{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2006-07-27","aktenzeichen":"IX ZB 234/03","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 234/03\n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n27. Juli 2006 \n\nin dem Insolvenzverfahren über das Vermögen des \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Gero Fischer, die Richter Dr. Ganter und Vill, die Richterin Lohmann und \n\nden Richter Dr. Detlev Fischer \n\nam 27. Juli 2006 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 2. Zivil-\n\nkammer des Landgerichts Hof vom 11. September 2003 wird \n\nauf Kosten der weiteren Beteiligten zu 1 als unzulässig ver-\n\nworfen. \n\nDer Wert des Verfahrens der Rechtsbeschwerde wird auf \n\n1.764,12 Euro festgesetzt. \n\nGründe:\n\nI. \n\n1 \n\nAuf Eigenantrag vom 19. Januar 2000, verbunden mit einem Antrag auf \n\nRestschuldbefreiung, wurde am 6. Juli 2000 das Insolvenzverfahren über das \n\nVermögen des Schuldners eröffnet. Am 29. August 2001 wurde das Verfahren \n\nnach vollzogener Schlussverteilung aufgehoben; der (weitere) Beteiligte zu 2 \n\nwurde zum Treuhänder bestellt. Mit Beschluss vom 29. Januar 2002 kündigte \n\ndas Insolvenzgericht die Erteilung der Restschuldbefreiung an. \n\n2 \n\nBereits am 28. März 2001 war der Vater des Schuldners verstorben. Al-\n\nleinige Erbin wurde die Mutter des Schuldners. Der Schuldner beauftragte einen \n\nRechtsanwalt mit der Durchsetzung seines Pflichtteilsanspruchs. Das Insol-\n\nvenzgericht unterrichtete er nicht. Im Jahre 2002 erfuhr der Beteiligte zu 2 durch \n\nZufall davon. Er zog einen Betrag von 12.000 Euro zur Masse, hinsichtlich des-\n\nsen eine Nachtragsverteilung durchgeführt wurde. \n\n3 \n\nUnter dem 6. März 2001 hat die (weitere) Beteiligte zu 1 beantragt, dem \n\nSchuldner wegen des verschwiegenen Pflichtteilsanspruchs die Restschuldbe-\n\nfreiung zu versagen. Der Antrag ist in zwei Instanzen erfolglos geblieben. Ein \n\nauf einen Versagungsgrund nach § 290 Abs. 1 InsO gestützter Versagungsan-\n\ntrag müsse im Schlusstermin gestellt werden. Die Voraussetzungen des § 296 \n\nAbs. 1 InsO seien gleichfalls nicht erfüllt, weil der Schuldner den Pflichtteilsan-\n\nspruch schon während des Insolvenzverfahrens erlangt und verheimlicht habe, \n\nalso nicht, wie § 295 Abs. 1 Nr. 2 InsO verlange, während der Laufzeit der Ab-\n\ntretungserklärung. Mit ihrer vom Landgericht zugelassenen Rechtsbeschwerde \n\nverfolgt die Gläubigerin den Antrag auf Versagung der Restschuldbefreiung \n\nweiter. \n\nII. \n\n4 \n\n5 \n\nDie Rechtsbeschwerde ist unzulässig. Sie wirft keine Rechtsfragen von \n\ngrundsätzlicher Bedeutung auf, und weder die Fortbildung des Rechts noch die \n\nSicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erfordert eine Entscheidung des \n\nRechtsbeschwerdegerichts (§ 574 Abs. 2 ZPO). \n\n1. Die Rechtsbeschwerde führt nicht - wie die Gläubigerin meint - schon \n\ndeshalb zur Aufhebung der angefochtenen Einzelrichterentscheidung, weil die-\n\nse unter Verletzung des Verfassungsgebots des gesetzlichen Richters (Art. 101 \n\nAbs. 1 Satz 2 GG) ergangen wäre. Eine dem Kollegium vorbehaltene, den Se-\n\nnat bindende Zulassungsentscheidung (§ 574 Abs. 3 ZPO) kommt im Falle ei-\n\nner kraft Gesetzes statthaften Rechtsbeschwerde (§ 574 Abs. 1 Nr. 1, § 7 InsO) \n\nnicht in Betracht (vgl. auch, BGH, Beschl. v. 25. September 2003 - IX ZB 24/03, \n\nNZI 2004, 511). \n\n6 \n\n2. Eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung (§ 574 Abs. 2 Satz 1 \n\nNr. 1 ZPO) wirft die Sache ebenfalls nicht auf. Der Bundesgerichtshof hat be-\n\nreits entschieden, dass ein auf § 290 Abs. 1 Nr. 1 bis 6 InsO gestützter Versa-\n\ngungsantrag nur zulässig ist, wenn der Gläubiger diesen Antrag im Schlusster-\n\nmin stellt (Beschl. v. 20. März 2003 - IX ZB 388/02, ZVI 2003, 170, 171; Beschl. \n\nv. 18. Mai 2006 - IX ZB 103/05, ZInsO 2006, 647). Hierbei handelt es sich um \n\neine bewusste Entscheidung des Gesetzgebers (BT-Drucks. 12/2443 S. 189 zu \n\n§ 237 RegE). Wird dem Schuldner (rechtskräftig) Restschuldbefreiung ange-\n\nkündigt, soll sein Verhalten in der Vergangenheit keine Rolle mehr spielen (BT-\n\nDrucks. 12/2443 S. 191 zu § 240 RegE). Nach dem Schlusstermin kann die \n\nVersagung der Restschuldbefreiung nach § 290 InsO deshalb nicht mehr bean-\n\ntragt werden. Der Schlusstermin hat am 8. August 2001 stattgefunden. \n\n7 \n\n3. Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 577 Abs. 6 Satz 3 ZPO \n\nabgesehen. \n\nDr. Gero Fischer \n\nDr. Ganter \n\nVill \n\nLohmann \n\nDr. Detlev Fischer \n\nVorinstanzen: \n\nAG Hof, Entscheidung vom 30.07.2003 - IK 4/00 - \n\nLG Hof, Entscheidung vom 11.09.2003 - 22 T 109/03 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-07-27/ix-zb-234-03","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":3},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 290","ref_norm":"290","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 101","ref_norm":"101","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 295","ref_norm":"295","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 296","ref_norm":"296","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-07-27/ix-zb-234-03","retrieved":"2026-07-10 20:46:47.645279+00:00"},"card":{"id":"bgh/2006-07-27/ix-zb-234-03","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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