{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"V. Zivilsenat","decided":"2006-01-26","aktenzeichen":"V ZB 169/05","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nV ZB 169/05 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n26. Januar 2006 \n\nin dem Zwangsversteigerungsverfahren \n\nDer V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat am 26. Januar 2006 durch den \n\nVorsitzenden Richter Prof. Dr. Krüger und die Richter Dr. Klein, Dr. Lemke, \n\nDr. Schmidt-Räntsch und Dr. Roth \n\nbeschlossen: \n\nAuf die Rechtsbeschwerde der Gläubigerin wird der Beschluss \n\ndes Einzelrichters der 7. Zivilkammer des Landgerichts Pots-\n\ndam vom 29. September 2005 aufgehoben. \n\nDie Sache wird zur erneuten Entscheidung an das Beschwer-\n\ndegericht (Einzelrichter) zurückverwiesen. \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nMit notarieller Urkunde vom 13. Dezember 1995 bestellte J. P. als \n\ndamaliger Eigentümer des in dem Eingang dieses Beschlusses bezeichneten \n\nWohnungseigentums der Gläubigerin eine Grundschuld von 525.000 DM nebst \n\n16 % Jahreszinsen und bewilligte zugleich die Eintragung der Grundschuld in \n\ndas Grundbuch. Er unterwarf sich der sofortigen Zwangsvollstreckung aus der \n\nUrkunde in das Wohnungseigentum in der Weise, dass die Zwangsvollstre-\n\nckung auch gegen den jeweiligen Eigentümer zulässig ist. \n\n2 \n\n3 \n\nSpäter wurde die Schuldnerin als Eigentümerin des Wohnungseigentums \n\nin das Grundbuch eingetragen. J. P. erhielt den Nießbrauch daran; das \n\nRecht wurde in das Grundbuch eingetragen. \n\nMit Schriftsatz vom 10. Januar 2005 hat die Gläubigerin unter Vorlage \n\nder vollstreckbaren Ausfertigung der Grundschuldbestellungsurkunde die An-\n\nordnung der Zwangsverwaltung des Wohnungseigentums wegen ihres An-\n\nspruchs aus der Grundschuld in Höhe von 268.428,23 € nebst 16 % Jahreszin-\n\nsen seit dem 1. Januar 2001 beantragt. Das Amtsgericht hat den Antrag zu-\n\nrückgewiesen. Die sofortige Beschwerde der Gläubigerin ist erfolglos geblieben. \n\n4 \n\nMit der von dem Beschwerdegericht (Einzelrichter) wegen der grundsätz-\n\nlichen Bedeutung der Sache und zur Fortbildung des Rechts zugelassenen \n\nRechtsbeschwerde verfolgt die Schuldnerin ihren Antrag auf Anordnung der \n\nZwangsverwaltung weiter; hilfsweise will sie die Anordnung der beschränkten \n\nZwangsverwaltung erreichen. \n\nII. \n\n5 \n\nNach Auffassung des Beschwerdegerichts reicht die vollstreckbare Ur-\n\nkunde vom 13. Dezember 1995 für die Anordnung der Zwangsverwaltung nicht \n\naus; vielmehr bedürfe es eines weiteren Vollstreckungstitels gegen den Nieß-\n\nbraucher. Denn ein solcher Titel sei in der Urkunde nicht enthalten. Zwar habe \n\nsich J. P. der sofortigen Zwangsvollstreckung unterworfen; aber sein \n\nheutiges Nießbrauchsrecht habe damals noch nicht zu seinem Vermögen ge-\n\nhört, auch sei der Nießbrauch als Objekt der dinglichen Zwangsvollstreckungs-\n\nunterwerfung in der Urkunde nicht aufgeführt. \n\nIII. \n\n6 \n\n7 \n\nDer angefochtene Beschluss ist auf die Rechtsbeschwerde der Gläubige-\n\nrin von Amts wegen aufzuheben. Die Sache ist zur erneuten Entscheidung an \n\ndas Beschwerdegericht (Einzelrichter) zurückzuverweisen. \n\n1. Nach gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (siehe nur \n\nBGHZ 154, 200; Senat, Beschl. v. 18. September 2003, V ZB 53/02, WM 2004, \n\n704; BGH, Beschl. v. 13. Juli 2004, VI ZB 63/03, NJW-RR 2004, 1717) ist die \n\nRechtsbeschwerde nach § 574 Abs. 1 Nr. 2 ZPO statthaft; ihre Zulassung ist \n\nnicht deshalb unwirksam, weil der Einzelrichter gegen das Verfassungsgebot \n\ndes gesetzlichen Richters (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) verstoßen hat, indem er \n\neinerseits die Sache nicht nach § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO der mit drei Mitgliedern \n\neinschließlich des Vorsitzenden besetzten Zivilkammer (§ 75 GVG) übertragen \n\nund damit die grundsätzliche Bedeutung verneint hat, andererseits jedoch \n\nGrundsatzbedeutung bejaht und die Rechtsbeschwerde u.a. deshalb zugelas-\n\nsen hat (§ 574 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 Nr. 1 ZPO). \n\n8 \n\n2. Der Widerspruch führt unter dem Gesichtspunkt der objektiv willkürli-\n\nchen Bejahung der Zuständigkeit des Einzelrichters zur Aufhebung der ange-\n\nfochtenen Entscheidung von Amts wegen (BGH aaO), auch soweit die Zulas-\n\nsung der Rechtsbeschwerde zur Fortbildung des Rechts (§ 574 Abs. 3 i.V.m. \n\nAbs. 2 Nr. 2 ZPO) erfolgte (BGH, Beschl. v. 11. September 2003, XII ZB \n\n188/02, WM 2004, 854), und zur Zurückverweisung der Sache an den Einzel-\n\nrichter (BGH, Beschl. v. 10. April 2003, VII ZB 17/02, MDR 2003, 949). Er wird \n\nerneut zu prüfen haben, ob - im Hinblick auf den Beschluss des Bundesge-\n\nrichtshofs vom 14. März 2003 (IXa ZB 45/03, NJW 2003, 2164 f.) - die Sache \n\ngrundsätzliche Bedeutung hat und deshalb der mit drei Richtern besetzten \n\nKammer zu übertragen ist. Die Schuldnerin erhält durch die Zurückverweisung \n\ndie Gelegenheit, ihren in der Rechtsbeschwerdeinstanz gestellten Hilfsantrag \n\nweiter zu verfolgen. \n\nKrüger Klein Lemke \n\n Schmidt-Räntsch Roth \n\nVorinstanzen: \n\nAG Potsdam, Entscheidung vom 11.03.2005 - 2 L 4/05 - \n\nLG Potsdam, Entscheidung vom 29.09.2005 - 7 T 93/05 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-01-26/v-zb-169-05","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 101","ref_norm":"101","n":1},{"jurabk":"GVG","ref":"§ 75","ref_norm":"75","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 568","ref_norm":"568","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-01-26/v-zb-169-05","retrieved":"2026-07-10 20:13:23.198849+00:00"},"card":{"id":"bgh/2006-01-26/v-zb-169-05","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"V. 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