{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2006-09-21","aktenzeichen":"IX ZB 91/04","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 91/04 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n21. September 2006 \n\nin dem Insolvenzverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Fischer, die Richter Raebel, Dr. Kayser, Cierniak und die Richterin \n\nLohmann \n\nam 21. September 2006 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 1. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Heilbronn vom 19. März 2004 wird auf Kosten \n\ndes Gläubigers als unzulässig verworfen. \n\nDer Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens beträgt \n\n10.000 €. \n\nGründe: \n\n1 \n\nDie Rechtsbeschwerde ist statthaft (§§ 7, 6 Abs. 1, § 289 Abs. 2 Satz 1 \n\nInsO, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO). Das Rechtsmittel ist jedoch unzulässig; \n\nweder hat die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung noch erfordert die Fort-\n\nbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine \n\nEntscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts (§ 574 Abs. 2 ZPO). \n\n2 \n\n1. Die Rechtsbeschwerde meint, der Rechtssache komme grundsätzliche \n\nBedeutung zu. Zu klären sei die Frage, ob die Versagung der Restschuldbefrei-\n\nung nach § 290 Abs. 1 Nr. 2 InsO unter Einbeziehung des § 1 InsO auch auf \n\nsolche Handlungen gestützt werden könne, die länger als drei Jahre vor dem \n\nAntrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens lägen. Diese Rechtsfrage ist \n\ndurch den Beschluss des Senats vom 22. Mai 2003 (IX ZB 456/02, WM 2003, \n\n1382, 1383) zu Lasten des Rechtsbeschwerdeführers beantwortet. Danach um-\n\nschreibt § 290 Abs. 1 InsO die Verhaltensweisen, die eine Versagung rechtfer-\n\ntigen, abschließend. Andere Verhaltensweisen bleiben sanktionslos, selbst \n\nwenn sie ebenfalls als unredlich anzusehen sind. Dies dient der Rechtssicher-\n\nheit; Schuldner und Insolvenzgläubiger sollen von vornherein wissen, unter wel-\n\nchen Bedingungen das Privileg der Restschuldbefreiung erteilt oder versagt \n\nwerden kann (vgl. Begründung zu § 239 RegE, BT-Drucks. 12/2443 S. 190). \n\nÜber die in § 290 Abs. 1 Nr. 2 InsO enthaltene Drei-Jahres-Frist darf deshalb \n\nnicht hinweggegangen werden. Durch sie hat der Gesetzgeber zum Ausdruck \n\ngebracht, dass solche Angaben, die länger zurückliegen, bei der Beurteilung \n\nder für die Restschuldbefreiung vorausgesetzten Redlichkeit des Schuldners \n\nnicht berücksichtigt werden sollen. Hiermit hat es sein Bewenden. \n\n3 \n\n2. Die Rechtsbeschwerde hält es weiter im Anwendungsbereich des \n\n§ 290 Abs. 1 Nr. 4 InsO für klärungsbedürftig, ob der Schuldner durch aktives \n\nHandeln den Gläubiger davon abgehalten haben muss, die Eröffnung des In-\n\nsolvenzverfahrens zu beantragen, oder ob der Versagungsgrund auch dann \n\neingreift, wenn der Schuldner ohne Aussicht auf Besserung seiner wirtschaftli-\n\nchen Lage die Eröffnung des Insolvenzverfahrens verzögere. Nach der von der \n\nRechtsbeschwerde angeführten Mindermeinung muss das Verhalten des \n\nSchuldners jedenfalls für eine Gläubigerbenachteiligung kausal gewesen sein \n\n(vgl. Uhlenbruck/Vallender, InsO 12. Aufl. § 290 Rn. 57 f; Wenzel in Küb-\n\nler/Prütting, InsO § 290 Rn. 19 a). Dies hat der Gläubiger in den Tatsachenin-\n\nstanzen nicht glaubhaft gemacht. Es fehlt deshalb an der Entscheidungserheb-\n\nlichkeit der zur Nachprüfung gestellten Rechtsfrage. \n\n4 \n\nVon einer weiteren Begründung wird abgesehen, weil sie nicht geeignet \n\nwäre, zur Klärung von Rechtsfragen grundsätzlicher Bedeutung, zur Fortbildung \n\ndes Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung beizutragen \n\n(§ 577 Abs. 6 Satz 3 ZPO). \n\nFischer \n\nRaebel \n\nKayser \n\nCierniak \n\nLohmann \n\nVorinstanzen: \n\nAG Heilbronn, Entscheidung vom 02.02.2004 - 4 IN 427/02 - \n\nLG Heilbronn, Entscheidung vom 19.03.2004 - 1 T 83/04 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-09-21/ix-zb-91-04","cited_norms":[{"jurabk":"InsO","ref":"§ 290","ref_norm":"290","n":4},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 1","ref_norm":"1","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 289","ref_norm":"289","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-09-21/ix-zb-91-04","retrieved":"2026-07-10 20:57:20.052488+00:00"},"card":{"id":"bgh/2006-09-21/ix-zb-91-04","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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