{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VI. Zivilsenat","decided":"2006-04-04","aktenzeichen":"VI ZB 45/04","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nVI ZB 45/04 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n4. April 2006 \n\nin dem Rechtsbeschwerdeverfahren \n\nDer VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 4. April 2006 durch die Rich-\n\nter Dr. Greiner und Wellner, die Richterin Diederichsen und die Richter Stöhr \n\nund Zoll \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde des Klägers gegen den Beschluss der \n\n12. Zivilkammer des Landgerichts Leipzig vom 7. Mai 2004 wird \n\nals unzulässig verworfen. \n\nDer Kläger trägt die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens. \n\nGegenstandswert: 5.000 € \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDas Urteil des Landgerichts Leipzig vom 9. Januar 2004 wurde dem Klä-\n\nger am 14. Januar 2004 zugestellt. Die Berufungsbegründung ging per Telefax \n\nam 16. März 2004 nach Ablauf der zweimonatigen Frist nach § 520 Abs. 2 \n\nSatz 1 ZPO beim Landgericht ein. Das Landgericht hat mit Beschluss vom \n\n7. Mai 2004 den Wiedereinsetzungsantrag des Klägers vom 7. April 2004 hin-\n\nsichtlich der versäumten Berufungsbegründungsfrist zurückgewiesen und die \n\nBerufung des Klägers gegen das Urteil des Amtsgerichts vom 9. Januar 2004 \n\n(als unzulässig) verworfen. Hiergegen richtet sich die vorliegende Rechtsbe-\n\n \n \n \n\n2 \n\n3 \n\nschwerde des Klägers, mit der er seinen Wiedereinsetzungsantrag weiterver-\n\nfolgt. \n\nII. \n\nDie Rechtsbeschwerde ist zwar statthaft (vgl. §§ 574 Abs. 1 Nr. 1, 522 \n\nAbs. 1 Satz 4, 238 Abs. 2 Satz 1 ZPO), jedoch unzulässig, da der Beschwerde-\n\nführer die Zulässigkeitsvoraussetzungen des § 574 Abs. 2 ZPO nicht hinrei-\n\nchend dargelegt hat (§ 575 Abs. 3 Nr. 2 ZPO). \n\nDas Berufungsgericht hat letztlich den Wiedereinsetzungsantrag des \n\nKlägers deshalb zurückgewiesen, weil es dessen Vorbringen, er habe darauf \n\nvertraut, dass seine Tante als Empfangsvertreterin in seiner urlaubsbedingten \n\nAbwesenheit den Briefkasten \"tagtäglich\" geleert habe, nicht als hinreichend \n\nglaubhaft gemacht angesehen hat. Zwar hatte der Kläger eine entsprechende \n\nErklärung seiner Tante ihm gegenüber an Eides statt versichert. Dem steht je-\n\ndoch die eidesstattliche Versicherung seiner Tante entgegen, sie könne nicht \n\nsagen, ob sie den Briefkasten im maßgeblichen Zeitraum vom 14. und \n\n15. Januar 2004 geleert habe, da sie sich während dieser Zeit in zahnärztlicher \n\nBehandlung befunden und unter starken Schmerzen gelitten habe, weshalb sie \n\nwährend dieser Zeit schmerzlindernde Medikamente habe nehmen müssen. \n\nUnter diesen Umständen handelt es sich bei der Beurteilung des Landgerichts, \n\nder Kläger habe nicht sicher sein können, dass das Urteil erst am 16. Januar \n\n2004 im Briefkasten gelegen habe, zumal der Briefumschlag nicht mehr vor-\n\nhanden gewesen sei, um eine tatrichterliche Würdigung, aus der sich kein Zu-\n\nlassungsgrund im Sinne des § 574 Abs. 2 ZPO herleiten lässt. Ein solcher lässt \n\nsich auch nicht aus der Auffassung des Landgerichts gewinnen, der Kläger ha-\n\nbe sich wegen des für ihn unsicheren Zustellungszeitpunkts beim Amtsgericht \n\nüber diesen vergewissern müssen, da das Zustellungsdatum für die von ihm \n\nbeabsichtigte Berufungseinlegung wesentliche Bedeutung gehabt habe. Diese \n\nRechtsauffassung steht in Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesge-\n\nrichtshofs, wonach auch die juristisch nicht geschulte Partei für den ordnungs-\n\ngemäßen Fortgang des Verfahrens Sorge zu tragen hat und sich von sich aus \n\nrechtzeitig über Form und Frist des Rechtsmittels gegen eine für sie nachteilige \n\nEntscheidung zu erkundigen hat (vgl. BGH NJW 1997, 1989; Müller, NJW 2000, \n\n322, 326; Born, NJW 2005, 2042, 2045 m.w.N.). \n\n4 \n\nNach alledem ist ein Zulassungsgrund im Sinne des § 574 Abs. 2 ZPO \n\nnicht hinreichend dargelegt, so dass die Rechtsbeschwerde bereits als unzu-\n\nlässig zu verwerfen ist (§ 577 Abs. 1 Satz 2 ZPO). \n\nGreiner Wellner Diederichsen \n\n Stöhr Zoll \n\nVorinstanzen: \n\nAG Leipzig, Entscheidung vom 09.01.2004 - 115 C 11122/03 - \n\nLG Leipzig, Entscheidung vom 07.05.2004 - 12 S 982/04 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-04-04/vi-zb-45-04","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":4},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 238","ref_norm":"238","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 520","ref_norm":"520","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 522","ref_norm":"522","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 575","ref_norm":"575","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-04-04/vi-zb-45-04","retrieved":"2026-07-10 20:31:03.035602+00:00"},"card":{"id":"bgh/2006-04-04/vi-zb-45-04","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"VI. 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