{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2006-10-12","aktenzeichen":"IX ZB 6/05","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 6/05\n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n12. Oktober 2006 \n\nin dem Verfahren auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Gero Fischer, die Richter Dr. Ganter und Vill, die Richterin Lohmann und \n\nden Richter Dr. Detlev Fischer \n\nam 12. Oktober 2006 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 10. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Göttingen vom 17. Dezember 2004 wird auf \n\nKosten des Schuldners zurückgewiesen. \n\nDer Antrag des Schuldners auf Bewilligung von Prozesskostenhil-\n\nfe für das Rechtsbeschwerdeverfahren wird abgewiesen. \n\nGründe:\n\n1 \n\nAm 23. März 2004 hat der weitere Beteiligte die Eröffnung des Insol-\n\nvenzverfahrens über das Vermögen des Schuldners beantragt. Das Insolvenz-\n\ngericht hat vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet und den vorläufigen \n\nVerwalter beauftragt zu prüfen, ob ein Eröffnungsgrund vorliege. Mit Beschluss \n\nvom 16. September 2004 hat das Insolvenzgericht die Verhaftung des Schuld-\n\nners angeordnet, weil dieser seine Verpflichtung zur Klarstellung der Vermö-\n\ngensverhältnisse nicht erfüllt habe. Am 17. September 2004 hat die Gerichts-\n\nvollzieherin den Schuldner verhaftet. Zu einer Inhaftierung kam es nicht, weil \n\nder Schuldner haftunfähig war. Der Schuldner hat sofortige Beschwerde gegen \n\ndie Haftanordnung eingelegt. Am 26. Oktober 2004 hat der Schuldner Erinne-\n\nrung gegen die Verhaftung eingelegt und beantragt festzustellen, dass diese \n\nrechtswidrig gewesen sei, weil die sofortige Beschwerde gegen die Haftanord-\n\nnung aufschiebende Wirkung gehabt habe. Erinnerung und sofortige Be-\n\nschwerde sind erfolglos geblieben. Mit seiner vom Beschwerdegericht zugelas-\n\nsenen Rechtsbeschwerde begehrt der Schuldner weiterhin die Feststellung der \n\nRechtswidrigkeit der Verhaftung. \n\nII. \n\n2 \n\nDie sofortige Beschwerde ist nach § 574 Abs. 1 Nr. 2 ZPO statthaft und \n\nauch im Übrigen zulässig. Sie bleibt jedoch ohne Erfolg. Die Gerichtsvollziehe-\n\nrin hat den Schuldner aufgrund der jedenfalls rechtlich existenten Haftanord-\n\nnung vom 16. September 2004 am 17. September 2004 verhaftet. Die Be-\n\nschwerdeschrift des Schuldners, die am 19. September 2004 beim Amtsgericht \n\nGöttingen eingegangen ist, stand Vollstreckungshandlungen am 17. September \n\nnicht entgegen. \n\n3 \n\nDie sofortige Beschwerde, die der Schuldner seiner Darstellung nach im \n\nZusammenhang mit seiner Verhaftung gegenüber der Gerichtsvollzieherin er-\n\nklärt hat, war nicht nur unzulässig, sondern wirkungslos, weil sie nicht beim \n\nAusgangs- oder beim Beschwerdegericht eingegangen ist. Gemäß § 569 ZPO \n\nist die sofortige Beschwerde beim Ausgangs- oder beim Beschwerdegericht \n\neinzulegen, und zwar durch Einreichung einer Beschwerdeschrift oder zu Pro-\n\ntokoll der Geschäftsstelle. Geschäftsstellen werden bei den Gerichten einge-\n\nrichtet (§ 153 Abs. 1 GVG). Urkundsbeamter der Geschäftsstelle ist, wer mit \n\nden Aufgaben eines Urkundsbeamten der Geschäftsstelle betraut wird (Kis-\n\nsel/Mayer, GVG 4. Aufl. § 153 Rn. 19; vgl. § 153 Abs. 2 GVG). Ein Gerichtsvoll-\n\nzieher ist demgegenüber ein Beamter, der mit Zustellungen, Ladungen und \n\nVollstreckungen betraut ist (§ 154 GVG). Er kann keine Anträge und Erklärun-\n\ngen zu Protokoll der Geschäftsstelle (§ 129a ZPO) entgegen nehmen. Folge-\n\nrichtig findet sich bei den Akten auch kein Protokoll über eine sofortige Be-\n\nschwerde vom 17. September 2004. Eine Prozesshandlung wird frühestens mit \n\nZugang an den Empfänger wirksam (vgl. BGHZ 134, 387, 390; Zöller/Greger, \n\nZPO 25. Aufl. Vor § 128 Rn. 17), eine gegenüber dem Gericht vorzunehmende \n\nProzesshandlung also erst mit Eingang bei dem Gericht, an das der Antrag \n\noder die Erklärung gerichtet ist (vgl. § 129a Abs. 2 Satz 2 ZPO). \n\nIII. \n\n4 \n\nDer Antrag des Schuldners auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für \n\ndas Verfahren der Rechtsbeschwerde war abzuweisen, weil die beabsichtigte \n\nRechtsverfolgung keine Aussicht auf Erfolg hat (§ 114 Satz 1 ZPO). Die Zulas-\n\nsungsfrage stellt sich nicht. \n\nDr. Gero Fischer \n\nDr. Ganter \n\nVill \n\nLohmann \n\nDr. Detlev Fischer \n\nVorinstanzen: \nAG Göttingen, Entscheidung vom 05.11.2004 - 74 IN 132/04 - \nLG Göttingen, Entscheidung vom 17.12.2004 - 10 T 133/04 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-10-12/ix-zb-6-05","cited_norms":[{"jurabk":"GVG","ref":"§ 153","ref_norm":"153","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 129a","ref_norm":"129a","n":2},{"jurabk":"GVG","ref":"§ 154","ref_norm":"154","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 569","ref_norm":"569","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-10-12/ix-zb-6-05","retrieved":"2026-07-10 21:03:04.200598+00:00"},"card":{"id":"bgh/2006-10-12/ix-zb-6-05","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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