin trägt die Kosten der Beschwerdeverfahren. \n\nBeschwerdewert: 787,87 € \n\nGründe: \n\n1 \n\nI. Das Landgericht hat die von der Klägerin gegen den Beklagten erho-\n\nbene Zahlungsklage abgewiesen. Im Berufungsrechtszug hat die Prozessbe-\n\nvollmächtigte der Klägerin dem Prozessbevollmächtigten des Beklagten fern-\n\nmündlich einen Vergleichsvorschlag unterbreitet, den der Beklagte abgelehnt \n\nhat. Nach Rücknahme ihrer Berufung hat das Oberlandesgericht der Klägerin \n\ndie Kosten des Berufungsverfahrens auferlegt. \n\n2 \n\nDer Beklagte hat u. a. die Festsetzung einer 1,2-fachen Terminsgebühr \n\n(Nr. 3104 VV RVG) in Höhe von 787,87 € beantragt. Landgericht und Oberlan-\n\ndesgericht haben die Festsetzung der Gebühr abgelehnt. Mit der von dem \n\nOberlandesgericht zugelassenen Rechtsbeschwerde verfolgt der Beklagte sein \n\nBegehren weiter. \n\n3 \n\nII. Die nach § 574 Abs. 1 Nr. 2 ZPO statthafte und auch sonst zulässige \n\nRechtsbeschwerde ist begründet. Zu Recht begehrt der Beklagte nach § 2 \n\nAbs. 2 RVG, Teil 3 Vorbemerkung 3 Abs. 3 in Verbindung mit Nr. 3202 VV \n\n(Nr. 3104 gilt nur im ersten Rechtszug) die Festsetzung einer 1,2-fachen Ter-\n\nminsgebühr in Höhe von 787,87 €. \n\n4 \n\n1. Nach Auffassung des Oberlandesgerichts kann dahinstehen, ob über-\n\nhaupt eine Terminsgebühr angefallen ist. Jedenfalls könne eine solche außer-\n\ngerichtlich entstandene Terminsgebühr nicht festgesetzt werden, weil sich die \n\nfür die Entstehung dieser Gebühr maßgeblichen Tatsachen nicht, wie der Bun-\n\ndesgerichtshof (Beschl. v. 26. September 2002 - III ZB 22/02, NJW 2002, 3713) \n\nverlange, den Verfahrensakten entnehmen ließen. Müsse der Kostenbeamte im \n\nStreitfall Beweis über tatsächliche Vorgänge erheben, werde die Kostenfestset-\n\nzung erschwert und verliere ihren Charakter als Mittel zum zügigen Ausgleich \n\nvon Verfahrenskosten. \n\n2. Dieser rechtlichen Würdigung kann nicht gefolgt werden. \n\na) Das Oberlandesgericht hat verkannt, dass die Klägerin die für die \n\nFestsetzung der beantragten Terminsgebühr maßgeblichen Tatsachen im We-\n\n5 \n\n6 \n\nge eines Geständnisses (§ 288 ZPO) eingeräumt hat (vgl. Stein/Jonas/Bork, \n\nZPO 22. Aufl. § 104 Rdn. 3; MünchKommZPO/Belz 2. Aufl. § 104 Rdn. 7). Die \n\nProzessbevollmächtigte der Klägerin hat - wie sich auch aus dem Kostenfest-\n\nsetzungsbeschluss des Landgerichts ergibt - ausdrücklich erklärt, mit dem Be-\n\nvollmächtigten des Beklagten am 5. September 2005 eine fernmündliche Unter-\n\nredung über eine vergleichsweise Erledigung des Rechtsstreits geführt zu ha-\n\nben. Bei dieser Sachlage kann, wie die Rechtsbeschwerde zutreffend rügt, die \n\nbeantragte Terminsgebühr nicht wegen der Beweisbedürftigkeit ihrer tat-\n\nbestandlichen Voraussetzungen unberücksichtigt bleiben. \n\nb) Da es einer weiteren Sachverhaltsaufklärung nicht bedarf, kann der \n\nSenat in der Sache entscheiden und zugunsten des Beklagten die geltend ge-\n\nmachte 1,2-fache Terminsgebühr in Höhe von 787,87 € festsetzen. \n\nDie Terminsgebühr entsteht gemäß § 2 Abs. 2 RVG, Teil 3 Vorbemer-\n\nkung 3 Abs. 3 Nr. 3202 VV durch die Mitwirkung an einer auf die Erledigung des \n\nVerfahrens gerichteten Besprechung ohne Beteiligung des Gerichts. Eine sol-\n\nche Besprechung hat stattgefunden, weil die Parteivertreter anlässlich einer \n\n- für das Entstehen der Terminsgebühr ausreichenden - \n\nfernmündlichen \n\n(Sen.Beschl. v. 3. Juli 2006 - II ZB 31/05, Umdruck S. 5, z.V.b.; Mayer in \n\nMayer/Kroiß, RVG \n\n2. Aufl. Vorbemerkung 3 Rdn. 50; Schons \n\nin \n\nHartung/Römermann/Schons, RVG 2. Aufl. Vorbemerkung 3 VV Rdn. 27) Un-\n\nterredung über den Abschluss eines Vergleichs verhandelt haben. Für den An-\n\nfall der Terminsgebühr