{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"Senat fuer Anwaltssachen","decided":"2006-02-01","aktenzeichen":"AnwZ (B) 71/05","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nAnwZ (B) 71/05 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n1. Februar 2006 \n\nin dem Verfahren \n\nDer Bundesgerichtshof, Senat für Anwaltssachen, hat durch den Präsidenten \n\ndes Bundesgerichtshofs Prof. Dr. Hirsch, die Richter Basdorf, Dr. Ernemann \n\nund Dr. Schmidt-Räntsch sowie die Rechtsanwälte Dr. Schott, Dr. Wüllrich und \n\nDr. Frey \n\nam 1. Februar 2006 beschlossen: \n\nDie sofortige Beschwerde des Antragstellers gegen den Beschluss \n\ndes II. Senats des Anwaltsgerichtshofs Baden-Württemberg vom \n\n2. Juli 2005 wird zurückgewiesen. \n\nDer Antragsteller hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen und \n\nder Antragsgegnerin die ihr im Beschwerdeverfahren entstande-\n\nnen notwendigen außergerichtlichen Auslagen zu erstatten. \n\nDer Gegenstandswert des Beschwerdeverfahrens wird auf \n\n10.000 € festgesetzt. \n\nGründe:\n\nI. \n\n1 \n\nDer Antragsteller wurde 1953 zur Rechtsanwaltschaft zugelassen. Die \n\nAntragsgegnerin widerrief die Zulassung mit Verfügung vom 4. Januar 2005 \n\nnach § 14 Abs. 2 Nr. 9 BRAO wegen Nichtunterhaltung einer Berufshaftpflicht-\n\nversicherung. \n\n2 \n\nDer Anwaltsgerichtshof hat den hiergegen gerichteten Antrag auf gericht-\n\nliche Entscheidung zurückgewiesen. Dagegen wendet sich der Antragsteller mit \n\nder sofortigen Beschwerde. \n\nII. \n\n3 \n\n4 \n\nDas Rechtsmittel ist zulässig (§ 42 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 4 BRAO), hat in der \n\nSache aber keinen Erfolg. \n\n1. Die Einwendungen des Beschwerdeführers gegen die Besetzung des \n\nAnwaltsgerichthofs gehen fehl. Die Mitwirkung von Rechtsanwälten als richterli-\n\nche Mitglieder entspricht den in den §§ 101, 103 und 104 BRAO getroffenen \n\nRegelungen. Zweifel an der Unvoreingenommenheit eines anwaltlichen Mit-\n\nglieds können gegebenenfalls in entsprechender Anwendung der §§ 41 ff ZPO \n\nim Wege der Ablehnung geltend gemacht werden. \n\n5 \n\n2. Die Antragsgegnerin war - wie der Anwaltsgerichtshof bereits im Ein-\n\nzelnen zutreffend ausgeführt hat - für den Erlass der Widerrufverfügung zustän-\n\ndig. Der Vorstand der Antragsgegnerin war zudem befugt, die ihm nach § 224 a \n\nAbs. 1, Abs. 4 Satz 1 BRAO übertragenen Aufgaben auf einzelne Abteilungen \n\noder auch einzelne Mitglieder des Vorstands weiter zu übertragen (vgl. §§ 77, \n\n224 a Abs. 4 Satz 2; vgl. hierzu Feuerich/Weyland, BRAO, 6. Aufl. § 224 a \n\nRdn. 8). \n\n6 \n\n7 \n\n3. Die Zulassung des Antragstellers zur Rechtsanwaltschaft ist mit Recht \n\nwiderrufen worden. \n\nNach § 14 Abs. 2 Nr. 9 BRAO ist die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft \n\nzu widerrufen, wenn der Rechtsanwalt entgegen § 51 BRAO eine Berufshaft-\n\npflichtversicherung nicht unterhält. § 51 Abs. 1 Satz 1 BRAO sieht vor, dass der \n\nRechtsanwalt verpflichtet ist, eine Berufshaftpflichtversicherung zur Deckung \n\nder sich aus seiner Berufstätigkeit ergebenden Haftpflichtgefahren für Vermö-\n\ngensschäden abzuschließen und die Versicherung für die Dauer seiner Zulas-\n\nsung zu unterhalten. Diese Regelung dient dem Schutz des rechtsuchenden \n\nPublikums. Dieses soll darauf vertrauen können, dass eventuelle Schadenser-\n\nsatzansprüche gegen den Rechtsanwalt im Rahmen des Versicherungsschut-\n\nzes ohne weiteres durchsetzbar sind (vgl. Senatsbeschluss BGHZ 137, 200, \n\n203 f). Die Pflicht zur dauernden Unterhaltung einer Haftpflichtversicherung be-\n\nsteht daher unabhängig davon, ob und in welchem Umfang der Rechtsanwalt \n\nseinen Beruf tatsächlich ausübt. Vielmehr genügt es, dass er berechtigt ist, den \n\nRechtsanwaltsberuf auszuüben (vgl. BGH aaO; BGHSt 46, 67, 68 zur Versiche-\n\nrungspflicht nach § 67 StBerG; Feurich/Weyland aaO § 51 Rdn. 6; Henssler/ \n\nPrütting-Stobbe, BRAO, 2. Aufl. § 51 Rdn. 34). \n\n8 \n\nDer Beschwerdeführer unterhält bereits seit Jahren keine Berufshaft-\n\npflichtversicherung mehr. Er hat auch nicht nachgewiesen, dass ein Versiche-\n\nrungsschutz für die Zukunft wieder besteht. Darauf, dass sich der Antragsteller \n\n- wie er im Einzelnen vorträgt - an der Ausübung der Tätigkeit als Rechtsanwalt \n\ndurch Umstände gehindert sieht, die er nach seiner Auffassung nicht zu vertre-\n\nten hat, kommt es hier nicht an. Der Widerruf nach § 14 Abs. 2 Nr. 9 BRAO ist \n\nvöllig unabhängig von einem eventuellen Verschulden des Rechtsanwalts. Auch \n\nwenn dieser schuldlos den Versicherungsschutz verliert, ist die Zulassung zu \n\nwiderrufen (vgl. Feuerich/Weyland aaO § 14 Rdn. 78). \n\n9 \n\n4. Der Senat konnte ohne mündliche Verhandlung entscheiden, da die \n\nBeteiligten auf deren Durchführung verzichtet haben. \n\nHirsch \n\nBasdorf \n\nErnemann \n\nSchmidt-Räntsch \n\nSchott \n\nWüllrich \n\nFrey \n\nVorinstanz: \n\nAGH Stuttgart, Entscheidung vom 07.07.2005 - AGH 6/05 (II) -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-02-01/anwz-b-71-05","cited_norms":[{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 14","ref_norm":"14","n":3},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 51","ref_norm":"51","n":2},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 101","ref_norm":"101","n":1},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 104","ref_norm":"104","n":1},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"StBerG","ref":"§ 67","ref_norm":"67","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-02-01/anwz-b-71-05","retrieved":"2026-07-10 20:21:15.877792+00:00"},"card":{"id":"bgh/2006-02-01/anwz-b-71-05","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"Senat fuer Anwaltssachen","date":"2006-02-01","dockets":["AnwZ (B) 71/05"],"decision_type":"Beschluss","ecli":null,"ids":{"ecli":null},"cite_as":"BGH, Beschluss vom 01.02.2006 – AnwZ (B) 71/05","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-02-01/anwz-b-71-05","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die sofortige Beschwerde des Antragstellers gegen den Beschluss\n\ndes II. 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