{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2006-10-26","aktenzeichen":"IX ZB 176/05","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 176/05\n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n26. Oktober 2006 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Gero Fischer, die Richter Raebel und Vill, die Richterin Lohmann und den \n\nRichter Dr. Detlev Fischer \n\nam 26. Oktober 2006 \n\nbeschlossen: \n\nDem Kläger wird Prozesskostenhilfe für das Verfahren der \n\nRechtsbeschwerde bewilligt. Ihm wird Rechtsanwältin Dr. A. \n\n beigeordnet. Ratenzahlungen oder Zahlungen aus dem \n\nVermögen werden nicht festgesetzt. \n\nAuf die Rechtsbeschwerde des Klägers wird der Beschluss der 2. \n\nZivilkammer des Landgerichts Görlitz vom 2. Juni 2005 aufgeho-\n\nben. Die Sache wird zur erneuten Entscheidung an das Landge-\n\nricht zurückverwiesen. \n\nGründe:\n\nI. \n\n1 \n\nDer Kläger, ein Rechtsanwalt, ist Verwalter im Insolvenzverfahren über \n\ndas Vermögen der D. GmbH \n\n(fortan: Schuldnerin). Er nimmt die Beklagte unter dem Gesichtspunkt der Insol-\n\nvenzanfechtung auf Zahlung von 4.769,53 Euro in Anspruch. Das Amtsgericht \n\nhat die Klage abgewiesen. Innerhalb der Berufungsfrist hat der Kläger Bewilli-\n\ngung von Prozesskostenhilfe und Beiordnung eines Rechtsanwalts beantragt. \n\nMit dem angefochtenen Beschluss hat das Landgericht diesen Antrag zurück-\n\ngewiesen und die Rechtsbeschwerde zugelassen. \n\nII. \n\n2 \n\n3 \n\nDie Rechtsbeschwerde ist nach § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO statthaft \n\nund auch im Übrigen zulässig. Sie führt zur Aufhebung der angefochtenen Ent-\n\nscheidung und zur Zurückverweisung der Sache an das Landgericht. \n\n1. Zur Begründung seiner die Bewilligung von Prozesskostenhilfe für die \n\nBerufungsinstanz ablehnenden Entscheidung hat das Landgericht auf seine \n\nständige Rechtsprechung verwiesen, dass in Fällen, in denen ein Rechtsanwalt \n\nals Insolvenzverwalter Prozesskostenhilfe für die Geltendmachung von typisch \n\ninsolvenzrechtlichen Ansprüchen begehre, keine Veranlassung zur Beiordnung \n\neines Rechtsanwalts bestehe. Die Vorschrift des § 121 Abs. 1 ZPO wolle si-\n\ncherstellen, dass einer Partei durch den Anwaltszwang kein Nachteil entstehe. \n\nDerartige Nachteile seien jedoch nicht zu befürchten, wenn die Partei selbst bei \n\ndem jeweiligen Gericht postulationsfähig sei. \n\n4 \n\n2. Diese Ausführungen halten einer rechtlichen Überprüfung nicht stand. \n\nDie Vorschrift des § 121 Abs. 1 ZPO enthält zwingendes Recht. Ist eine Vertre-\n\ntung durch Anwälte vorgeschrieben, hat bei Bewilligung von Prozesskostenhilfe \n\ndie Beiordnung eines zur Vertretung bereiten Rechtsanwalts nach Wahl des \n\nAntragstellers zu erfolgen. Das haben Bundesgerichtshof (Beschl. v. 25. April \n\n2002 - IX ZB 106/02, NJW 2002, 2179) und Bundesfinanzhof (BFH, ZInsO \n\n2005, 1216, 1217) bereits entschieden und wird auch in der Kommentarliteratur \n\n- soweit ersichtlich - nicht in Zweifel gezogen (vgl. etwa Stein/Jonas/Bork, ZPO \n\n22. Aufl. § 121 Rn. 4; Baumbach/Lauterbach/Hartmann, ZPO 64. Aufl. § 121 \n\nRn. 10; MünchKomm-ZPO/Wax, \n\n2. Aufl. \n\n§ 121 Rn. 25; HK-ZPO/ \n\nRathmann/Pukall, § 121 Rn. 1; Musielak/Fischer, ZPO 4. Aufl. § 121 Rn. 9). Nur \n\nim Anwendungsbereich des § 121 Abs. 2 ZPO kann sich überhaupt die Frage \n\nstellen, ob von der Beiordnung eines Anwalts abgesehen werden kann, weil die \n\nPartei oder ihr gesetzlicher Vertreter ein bei dem Prozessgericht zugelassener \n\nRechtsanwalt ist (vgl. dazu BGH, Beschl. v. 23. März 2006 - IX ZB 130/05, NJW \n\n2006, 1597; v. 6. April 2006 - IX ZB 169/05, NJW 2006, 1881). Hier geht es je-\n\ndoch um ein Berufungsverfahren. Vor den Landgerichten müssen sich die Par-\n\nteien durch einen bei einem Amts- oder Landgericht zugelassenen Rechtsan-\n\nwalt vertreten lassen (§ 78 Abs. 1 ZPO). \n\nIII. \n\n5 \n\nDer angefochtene Beschluss kann folglich keinen Bestand haben. Er ist \n\naufzuheben. Die Sache ist zur erneuten Entscheidung an das Landgericht zu-\n\nrückzuverweisen (§ 577 Abs. 4 ZPO). Ob dem Kläger Prozesskostenhilfe zu \n\nbewilligen und ihm ein Rechtsanwalt beizuordnen ist, hängt allein davon ab, ob \n\ndie von ihm beabsichtigte Rechtsverfolgung Aussicht auf Erfolg hat (§ 114 \n\nZPO). Das wird das Landgericht nach der Zurückverweisung zu prüfen haben. \n\nIV. \n\n6 \n\nDie Bewilligung von Prozesskostenhilfe für das Verfahren der Rechtsbe-\n\nschwerde beruht auf § 114 ZPO (vgl. BGH, Beschl. v. 19. Dezember 2002 \n\n- III ZB 33/02, WM 2003, 1826, 1827). Die außergerichtlichen Kosten des \n\nRechtsbeschwerdeverfahrens werden nicht erstattet (§ 127 Abs. 4 ZPO ana-\n\nlog). \n\nDr. Gero Fischer \n\nRaebel \n\nVill \n\nLohmann \n\nDr. Detlev Fischer \n\nVorinstanzen: \n\nAG Görlitz, Entscheidung vom - 2 C 381/04 - \n\nLG Görlitz, Entscheidung vom 02.06.2005 - 2 S 24/05 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-10-26/ix-zb-176-05","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 121","ref_norm":"121","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 127","ref_norm":"127","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-10-26/ix-zb-176-05","retrieved":"2026-07-10 21:00:05.594153+00:00"},"card":{"id":"bgh/2006-10-26/ix-zb-176-05","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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