{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2006-04-05","aktenzeichen":"IX ZB 169/04","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 169/04 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n5. April 2006 \n\nin dem Insolvenzverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Fischer, die Richter Raebel, Vill, Cierniak und die Richterin Lohmann \n\nam 5. April 2006 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 19. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Köln vom 7. Juli 2004 wird auf Kosten des \n\nSchuldners als unzulässig verworfen. \n\nGründe:\n\nI. \n\n1 \n\nÜber das Vermögen des Schuldners, eines Internisten mit eigener \n\nPraxis, ist am 1. Juli 2002 das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Der weitere \n\nBeteiligte zu 2 ist zum Verwalter bestellt worden. Die Gläubigerversammlung \n\nhat die Schließung der Praxis angeordnet. Den Antrag des Schuldners, ihm die \n\nKosten für den von ihm gleichwohl fortgesetzten Betrieb seiner Praxis in Höhe \n\nvon monatlich 9.143,67 Euro zu erstatten, hat der Rechtspfleger mit Beschluss \n\nvom 6. Februar 2004 zurückgewiesen. Dagegen hat der Schuldner sofortige \n\nBeschwerde eingelegt. Der Rechtspfleger hat dieses Rechtsmittel als \n\nErinnerung behandelt und die Sache dem zuständigen Abteilungsrichter \n\nvorgelegt; dieser hat die \"Erinnerung\" mit Beschluss vom 23. März 2004 \n\nzurückgewiesen. Die \"weitere sofortige Beschwerde\" des Schuldners hat das \n\nLandgericht als unzulässig verworfen. Mit seiner Rechtsbeschwerde begehrt \n\nder Schuldner die Zurückverweisung der Sache an das Landgericht. \n\nII. \n\n2 \n\n3 \n\nDie Rechtsbeschwerde ist nicht statthaft. \n\n1. Die Rechtsbeschwerde gegen einen Beschluss findet statt, wenn dies \n\nim Gesetz ausdrücklich bestimmt ist oder das Beschwerdegericht sie in dem \n\nBeschluss zugelassen hat (§ 574 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Diese Voraussetzungen \n\nsind \n\nim vorliegenden Fall nicht erfüllt. Das Landgericht hat die \n\nRechtsbeschwerde nicht zugelassen. Sie ist auch nicht kraft Gesetzes statthaft. \n\nInsbesondere findet § 7 InsO keine Anwendung. Nach mittlerweile gefestigter \n\nRechtsprechung des Bundesgerichtshofs richtet sich der Rechtsmittelzug nach \n\nallgemeinen vollstreckungsrechtlichen Vorschriften, wenn das Insolvenzgericht \n\nkraft besonderer Zuweisung funktional als Vollstreckungsgericht entscheidet \n\n(BGH, Beschl. v. 5. Februar 2004 - IX ZB 97/03, WM 2004, 834, 835; v. 6. Mai \n\n2004 - IX ZB 104/04, ZIP 2004, 1379; Beschl. v. 12. Januar 2006 - IX ZB \n\n239/04, ZIP 2006, 340 f). Das war hier der Fall. Einkünfte, die ein selbstständig \n\ntätiger Schuldner nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens erzielt, gehören \n\nin vollem Umfange, ohne einen Abzug für beruflich bedingte Ausgaben, zur \n\nInsolvenzmasse. Der Schuldner kann jedoch gemäß § 850i ZPO beantragen, \n\ndass ihm von seinen durch Vergütungsansprüche gegen Dritte erzielten \n\nEinkünften ein pfandfreier Anteil belassen wird (vgl. BGH, Beschl. v. 20. März \n\n2003 - IX ZB 388/02, WM 2003, 980, 983 f). Die Entscheidung über einen \n\nderartigen Antrag ist dem Insolvenzgericht durch die Vorschrift des § 36 Abs. 1 \n\nSatz 2, Abs. 4 