{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2006-03-30","aktenzeichen":"IX ZB 255/05","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 255/05 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n30. März 2006 \n\nin dem Insolvenzverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch die Richter Dr. Ganter, \n\nKayser und Vill, die Richterin Lohmann und den Richter Dr. Detlev Fischer \n\nam 30. März 2006 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 26. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Hamburg vom 19. September 2005 wird auf \n\nKosten der Schuldnerin als unzulässig verworfen. \n\nDer Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf \n\n4.000 € festgesetzt. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\n2 \n\nDie Schuldnerin beantragte am 30. Juni 2000 die Eröffnung des Insol-\n\nvenzverfahrens über ihr Vermögen und die Restschuldbefreiung. Das Verfahren \n\nwurde am 11. Oktober 2000 eröffnet. \n\nMit Beschluss vom 22. April 2005 hat das Amtsgericht - Insolvenzge-\n\nricht - der Schuldnerin die Restschuldbefreiung angekündigt (§ 291 InsO). \n\nEntgegen einem Antrag der Schuldnerin, die Laufzeit der Abtretungserklärung \n\nnach § 287 Abs. 2 Satz 1 InsO um zwei Jahre zu verkürzen, hat das \n\nAmtsgericht der Schuldnerin mitgeteilt, die Laufzeit beginne mit der Aufhebung \n\nbung oder Einstellung des Verfahrens und betrage sieben Jahre. Die sofortige \n\nBeschwerde der Schuldnerin hat das Landgericht zurückgewiesen. Dagegen \n\nwendet sich die Schuldnerin mit ihrer Rechtsbeschwerde. \n\nII. \n\n3 \n\nDie Rechtsbeschwerde ist statthaft (§ 574 Abs. 1 Nr. 1 ZPO i.V.m. §§ 7, \n\n289 Abs. 2 Satz 1 InsO), jedoch unzulässig; weder hat die Rechtssache grund-\n\nsätzliche Bedeutung noch erfordert die Einheitlichkeit der Rechtsprechung oder \n\ndie Fortbildung des Rechts eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts \n\n(§ 574 Abs. 2 ZPO i.V.m. § 4 InsO). \n\n4 \n\n1. Nach der eindeutigen gesetzlichen Regelung des Art. 103a EGInsO \n\nsind auf Insolvenzverfahren, die vor dem 1. Dezember 2001 eröffnet worden \n\nsind, die bis dahin geltenden gesetzlichen Vorschriften anzuwenden. Nach \n\n§ 287 Abs. 2 Satz 1 InsO in der bis zum 30. November 2001 geltenden Fas-\n\nsung beträgt die Laufzeit der Abtretungserklärung - die sogenannte Wohlverhal-\n\ntensphase - sieben Jahre, gerechnet ab Aufhebung des Insolvenzverfahrens. \n\n5 \n\n2. Die Rechtsbeschwerde meint, die Schuldner, deren Restschuldbefrei-\n\nungsantrag noch nach altem Recht zu beurteilen sei, würden gegenüber denje-\n\nnigen, die bereits unter das neue Recht fielen, in einer gänzlich unangemesse-\n\nnen, gegen Art. 3 Abs. 1 GG verstoßenden Weise benachteiligt. Nach dem \n\nneuen Recht betrage die Dauer der Abtretung - ausgehend von einer Verfah-\n\nrensdauer von einem Jahr - nur noch drei Jahre. Demgegenüber werde der \n\nSchuldnerin im vorliegenden Verfahren zugemutet, zwölf Jahre auf die Rest-\n\nschuldbefreiung zu warten. \n\n6 \n\n3. Die Verfassungsmäßigkeit des Art. 103a EGInsO ist nicht zu bezwei-\n\nfeln. Auch der Senat geht in ständiger Rechtsprechung von der Wirksamkeit \n\ndieser Vorschrift aus (vgl. BGH, Beschl. v. 21. Mai 2004 - IX ZB 274/03, \n\nNZI 2004, 452, 453; v. 23. Juli 2004 - IX ZA 9/04, NZI 2004, 635; v. 17. Februar \n\n2005 - IX ZB 237/04, n.v.). Als die Schuldnerin die Eröffnung des Insolvenzver-\n\nfahrens über ihr Vermögen und die Restschuldbefreiung beantragt hat, musste \n\nsie sich darauf einrichten, dass die Wohlverhaltensphase erst mit der Verfah-\n\nrensbeendigung beginnen und sieben Jahre betragen würde. Genau so ist es \n\ngekommen. Irgendwelche Erwartungen der Schuldnerin sind somit nicht ent-\n\ntäuscht worden. Es ist Gesetzesänderungen mit stichtagsbezogenen Über-\n\ngangsregelungen immanent, dass vergleichbare Fälle auf Grund eines von dem \n\nBetroffenen oft nicht beeinflussbaren zeitlichen Moments unterschiedlich be-\n\nhandelt werden müssen. Dies stellt keine willkürliche Ungleichbehandlung dar. \n\nGanter Kayser Vill \n\n Lohmann Fischer \n\nVorinstanzen: \n\nAG Hamburg, Entscheidung vom 22.04.2005 - 68b IK 77/00 - \n\nLG Hamburg, Entscheidung vom 19.09.2005 - 326 T 68/05 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-03-30/ix-zb-255-05","cited_norms":[{"jurabk":"EGInsO","ref":"Art 103a","ref_norm":"103a","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 287","ref_norm":"287","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 289","ref_norm":"289","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 291","ref_norm":"291","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 4","ref_norm":"4","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-03-30/ix-zb-255-05","retrieved":"2026-07-10 20:23:44.582465+00:00"},"card":{"id":"bgh/2006-03-30/ix-zb-255-05","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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