ist es - was im Kostenfestsetzungsbeschluss des Land-\n\ngerichts verkannt wird - ohne Bedeutung, dass es tatsächlich nicht zu einer güt- \n\n7 \n\n8 \n\nlichen Einigung gekommen ist (Schons aaO Rdn. 34; Keller in Riedel/Sußbauer, \n\nRVG 9. Aufl. VV Teil 3 Vorbemerkung 3 Rdn. 48). \n\nGoette Kurzwelly Kraemer \n\n Gehrlein Reichart \n\nVorinstanzen: \n\nLG Stuttgart, Entscheidung vom 03.11.2005 - 15 O 319/05 - \n\nOLG Stuttgart, Entscheidung vom 16.01.2006 - 8 W 14/06 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-11-20/ii-zb-6-06","cited_norms":[{"jurabk":"RVG","ref":"§ 2","ref_norm":"2","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 288","ref_norm":"288","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-11-20/ii-zb-6-06","retrieved":"2026-07-10 21:09:00.245215+00:00"},"card":{"id":"bgh/2006-11-20/ii-zb-6-06","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"II. Zivilsenat","date":"2006-11-20","dockets":["II ZB 6/06"],"decision_type":"Beschluss","ecli":null,"ids":{"ecli":null},"cite_as":"BGH, Beschluss vom 20.11.2006 – II ZB 6/06","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-11-20/ii-zb-6-06","headnotes":[{"kind":"leitsatz","author":"gericht","text":"RVG § 2; RVG VV Nr. 3202, 3104 Eine Partei hat Anspruch auf Festsetzung einer Terminsgebühr, wenn die tat- bestandlichen Voraussetzungen des Gebührentatbestandes zwischen den Par- teien unstreitig sind.","basis":"source_field","source":null,"may_include_court_head":true}],"leitsatz_status":"from_court","tenor":{"text":"Auf die Rechtsbeschwerde des Beklagten werden der Beschluss\n\ndes 8. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Stuttgart vom\n\n16. Januar 2006 aufgehoben und der Kostenfestsetzungsbe-\n\nschluss des Landgerichts Stuttgart vom 3. November 2005 abge-\n\nändert und wie folgt neu gefasst.\n\nDie von der Klägerin an den Beklagten zu erstattenden Kosten\n\nwerden auf 1.533,29 € nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunk-\n\nten über dem Basiszinssatz seit dem 12. September 2005 festge-\n\nsetzt.\n\nDie Klägerin trägt die Kosten der Beschwerdeverfahren.\n\nBeschwerdewert: 787,87 €","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"RVG/2","law":"RVG","abbreviation":"RVG","ref":"2","label":"§ 2 RVG","mentions":2},{"id":"ZPO/288","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"288","label":"§ 288 ZPO","mentions":1},{"id":"ZPO/574","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"574","label":"§ 574 ZPO","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[{"position":1,"court":"LG Stuttgart","court_id":null,"court_as_stated":"LG Stuttgart","date":"2005-11-03","docket":"15 O 319/05","decision_type":null,"ecli":null,"id":null,"url":null,"is_this_decision":false,"is_held":false},{"position":2,"court":"OLG Stuttgart","court_id":"olg-stuttgart","court_as_stated":"Oberlandesgericht Stuttgart","date":"2006-01-16","docket":"8 W 14/06","decision_type":"Beschluss","ecli":null,"id":"olg-stuttgart/2006-01-16/8-w-14-06","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-stuttgart/2006-01-16/8-w-14-06","is_this_decision":false,"is_held":true},{"position":3,"court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","date":"2006-11-20","docket":"II ZB 6/06","decision_type":"Beschluss","ecli":null,"id":"bgh/2006-11-20/ii-zb-6-06","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-11-20/ii-zb-6-06","is_this_decision":true,"is_held":true}],"has_records":true,"note":"As the courts' records state it (getProceeding). No outcome is given."},"fundstellen":[],"provenance":{"source":null,"source_url":null,"retrieved_at":"2026-07-10T21:09:00.245215+00:00","text_quality":"native","attribution":null},"ai_summary":null,"ai_summary_available":false}}