{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IV. Zivilsenat","decided":"2006-04-26","aktenzeichen":"IV ZA 17/05","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIV ZA 17/05\n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n26. April 2006 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nDer IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat durch den Vorsit-\n\nzenden Richter Terno, die Richter Dr. Schlichting, Seiffert, die Richterin \n\nDr. Kessal-Wulf und den Richter Dr. Franke \n\nam 26. April 2006 \n\nbeschlossen: \n\nDie Anhörungsrüge der Klägerin gegen den Senatsbe-\n\nschluss vom 22. März 2006 wird zurückgewiesen. \n\n1 \n\nI. Die Klägerin hat die Beklagte auf Zahlung von Versicherungsleis-\n\nGründe:\n\ntungen aus einer bei ihr gehaltenen Hausratversicherung wegen eines \n\nBrandes in ihrem Hotelgebäude in Anspruch genommen. Nachdem sie in \n\nden Vorinstanzen mit ihrem Klagebegehren erfolglos geblieben war, hat \n\nsie beim Bundesgerichtshof Prozesskostenhilfe für die Durchführung des \n\nVerfahrens der Nichtzulassungsbeschwerde beantragt. In einem weiteren \n\nbeim Senat anhängigen Verfahren hat die Klägerin gegen die dortige Be-\n\nklagte Ansprüche aus einer Gebäudeversicherung wegen desselben \n\nSchadenereignisses geltend gemacht und mit diesem Begehren im Beru-\n\nfungsrechtszug Erfolg gehabt. Dagegen wendet sich der dort beklagte \n\nVersicherer mit der Nichtzulassungsbeschwerde. Der Senat hat der Klä-\n\ngerin daraufhin dort gemäß § 119 Abs. 1 Satz 2 ZPO, also ohne Prüfung \n\nder Erfolgsaussichten, Prozesskostenhilfe unter Beiordnung eines beim \n\nBundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalts bewilligt. Den Verstoß \n\ngegen die Gewährung rechtlichen Gehörs (Art. 103 Abs. 1 GG) sieht die \n\nKlägerin darin, dass der Senat ihren Prozesskostenhilfe-Antrag im vor-\n\nliegenden Verfahren mit Beschluss vom 22. März 2006 mangels Er-\n\nfolgsaussicht zurückgewiesen hat, ohne ihre Beschwerdeerwiderung in \n\ndem Parallel-Rechtsstreit abzuwarten. \n\n2 \n\nII. 1. Die statthafte und auch fristgerecht erhobene Anhörungsrüge \n\nhat in der Sache keinen Erfolg. Ob ihre Begründung den Zulässigkeitsan-\n\nforderungen des § 321a Abs. 2 Satz 5 Halbs. 2, Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO \n\ngenügt und die Klägerin einen Fall entscheidungserheblicher Verletzung \n\ndes Anspruchs auf rechtliches Gehör hinreichend dargelegt hat, kann \n\ndeshalb offen bleiben. \n\n3 \n\n2. Art. 103 Abs. 1 GG gebietet die Berücksichtigung von Parteivor-\n\ntrag nur im Rahmen der jeweiligen verfahrensrechtlichen Ausgestaltung \n\n(BVerfGE 107, 395, 409; BVerfG NJW 2005, 1768). Danach war der Se-\n\nnat nicht verpflichtet, zur Wahrung des rechtlichen Gehörs der Klägerin \n\nmit der Entscheidung über ihr Prozesskostenhilfegesuch bis zum Ein-\n\ngang ihrer Beschwerdeerwiderung in dem Parallel-Rechtsstreit zuzuwar-\n\nten. \n\n4 \n\na) Zum einen ist nicht ersichtlich und wird auch von der Klägerin in \n\nder Begründung ihrer Anhörungsrüge nicht behauptet, dass das im Pa-\n\nrallelverfahren beabsichtigte Vorbringen auf Grund gesetzlicher Vor-\n\nschriften, etwa wegen Vorgreiflichkeit im Sinne des § 148 ZPO, beacht-\n\nlich sein könnte und der Senat diesen Vortrag deshalb auch im vorlie-\n\ngenden Fall zu berücksichtigen hätte. \n\n5 \n\nb) Eine solche Pflicht ergibt sich auch nicht unter Berücksichtigung \n\nder Vorschriften des Verfahrens der Nichtzulassungsbeschwerde oder \n\nder Prozesskostenhilfe. Dem Beschwerdeführer wird die gemäß § 544 \n\nAbs. 2 Satz 3 ZPO erforderliche substantiierte Darlegung der Zulas-\n\nsungsgründe nur im Hinblick auf die angefochtene Entscheidung abver-\n\nlangt (BGHZ 152, 182, 187 ff. und ständig). Daher kann sich die Prüfung \n\nder Erfolgsaussichten im Prozesskostenhilfe-Verfahren nur auf das Be-\n\nschwerdevorbringen im zu entscheidenden Fall beziehen, nicht aber auf \n\ngehaltenen oder gar erst beabsichtigten Vortrag in einem Parallel-\n\nRechtsstreit, denn die Erfolgsaussicht der Beschwerde hängt entschei-\n\ndend davon ab, ob im vorliegenden Verfahren Zulassungsgründe gege-\n\nben sind. Gemäß § 119 Abs. 1 Satz 1 ZPO hat die Entscheidung über die \n\nBewilligung von Prozesskostenhilfe zudem für jeden Rechtszug geson-\n\ndert zu erfolgen. Schon deshalb kann der Rechtsuchende auch unter Be- \n\nrücksichtigung des Gewährleistungsgehalts von Art. 103 Abs. 1 GG nicht \n\nerwarten, dass sein Vorbringen in einem anderen Rechtsstreit in die Prü-\n\nfung der Erfolgsaussichten einbezogen wird. \n\nTerno Dr. Schlichting Seiffert \n\n Dr. Kessal-Wulf Dr. Franke \n\nVorinstanzen: \n\nLG Köln, Entscheidung vom 05.08.2004 - 24 O 104/01 - \n\nOLG Köln, Entscheidung vom 28.10.2005 - 9 U 156/04 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-04-26/iv-za-17-05","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 119","ref_norm":"119","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 148","ref_norm":"148","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-04-26/iv-za-17-05","retrieved":"2026-07-10 20:32:38.316432+00:00"},"card":{"id":"bgh/2006-04-26/iv-za-17-05","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IV. 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