{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VII. Zivilsenat","decided":"2006-04-27","aktenzeichen":"VII ZB 116/05","doktyp":"Beschluss","leitsatz":"ZPO § 91 Abs. 1 Satz 1 Die auf die Verfahrensgebühr des gerichtlichen Verfahrens nach der Vorbemer- kung 3 Abs. 4 der Anlage 1 zu § 2 Abs. 2 RVG nicht anrechenbare Geschäfts- gebühr nach Nr. 2400 dieser Anlage für ein Mahnschreiben zählt nicht zu den Kosten des Rechtsstreits im Sinne des § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO und kann nicht im Kostenfestsetzungsverfahren nach §§ 103, 104 ZPO, § 11 Abs. 1 Satz 1 RVG festgesetzt werden.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nVII ZB 116/05 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n27. April 2006 \n\nin dem Rechtsbeschwerdeverfahren \n\nNachschlagewerk: ja \n\nBGHZ: \n\nBGHR: \n\nnein \n\nja \n\nZPO § 91 Abs. 1 Satz 1 \n\nDie auf die Verfahrensgebühr des gerichtlichen Verfahrens nach der Vorbemer-\n\nkung 3 Abs. 4 der Anlage 1 zu § 2 Abs. 2 RVG nicht anrechenbare Geschäfts-\n\ngebühr nach Nr. 2400 dieser Anlage für ein Mahnschreiben zählt nicht zu den \n\nKosten des Rechtsstreits im Sinne des § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO und kann nicht \n\nim Kostenfestsetzungsverfahren nach §§ 103, 104 ZPO, § 11 Abs. 1 Satz 1 \n\nRVG festgesetzt werden. \n\nBGH, Beschluss vom 27. April 2006 - VII ZB 116/05 - LG Neubrandenburg \n\nAG Pasewalk \n\nDer VII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 27. April 2006 durch den \n\nVorsitzenden Richter Dr. Dressler, die Richter Hausmann, Dr. Kuffer, Bauner \n\nund die Richterin Safari Chabestari \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 4. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Neubrandenburg vom 14. Juli 2005 wird auf \n\nKosten der Kläger zurückgewiesen. \n\nDer Gegenstandswert der Rechtsbeschwerde wird auf 326,71 € \n\nfestgesetzt. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDie Kläger verlangten von dem Beklagten zunächst Schadensersatz in \n\nHöhe von 2.898,21 € wegen mangelhaft erbrachter Bauleistungen. Mit Schrei-\n\nben ihres Prozessbevollmächtigten erster Instanz vom 24. August 2004 haben \n\nsie den Beklagten zur Zahlung dieses Betrags zuzüglich Rechtsanwaltskosten \n\nunter Fristsetzung zum 6. September 2004 aufgefordert und nach fruchtlosem \n\nAblauf dieser Frist Klage erhoben. Nach Klageerweiterung ist gegen den Be-\n\nklagten ein Teilversäumnisurteil hinsichtlich des genannten Schadensersatzbe-\n\ntrages ergangen. Nach Rücknahme der Klageerweiterung hat das Amtsgericht \n\ndie Kosten des Rechtsstreits zu 90 % dem Beklagten und zu 10 % den Klägern \n\nals Gesamtschuldnern auferlegt. \n\n2 \n\nDie Rechtspflegerin bei dem Amtsgericht hat im Rahmen der Kostenfest-\n\nsetzung die von den Klägern beanspruchte, ihrem Prozessbevollmächtigten im \n\nHinblick auf das Anwaltsschreiben vom 24. August 2004 sowie auf Verhandlun-\n\ngen hinsichtlich von Kostenvoranschlägen erwachsene Geschäftsgebühr, so-\n\nweit sie nicht auf die Verfahrensgebühr anzurechnen war, nicht berücksichtigt. \n\nDie dagegen eingelegte sofortige Beschwerde hatte keinen Erfolg. Mit der zu-\n\ngelassenen Rechtsbeschwerde erstreben die Kläger weiterhin die Festsetzung \n\nvon 90 % der nicht auf die Verfahrensgebühr anzurechnenden Geschäftsge-\n\nbühr. \n\n3 \n\n4 \n\n5 \n\n6 \n\nII. \n\nDie gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO statthafte und auch im Übri-\n\ngen zulässige Rechtsbeschwerde hat in der Sache keinen Erfolg. \n\n1. Das Beschwerdegericht ist der Auffassung, die geltend gemachten \n\nKosten könnten mangels konkreter Prozessbezogenheit nicht als notwendige \n\nKosten des Rechtsstreits im Sinne des § 91 ZPO festgesetzt werden, da sie für \n\neine außergerichtliche Tätigkeit des Rechtsanwalts zu einem Zeitpunkt angefal-\n\nlen seien, als die Notwendigkeit einer gerichtlichen Geltendmachung noch nicht \n\nfestgestanden habe. \n\n2. Diese Auffassung hält der rechtlichen Nachprüfung stand. \n\na) Bei dem Anwaltsschreiben vom 24. August 2004 handelt es sich um \n\nein Mahnschreiben. Die Aufwendungen für ein solches Mahnschreiben gehören \n\nnicht zu den Kosten, die der Vorbereitung eines konkreten bevorstehenden \n\nRechtsstreits dienen und die deshalb den Prozesskosten zugerechnet und im \n\nKostenfestsetzungsverfahren geltend gemacht werden können (vgl. Musie-\n\nlak/Wolst, ZPO, 4. Aufl., § 91 Rdn. 7; Thomas/Putzo/Hüßtege, ZPO, 27. Aufl., \n\n§ 91 Rdn. 8; Zöller/Herget, 25. Aufl., § 91 Rdn. 13, Stichwort \"Mahnschreiben\"). \n\n7 \n\nEin Mahnschreiben, insbesondere wenn darin eine Frist zur Erfüllung der \n\nForderung gesetzt wird, dient neben der materiell-rechtlichen Zielsetzung, etwa \n\nzur Begründung des Verzugs, in erster Linie der außergerichtlichen Erledigung, \n\nda der Schuldner zur Erfüllung der Forderung angehalten werden soll. Auch das \n\ndamit möglicherweise weiter verfolgte Ziel, es dem Schuldner zu verwehren, \n\nden später gerichtlich geltend gemachten Anspruch mit der Kostenfolge des \n\n§ 93 ZPO anzuerkennen, hat keine den Prozess unmittelbar vorbereitende \n\nFunktion. Für ein Mahnschreiben gelten insoweit entsprechende Überlegungen \n\nwie sie der Bundesgerichtshof bereits für die Kosten einer Abmahnung ange-\n\nstellt hat (BGH, Beschluss vom 20. Oktober 2005 - I ZB 21/05, Rpfleger 2006, \n\n165 = JurBüro 2006, 140). \n\n8 \n\nb) Auch soweit die Geschäftsgebühr von den Klägern auf nicht näher \n\nkonkretisierte anwaltliche Tätigkeit hinsichtlich der Einholung von Kostenvoran-\n\nschlägen gestützt wird, gilt nichts anderes. Auch hierdurch entstandene Kosten \n\ngehören nicht zu den einen Rechtsstreit unmittelbar vorbereitenden Prozess-\n\nkosten im Sinne des § 91 Abs. 1 ZPO. \n\nDressler Hausmann Kuffer \n\n Bauner Safari Chabestari \n\nVorinstanzen: \nAG Pasewalk, Entscheidung vom 17.03.2005 - 3 C 483/04 - \nLG Neubrandenburg, Entscheidung vom 14.07.2005 - 4 T 148/05 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-04-27/vii-zb-116-05","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 91","ref_norm":"91","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 93","ref_norm":"93","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 104","ref_norm":"104","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"RVG","ref":"§ 2","ref_norm":"2","n":1},{"jurabk":"RVG","ref":"§ 11","ref_norm":"11","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-04-27/vii-zb-116-05","retrieved":"2026-07-10 20:29:33.257562+00:00"},"card":{"id":"bgh/2006-04-27/vii-zb-116-05","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"VII. 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