{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VI. Zivilsenat","decided":"2005-12-13","aktenzeichen":"VI ZB 76/04","doktyp":"Beschlüsse","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nVI ZB 76/04 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n13. Dezember 2005 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nDer VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 13. Dezember 2005 durch die \n\nVizepräsidentin Dr. Müller, die Richterin Diederichsen sowie die Richter Pauge, \n\nStöhr und Zoll \n\nbeschlossen: \n\nDer Antragstellerin wird hinsichtlich der Versäumung der Frist zur \n\nEinlegung der Rechtsbeschwerde Wiedereinsetzung in den vori-\n\ngen Stand bewilligt. \n\nAuf die Rechtsbeschwerde der Antragstellerin wird der Beschluss \n\nder 3. Zivilkammer (Einzelrichter) des Landgerichts Würzburg vom \n\n29. Oktober 2004 aufgehoben. \n\nDie Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten \n\ndes Rechtsbeschwerdeverfahrens, an das Beschwerdegericht zu-\n\nrückverwiesen. \n\nBeschwerdewert: 3.000 € \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDie Antragstellerin nimmt wegen der ihr bei einem Reitunfall entstande-\n\nnen Schäden die Antragsgegnerin als Tierhalterin auf Schadensersatz in An-\n\nspruch. Die Antragstellerin hat beantragt, ihr für die beabsichtigte Klage Pro-\n\nzesskostenhilfe zu bewilligen. Das Amtsgericht hat die Bewilligung verweigert, \n\nweil eine Haftung der Antragsgegnerin entsprechend § 834 BGB unter dem Ge-\n\nsichtspunkt des Anscheinsbeweises wegen überwiegenden Verschuldens der \n\nAntragstellerin ausscheide. Die dagegen eingelegte Beschwerde hat das Be-\n\nschwerdegericht durch den Einzelrichter zurückgewiesen mit der Begründung, \n\nwer freiwillig ein Pferd reite und dabei zu Schaden komme, könne keinen Ersatz \n\nnach § 833 BGB verlangen. Der Einzelrichter hat die Rechtsbeschwerde wegen \n\nGrundsätzlichkeit zugelassen. \n\nII. \n\n2 \n\n1. Der Antragstellerin ist antragsgemäß die Wiedereinsetzung in den vo-\n\nrigen Stand wegen der Versäumung der Rechtsbeschwerdefrist zu bewilligen, \n\nnachdem der Senat ihr antragsgemäß Prozesskostenhilfe bewilligt hat und der \n\nWiedereinsetzungsantrag nebst der Rechtsbeschwerde und ihrer Begründung \n\nfristgerecht eingereicht worden sind (§§ 233, 234 ZPO). \n\n3 \n\n4 \n\n2. Die gemäß § 574 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 3 Satz 2 ZPO zulässige Rechts-\n\nbeschwerde führt zur Aufhebung des angefochtenen Beschlusses und zur Zu-\n\nrückverweisung der Sache an das Beschwerdegericht. \n\na) Die angefochtene Einzelrichterentscheidung ist unter Verletzung des \n\nVerfassungsgebots des gesetzlichen Richters (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) er-\n\ngangen. Hat der Einzelrichter in einer Sache, der er rechtsgrundsätzliche Be-\n\ndeutung beimisst, über eine Beschwerde entschieden und die Rechtsbe-\n\nschwerde zugelassen, so ist die Zulassung zwar wirksam. Jedoch unterliegt die \n\nEntscheidung auf die Rechtsbeschwerde wegen fehlerhafter Besetzung des \n\nGerichts zwingend der Aufhebung von Amts wegen. In solchen Fällen darf der \n\nEinzelrichter die Entscheidung über die Zulassung nicht selbst treffen; vielmehr \n\nmuss er das Verfahren gemäß § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO der mit drei Richtern \n\nbesetzten