{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IXa. Zivilsenat","decided":"2004-06-25","aktenzeichen":"IXa ZB 249/03","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIXa ZB 249/03 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n25. Juni 2004 \n\nin dem Zwangsversteigerungsverfahren \n\nDer IXa-Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Richter Raebel als \n\nVorsitzenden, den Richter Athing, die Richterinnen Dr. Kessal-Wulf und \n\nRoggenbuck und den Richter Zoll \n\nam 25. Juni 2004 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde der Schuldnerin gegen den Beschluß der \n\n4. Zivilkammer des Landgerichts Traunstein vom 4. August 2003 \n\nwird auf ihre Kosten als unzulässig verworfen. \n\nBeschwerdewert: bis 2.450.000 €. \n\nGründe: \n\n1. Das Landgericht hat die sofortige Beschwerde der Schuldnerin gegen \n\nden Zuschlagsbeschluß des Vollstreckungsgerichts vom 10. Juni 2003 mit Be-\n\nschluß vom 4. August 2003 zurückgewiesen und die Rechtsbeschwerde zuge-\n\nlassen. Durch Beschluß vom 19. März 2004 hat der Senat das vor Ablauf der \n\nbis zum 10. November 2003 verlängerten Frist zur Begründung der Rechtsbe-\n\nschwerde gestellte Gesuch der Schuldnerin zurückgewiesen, ihr zur Durchfüh-\n\nrung der Rechtsbeschwerde Prozeßkostenhilfe zu gewähren, weil sie ihre Be-\n\ndürftigkeit im Sinne des § 114 ZPO nicht hinreichend dargetan hat. \n\nDer vom Amtsgericht Mühldorf am Inn mit der Eröffnung des Insolvenz-\n\nverfahrens über das Vermögen der Schuldnerin am 8. März 2004 ernannte In-\n\nsolvenzverwalter hat mit Schreiben vom 27. Mai 2004 mitgeteilt, daß er einem \n\nentsprechendem Beschluß der Gläubigerversammlung folgend weder das Pro-\n\nzeßkostenhilfeantragsverfahren noch das Rechtsbeschwerdeverfahren auf-\n\nnehme. Der Verfahrensbevollmächtigte der Beteiligten zu 3) hat mit Schriftsatz \n\nvom 14. Juni 2004 die Aufnahme des Rechtsbeschwerdeverfahrens erklärt und \n\nbeantragt, die Rechtsbeschwerde als unzulässig zu verwerfen. \n\n2. Die Rechtsbeschwerde ist gemäß § 577 Abs. 1 ZPO als unzulässig zu \n\nverwerfen, weil sie nicht innerhalb der gemäß § 575 Abs. 2 Satz 3 i.V.m. § 551 \n\nAbs. 2 Satz 6 ZPO verlängerten Frist begründet worden ist. \n\nDer Erlaß des Beschlusses wird nicht dadurch gehindert, daß am \n\n16. Dezember 2003 für die Schuldnerin ein vorläufiger Insolvenzverwalter mit \n\nZustimmungsvorbehalt bestellt und am 8. März 2004 das Insolvenzverfahren \n\nüber das Vermögen der Schuldnerin eröffnet worden ist. \n\nEs kann dahinstehen, ob die Vorschrift des § 240 ZPO, die nach herr-\n\nschender Meinung in Zwangsvollstreckungsverfahren nicht gilt (vgl. KG NJW-\n\nRR 2000, 1075; MünchKomm-InsO/Schumacher vor §§ 85 bis 87 Rn. 47, jew. \n\nm.w.N.; a.A. OLG Hamburg InVo 1997, 268), in Beschwerdeverfahren nach \n\ndem Zwangsversteigerungsgesetz Anwendung findet (vgl. Stöber ZVG 17. Aufl. \n\nEinleitung Rn. 27.1, § 15 Rn. 23.11 m.w.N.). Die Bestellung des vorläufigen \n\nInsolvenzverwalters am 16. Dezember 2003 hat jedenfalls deshalb nicht zu ei-\n\nner Unterbrechung des Verfahrens gemäß § 240 Satz 2 ZPO entsprechend \n\nSatz 1 dieser Vorschrift geführt, weil kein allgemeines Verwaltungs- und Verfü-\n\ngungsverbot, sondern lediglich nach § 21 Abs. 2 Nr. 2 InsO ein Zustimmungs-\n\nvorbehalt angeordnet worden ist (Gegenschluß zu § 240 Satz 2 ZPO; vgl. KG \n\nZInsO 2001, 265). In Betracht kommt daher nur eine Unterbrechung des \n\nRechtsbeschwerdeverfahrens seit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am \n\n8. März 2004. Sie stünde aber der Verwerfung der Rechtsbeschwerde als un-\n\nzulässig schon deshalb nicht entgegen, weil die Frist zur Begründung bereits \n\nvor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Schuldnerin \n\nabgelaufen war. Ein Rechtsmittel, das bereits vor der Unterbrechung des Ver-\n\nfahrens unzulässig war, kann aber in entsprechender Anwendung des § 249 \n\nAbs. 3 ZPO auch während der Unterbrechung des Verfahrens verworfen wer-\n\nden (BGH, Beschl. v. 16. Januar 1959 - I ZR 33/58, NJW 1959, 532). \n\nDie in der vorgenannten Entscheidung des Bundesgerichtshofs offenge-\n\nlassene Frage, ob während der Unterbrechung des Verfahrens zu der Verwer-\n\nfung des Rechtsmittels auch eine Kostenentscheidung getroffen werden kann, \n\nbedarf hier ebenfalls keiner Entscheidung. Selbst wenn § 240 Satz 1 ZPO in \n\nRechtsbeschwerdeverfahren \n\nin Zwangsversteigerungssachen anzuwenden \n\nwäre, stünde dies hier einer Entscheidung auch über die Kosten des Rechts-\n\nbeschwerdeverfahrens nicht entgegen, weil der Insolvenzverwalter die Auf-\n\nnahme des Rechtsbeschwerdeverfahrens mit Schreiben vom 27. Mai 2004, das \n\nder Schuldnerin zugestellt worden ist, abgelehnt hat. Damit konnte das \n\nRechtsbe- \n\nschwerdeverfahren, selbst wenn es gemäß § 240 Satz 1 ZPO unterbrochen \n\ngewesen wäre, von der Beteiligten zu 3) gemäß § 85 Abs. 2 InsO gegen die \n\nSchuldnerin aufgenommen werden. \n\nRaebel Athing Kessal-Wulf \n\n Roggenbuck Zoll","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-06-25/ixa-zb-249-03","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 240","ref_norm":"240","n":5},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 85","ref_norm":"85","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 249","ref_norm":"249","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 551","ref_norm":"551","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 21","ref_norm":"21","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-06-25/ixa-zb-249-03","retrieved":"2026-07-10 15:42:13.875151+00:00"},"card":{"id":"bgh/2004-06-25/ixa-zb-249-03","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IXa. 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