{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2006-09-28","aktenzeichen":"IX ZA 16/04","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZA 16/04 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n28. September 2006 \n\nin dem Insolvenzverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch die Richter Dr. Ganter, \n\nRaebel, Dr. Kayser, Cierniak und Dr. Fischer \n\nam 28. September 2006 \n\nbeschlossen: \n\nDas Gesuch der Schuldnerin, ihr zur Durchführung der Rechtsbe-\n\nschwerde gegen den Beschluss der 10. Zivilkammer des Landge-\n\nrichts Bochum vom 18. Juni 2004 Prozesskostenhilfe zu gewäh-\n\nren, wird zurückgewiesen. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDie Schuldnerin erstrebt die Beiordnung eines Rechtsanwalts im Insol-\n\nvenzeröffnungsverfahren und im Insolvenzverfahren bei gewährter Kostenstun-\n\ndung (§ 4a Abs. 2 InsO). Ihren Antrag hat sie unter Beifügung einer Bescheini-\n\ngung eines Familienhilfezentrums damit begründet, sie sei der deutschen Spra-\n\nche nicht mächtig, insbesondere könne sie nicht lesen und schreiben. Auf \n\nRückfrage seitens des Insolvenzgerichts erklärte das Familienhilfezentrum, die \n\nSchuldnerin sei keine Analphabetin, sie verstehe aber die deutsche Schriftspra-\n\nche nicht und müsse deshalb immer wieder die Beratungsstelle des Familienhil-\n\nfezentrums bezüglich der Übersetzung einzelner Schreiben in Anspruch neh-\n\nmen. Das Insolvenzgericht hat den Beiordnungsantrag der Schuldnerin abge-\n\nlehnt. Das Landgericht hat die sofortige Beschwerde zurückgewiesen. Die \n\nSchuldnerin begehrt Prozesskostenhilfe zur Durchführung eines Rechtsbe-\n\nschwerdeverfahrens, mit dem sie ihren Antrag auf Beiordnung eines Rechtsan-\n\nwalts weiterverfolgen will. \n\nII. \n\n2 \n\nDas beabsichtigte Rechtsmittel bietet keine hinreichende Aussicht auf Er-\n\nfolg (§ 114 ZPO). Eine Rechtsbeschwerde wäre unzulässig; weder hat die \n\nRechtssache grundsätzliche Bedeutung noch erfordert die Einheitlichkeit der \n\nRechtsprechung oder die Fortbildung des Rechts eine Entscheidung des \n\nRechtsbeschwerdegerichts (§ 574 Abs. 2 ZPO). \n\n3 \n\nDer Streitfall wirft keine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung auf. \n\nDie Ausführungen des Beschwerdegerichts zu der Versagung der Anwaltsbei-\n\nordnung erster Instanz gehen von der einschlägigen Bestimmung des § 4a \n\nAbs. 2 Satz 1 InsO aus, nach der dem Schuldner ein zur Vertretung bereiter \n\nAnwalt seiner Wahl nur beigeordnet wird, wenn die Vertretung durch einen \n\nRechtsanwalt trotz der dem Gericht obliegenden Fürsorge erforderlich er-\n\nscheint. Unter welchen Voraussetzungen dies der Fall ist, hängt maßgebend \n\nvon den besonderen Umständen, namentlich der Person des Schuldners, dem \n\nUmfang der Insolvenzsache, den Schwierigkeiten der Sach- und Rechtslage \n\nsowie den Fürsorgemöglichkeiten des zuständigen Insolvenzgerichts ab und ist \n\neiner Verallgemeinerung nur begrenzt zugänglich \n\n(BGH, Beschl. v. \n\n5. Dezember 2002 - IX ZA 20/02, NZI 2003, 270; Beschl. v. 18. Dezember 2002 \n\n- IX ZA 22/02, ZInsO 2003, 124, 125; vgl. auch Beschl. v. 18. September 2003 \n\n- IX ZB 44/03, NZI 2004, 39). \n\n4 \n\nDer Frage, ob und wann sich das Erfordernis einer anwaltlichen Vertre-\n\ntung im Sinne von § 4a Abs. 2 InsO aus mangelhaften Deutschkenntnissen er-\n\ngeben kann, kommt hier gleichfalls keine Grundsatzbedeutung zu. Das Be-\n\nschwerdegericht hat in diesem Zusammenhang anhand der eingeholten Aus-\n\nkünfte des Familienhilfezentrums zutreffend darauf abgestellt, dass nötigenfalls \n\nbei der Klärung offener Fragen ein Dolmetscher hinzugezogen werden kann. \n\nDies steht im Einklang mit der höchstrichterlichen Rechtsprechung (BGH, \n\nBeschl. v. 18. Dezember 2002 aaO). Im Prozesskostenhilfegesuch hat die an-\n\nwaltlich vertretene Schuldnerin keine konkreten Umstände aufgezeigt, weshalb \n\ndie Hinzuziehung eines Dolmetschers vorliegend nicht ausreichend sein könnte. \n\nDer pauschal geltend gemachte Gesichtspunkt, nach den UNESCO-Regeln sei \n\ndie Schuldnerin als Analphabetin anzusehen, lässt sich nicht mit dem vom In-\n\nsolvenzgericht festgestellten Sachverhalt vereinbaren. \n\nGanter \n\nRaebel \n\nKayser \n\nCierniak \n\nFischer \n\nVorinstanzen: \nAG Bochum, Entscheidung vom 23.04.2004 - 88 K 588/03 - \nLG Bochum, Entscheidung vom 18.06.2004 - 10 T 51/04 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-09-28/ix-za-16-04","cited_norms":[{"jurabk":"InsO","ref":"§ 4a","ref_norm":"4a","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-09-28/ix-za-16-04","retrieved":"2026-07-10 20:54:20.531920+00:00"},"card":{"id":"bgh/2006-09-28/ix-za-16-04","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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