InsO gesondert zugewiesen worden. \n\n4 \n\n2. Entgegen der Ansicht des Schuldners ist die Rechtsbeschwerde im \n\nvorliegenden Fall auch nicht deshalb ausnahmsweise zulässig, weil die \n\nVorinstanzen die sofortige Beschwerde unzutreffend als Erinnerung behandelt \n\nhaben. Gegen den Beschluss des Rechtspflegers vom 6. Februar 2004 war \n\nzwar gemäß § 11 Abs. 1 RPflG, § 793 ZPO die sofortige Beschwerde eröffnet. \n\nDer Rechtspfleger hätte die Sache nicht gemäß § 11 Abs. 2 RPflG dem \n\nAbteilungsrichter, sondern gemäß § 11 Abs. 1 RPflG, §§ 793, 572 Abs. 1 ZPO \n\ndem Landgericht vorlegen müssen. Gleichwohl sind von der Verfassung \n\ngeschützte Verfahrensgrundrechte des Schuldners - sein Recht auf Zugang zu \n\nden Gerichten, auf eine grundsätzlich umfassende tatsächliche und rechtliche \n\nPrüfung des Streitgegenstands sowie auf eine verbindliche Entscheidung durch \n\nden Richter (vgl. BVerfGE 107, 395, 401 f; 112, 185, 207) - nicht verletzt \n\nworden; denn sein Rechtsbehelf ist geprüft und durch den Abteilungsrichter des \n\nAmtsgerichts sachlich beschieden worden. Nicht \n\nin \n\njeder \n\nfehlerhaften \n\nAnwendung und Auslegung des Verfahrensrechts liegt bereits ein Verstoß \n\ngegen Art. 103 Abs. 1 GG (z.B. BVerfGE 75, 302, 312 f). Dass gegen die \n\nEntscheidung des Rechtspflegers über den Umfang des Insolvenzbeschlags \n\ngemäß § 36 InsO kein Rechtsmittel gegeben sei, also nur eine abschließende \n\nEntscheidung des Richters nach § 11 Abs. 2 RPflG stattzufinden habe, \n\nentsprach zudem bis zur zitierten Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom \n\n5. Februar 2004 (aaO) der nahezu einhelligen Ansicht in Rechtsprechung und \n\nLiteratur (vgl. OLG Frankfurt a.M. NZI 2000, 531, 533; OLG Köln ZInsO 2000, \n\n499, 501; OLG Köln ZInsO 2000, 603 f; BayObLG ZInsO 2001, 799; OLG \n\nHamburg ZInsO 2001, 807; OLG Stuttgart NZI 2002, 52, 53; HK-InsO/Kirchhof, \n\n4. Aufl. § 6 Rn. 10; MünchKomm-InsO/Ganter, § 6 Rn. 64). Ob die Entschei-\n\ndung des Landgerichts, die Rechtsbeschwerde nicht \n\nzuzulassen, \n\nrechtsfehlerfrei ist, bedarf hier keiner Erörterung. Diese Frage hat das \n\nRechtsbeschwerdegericht nicht zu prüfen (vgl. BGH, Beschl. v. 19. Mai 2004 \n\n- IXa ZB 182/03, NJW 2004, 2529). \n\n5 \n\n3. Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 577 Abs. 6 Satz 3 ZPO \n\nabgesehen. \n\nFischer \n\nRaebel \n\nVill \n\nCierniak \n\nLohmann \n\nVorinstanzen: \n\nAG Köln, Entscheidung vom 23.03.2004 - 71 IN 25/02 - \n\nLG Köln, Entscheidung vom 07.07.2004 - 19 T 95/04 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-04-05/ix-zb-169-04","cited_norms":[{"jurabk":"RPflG 1969","ref":"§ 11","ref_norm":"11","n":4},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 793","ref_norm":"793","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 572","ref_norm":"572","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 850i","ref_norm":"850i","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 36","ref_norm":"36","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-04-05/ix-zb-169-04","retrieved":"2026-07-10 20:30:18.138635+00:00"},"card":{"id":"bgh/2006-04-05/ix-zb-169-04","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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