{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2006-03-09","aktenzeichen":"IX ZB 209/04","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 209/04 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n9. März 2006 \n\nin dem Verbraucherinsolvenzverfahren \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Fischer, die Richter Raebel, Vill, Cierniak und die Richterin Lohmann \n\nam 9. März 2006 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 7. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Stade vom 26. Juli 2004 wird auf Kosten des \n\nGläubigers als unzulässig verworfen. \n\nDer Wert des Beschwerdegegenstandes wird auf 4.000 € festgesetzt. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDie Anträge des Schuldners vom 17. April 2000 auf Eröffnung des Insol-\n\nvenzverfahrens über sein Vermögen sowie auf Erteilung der Restschuldbefrei-\n\nung sind am gleichen Tag beim Insolvenzgericht eingegangen. Dieses hat am \n\n5. März 2001 das \n\nInsolvenzverfahren eröffnet. \n\nIm Schlusstermin vom \n\n30. September 2003 hat der Gläubiger den Antrag gestellt, dem Schuldner die \n\nRestschuldbefreiung gemäß § 290 Abs. 1 Nr. 4 InsO \"wegen gerichtlich festge-\n\nstellter Gläubigerbenachteiligung\" zu versagen; insoweit hat er auf ein Urteil des \n\nAmtsgerichts Cuxhaven vom 28. September 2001 Bezug genommen. \n\n2 \n\nDas Amtsgericht hat dem Schuldner die Restschuldbefreiung angekün-\n\ndigt. Die hiergegen gerichtete sofortige Beschwerde des Gläubigers hat keinen \n\nErfolg gehabt. Mit seiner Rechtsbeschwerde verfolgt der Gläubiger seinen Ver-\n\nsagungsantrag weiter. \n\nII. \n\n3 \n\nDie Rechtsbeschwerde ist gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO, §§ 7, \n\n6, 289 Abs. 2 Satz 1 InsO statthaft. Sie ist jedoch unzulässig, weil die Rechts-\n\nsache nach den Darlegungen in der Rechtsbeschwerdebegründung keine \n\ngrundsätzliche Bedeutung hat und weder die Fortbildung des Rechts noch die \n\nSicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechts-\n\nbeschwerdegerichts erfordern (§ 574 Abs. 2 ZPO). \n\n4 \n\nBei der kraft Gesetzes statthaften Rechtsbeschwerde prüft der Bundes-\n\ngerichtshof nach § 574 Abs. 2 ZPO ebenso wie bei der Nichtzulassungsbe-\n\nschwerde nur die Zulassungsgründe, welche die Rechtsmittelbegründung nach \n\n§ 575 Abs. 3 Nr. 2 ZPO schlüssig und substantiiert dargelegt hat (BGH, Beschl. \n\nv. 29. September 2005 - IX ZB 430/02, ZinsO 2005, 1162). \n\n5 \n\n6 \n\n1. Die Rechtsbeschwerde hält den Zulässigkeitsgrund der grundsätzli-\n\nchen Bedeutung gemäß § 574 Abs. 2 Nr. 1 ZPO für gegeben hinsichtlich der \n\nFrage, welche Bedeutung § 139 ZPO im Insolvenzverfahren hat. \n\nGrundsätzliche Bedeutung hat eine Rechtssache, wenn sie eine ent-\n\nscheidungserhebliche, klärungsbedürftige und klärungsfähige Rechtsfrage auf-\n\nwirft, die sich in einer unbestimmten Vielzahl von Fällen stellen kann. Um dies \n\nordnungsgemäß darzutun, ist es insbesondere erforderlich, die durch die ange-\n\nfochtene Entscheidung aufgeworfene Rechtsfrage konkret zu benennen sowie \n\nihre Klärungsbedürftigkeit und Entscheidungserheblichkeit darzulegen. Dabei \n\nsind auch Ausführungen dazu erforderlich, aus welchen Gründen, in welchem \n\nUmfang und von welcher Seite die Frage umstritten ist (BGHZ 154, 288, 291 f; \n\n159, 135, 137 f). Daran fehlt es hier. \n\n7 \n\nZu der von ihr aufgeworfenen Rechtsfrage teilt die Rechtsbeschwerde \n\nschon nicht mit, ob und in welcher Weise diese umstritten ist. Zudem entspricht \n\nes - soweit ersichtlich - allgemeiner Auffassung in Rechtsprechung und Litera-\n\ntur, dass sich die Verweisung in § 4 InsO auch auf § 139 ZPO erstreckt (BGHZ \n\n156, 139, 143; Jäger/Gerhardt, InsO § 4 Rn. 7; MünchKomm-InsO/Ganter, § 4 \n\nRn. 47). Die konkrete Anwendung des § 139 ZPO durch Ausübung des gericht-\n\nlichen Hinweis- und Fragerechts hängt von den Umständen des Einzelfalls ab \n\nund entzieht sich rechtsgrundsätzlicher Beurteilung. Das gilt insbesondere in \n\ndem hier gegebenen Fall, in dem der antragstellende Gläubiger auf ein Urteil \n\nBezug nimmt, das in einem Rechtsstreit ergangen ist, an dem der Schuldner \n\nnicht beteiligt war, und in dem dessen Benachteiligungsvorsatz vorrangig auf \n\ndie aus § 3 Abs. 2 Satz 2 AnfG folgende Vermutung gestützt angenommen \n\nwird. \n\n2. Weitere Zulässigkeitsgründe macht der Gläubiger nicht geltend. \n\nII. \n\nVon einer weiteren Begründung wird gemäß § 577 Abs. 6 Satz 2 ZPO \n\nabgesehen, weil sie nicht geeignet wäre, zur Klärung von Rechtsfragen grund-\n\n8 \n\n9 \n\nsätzlicher Bedeutung, zur Fortbildung des Rechts oder zur Sicherung einer ein-\n\nheitlichen Rechtsprechung beizutragen. \n\nFischer \n\nRaebel \n\nVill \n\nCierniak \n\nLohmann \n\nVorinstanzen: \n\nAG Cuxhaven, Entscheidung vom 06.05.2004 - 12 IK 15/00 - \n\nLG Stade, Entscheidung vom 26.07.2004 - 7 T 151/04 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-03-09/ix-zb-209-04","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":4},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 139","ref_norm":"139","n":3},{"jurabk":"AnfG 1999","ref":"§ 3","ref_norm":"3","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 6","ref_norm":"6","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 289","ref_norm":"289","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 290","ref_norm":"290","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 575","ref_norm":"575","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 4","ref_norm":"4","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-03-09/ix-zb-209-04","retrieved":"2026-07-10 20:23:13.129989+00:00"},"card":{"id":"bgh/2006-03-09/ix-zb-209-04","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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