Kammer übertragen. Dies entspricht ständiger Rechtsprechung des \n\nBundesgerichtshofs (vgl. BGHZ 154, 200, 202 f.; Senatsbeschluss vom \n\n23. November 2003 - VI ZB 42/04 - WuM 2005, 137, 138; BGH, Beschlüsse \n\nvom 10. April 2003 - VII ZB 17/02 - MDR 2003, 949; vom 11. September 2003 \n\n- XII ZB 188/02 - NJW 2003, 3712). \n\n5 \n\nb) Für das weitere Verfahren sei ergänzend Folgendes angemerkt: Die \n\nRechtsbeschwerde hätte nicht zugelassen werden dürfen. Die Zulassungsvor-\n\naussetzungen des § 574 Abs. 2 ZPO können bei der Bewilligung von Prozess-\n\nkostenhilfe nur vorliegen, wenn es um Fragen des Verfahrens der Prozesskos-\n\ntenhilfe oder der persönlichen Voraussetzungen ihrer Bewilligung geht. Hängt \n\ndie Bewilligung der Prozesskostenhilfe, wie im vorliegenden Fall, allein von der \n\nFrage ab, ob die beabsichtigte Rechtsverfolgung hinreichende Aussicht auf Er-\n\nfolg bietet, kommt eine Rechtsbeschwerde dagegen nicht in Betracht. Die be-\n\nabsichtigte Rechtsverfolgung kann zwar Fragen aufwerfen, die einer höchstrich-\n\nterlichen Klärung bedürfen oder Veranlassung für eine Vertiefung der höchst-\n\nrichterlichen Rechtsprechung geben. Das Prozesskostenhilfeverfahren hat aber \n\nnicht den Zweck, über zweifelhafte Rechtsfragen vorweg zu entscheiden. \n\n6 \n\nDeshalb ist die Erfolgsaussicht einer beabsichtigten Rechtsverfolgung zu \n\nbejahen und - sofern die persönlichen Voraussetzungen gegeben sind - Pro-\n\nzesskostenhilfe zu gewähren, wenn ein Rechtsmittel zugelassen werden müss-\n\nte, weil die durch die Rechtsverfolgung aufgeworfenen Rechtsfragen einer \n\nhöchstrichterlichen Klärung bedürfen. Ein Beschwerdegericht, das wegen der \n\nErfolgsaussichten der beabsichtigten Rechtsverfolgung die Voraussetzungen \n\ndes § 574 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Abs. 2 ZPO für gegeben hält, muss deshalb \n\nProzesskostenhilfe bewilligen; es darf die Prozesskostenhilfe nicht ablehnen, \n\ngleichzeitig aber die Rechtsbeschwerde wegen eben jener Fragen zulassen \n\n(vgl. BGH, Beschluss vom 21. November 2002 - IV ZB 40/02 - NJW 2003, \n\n1126 f.). \n\n7 \n\nDass das Rechtsbeschwerdegericht gleichwohl an die Zulassung gebun-\n\nden ist (§ 574 Abs. 3 Satz 2 ZPO), wirkt sich hier nicht aus, weil der angefoch-\n\ntene Beschluss schon aus den Gründen oben zu a) aufzuheben ist. \n\nMüller Diederichsen Pauge \n\n Stöhr Zoll \n\nVorinstanzen: \n\nAG Würzburg, Entscheidung vom 13.09.2004 - 16 C 2132/04 - \n\nLG Würzburg, Entscheidung vom 29.10.2004 - 3 T 2282/04 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2005-12-13/vi-zb-76-04","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 833","ref_norm":"833","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 834","ref_norm":"834","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 101","ref_norm":"101","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 233","ref_norm":"233","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 234","ref_norm":"234","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 568","ref_norm":"568","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2005-12-13/vi-zb-76-04","retrieved":"2026-07-10 17:20:31.006131+00:00"},"card":{"id":"bgh/2005-12-13/vi-zb-76-04","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"VI. 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