{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IXa. Zivilsenat","decided":"2004-02-27","aktenzeichen":"IXa ZB 135/03","doktyp":"Beschluß","leitsatz":"ZVG § 74a Abs. 1 Satz 1 Eine Grundschuld ist in den nach § 74a Abs. 1 Satz 1 ZVG aufzustellenden fiktiven Verteilungsplan mit ihrem Nominalbetrag (Kapital nebst Zinsen und anderen Ne- benleistungen) einzustellen.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nIXa ZB 135/03\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n27. Februar 2004\n\nin dem Zwangsversteigerungsverfahren\n\nNachschlagewerk:\n\nBGHZ:\n\nBGHR:\n\nja\n\nja\n\nja\n\nZVG § 74a Abs. 1 Satz 1\n\nEine Grundschuld ist in den nach § 74a Abs. 1 Satz 1 ZVG aufzustellenden fiktiven\n\nVerteilungsplan mit ihrem Nominalbetrag (Kapital nebst Zinsen und anderen Ne-\n\nbenleistungen) einzustellen.\n\nBGH, Beschluß vom 27. Februar 2004 - IXa ZB 135/03 - LG Kiel\n\n AG Plön\n\nDer IXa-Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\n\nDr. Kreft, die Richter Raebel, Athing, Dr. Boetticher und die Richterin\n\nDr. Kessal-Wulf\n\nam 27. Februar 2004\n\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluß der 5. Zivilkammer\n\ndes Landgerichts Kiel vom 4. März 2003 wird auf Kosten der\n\nSchuldnerin zurückgewiesen.\n\nDer Gegenstandswert für das Rechtsbeschwerdeverfahren be-\n\nträgt 994.200 \n\nGründe:\n\nI.\n\nDie Schuldnerin ist als Eigentümerin des im Rubrum genannten Grund-\n\nstücks im Grundbuch eingetragen. Die Beteiligte zu 3 (fortan Gläubigerin) be-\n\ntreibt aus vollstreckbaren Urkunden wegen persönlicher Ansprüche und wegen\n\ndinglicher Ansprüche aus einer Grundschuld (Abt. III Nr. 1) in Höhe von\n\n(cid:1)(cid:3)(cid:2)(cid:5)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:8)(cid:7)(cid:10)(cid:9)(cid:12)(cid:11)(cid:14)(cid:13)(cid:16)(cid:15)(cid:8)(cid:6)(cid:18)(cid:17)(cid:19)(cid:9)(cid:21)(cid:20)(cid:23)(cid:22)(cid:21)(cid:24)(cid:18)(cid:25)\n\n(cid:26)(cid:27)(cid:22)(cid:28)(cid:17)(cid:18)(cid:29)(cid:31)(cid:30)(cid:8)(cid:30)\n\n(cid:29)(cid:28)#!$&%\n\n(cid:7)(cid:10)’(cid:21)((cid:10)(cid:11))(cid:26)+*,(cid:25)-(cid:7)(cid:10)(cid:11)(cid:14)’(cid:21)(cid:7).(cid:6)(cid:8)(cid:7)(cid:10)(cid:9).(cid:22)(cid:21)(cid:7)(cid:10)(cid:9)(cid:12)’(cid:21)(cid:4)/’(cid:21)(cid:7)10\n\n2.121.617 \n\n(cid:0)! (cid:8)\"\n\ne-\n\nbenleistungen) und aus einer weiteren Grundschuld (Abt. III Nr. 4) in Höhe von\n\n(cid:1)(cid:3)(cid:2)2(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:8)(cid:7)(cid:10)(cid:9)(cid:8)(cid:11)(cid:14)(cid:13)(cid:16)(cid:15)(cid:8)(cid:6)(cid:21)(cid:17)\n\n(cid:9)3(cid:20)(cid:23)(cid:22)(cid:21)(cid:24)(cid:18)(cid:25)\n\n(cid:26)4(cid:22)5(cid:17)36\n\n$&7(cid:18)8\n\n(cid:30)(cid:18)9(cid:12)8(cid:28)#:(cid:29)(cid:12)(cid:29)\n\n(cid:7)(cid:10)’(cid:21)((cid:10)(cid:11))(cid:26);*<(cid:25)-(cid:7)(cid:10)(cid:11)(cid:14)’(cid:21)(cid:7)=(cid:6)(cid:8)(cid:7)&(cid:9)>(cid:22)(cid:21)(cid:7)(cid:10)(cid:9)(cid:12)’(cid:21)(cid:4)/’(cid:21)(cid:7)\n\n4.969.755,77 \n\n(cid:0)\n(cid:0)\n(cid:0)\n\nNebenleistungen) die Zwangsversteigerung des Grundstücks, dessen Ver-\n\n’(cid:8)(cid:11))(cid:26)(cid:27)@(cid:8)’(cid:8)(cid:11)(cid:14)’(cid:31)(cid:26)BA(cid:14)(cid:26)C(cid:15)(cid:10)(cid:22)(cid:31)(cid:26)\n\nkehrswert das Amtsgericht Plön auf 5.606.000 \n\n(cid:0)(cid:28)D\n\nErsteherin\n\nmeldete dingliche Ansprüche aus Grundschulden (Abt. III Nr. 2, 3 u. 5) in Höhe\n\n(cid:22)(cid:21)(cid:7)(cid:18)#E(cid:9)(cid:8)’(cid:21)(cid:4)F(cid:2)F(cid:17)(cid:19)G(cid:21)(cid:6)(cid:8)((cid:18)(cid:25)(cid:19)@(cid:8)’3(cid:4)IH\n\nvon insgesamt 1.968.846,12 \n\n(cid:0) einen persönlichen\n\n’(cid:21)(cid:4)/(cid:11))(cid:26)4’5(cid:25)\n\n@(cid:12)’(cid:21)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:8)(cid:7)(cid:10)@(cid:8)(cid:11))(cid:26)(cid:27)’(cid:21)(cid:4)\n\n(cid:25)-(cid:7)N(cid:22)\n\n6O$\n\nAnspruch über 911.850,68 \n\n(cid:0)+J!KML\n\n(cid:0) November 2002\n\nmeldete die Schuldnerin einen dinglichen Anspruch in Höhe von 1.000.000 \n\naus der am selben Tag zu ihren Gunsten auf ihrem Grundstück eingetragenen\n\nGrundschuld (Abt. III Nr. 6) an. Die Ersteherin blieb mit einem Bargebot von\n\n’(cid:28)(cid:25)(cid:19)(cid:11))(cid:26)Q((cid:18)(cid:25)(cid:19)’&(cid:26)(cid:27)’(cid:21)(cid:7)(cid:10)(cid:9)(cid:8)’\n\n’TSU(cid:13)(cid:16)(cid:15)(cid:8)(cid:6)(cid:18)(cid:17)(cid:19)(cid:9)(cid:21)(cid:7)&’(cid:21)(cid:4)V(cid:25)W(cid:7)\n\n(cid:22)(cid:8)(cid:13)(cid:16)(cid:15)X(cid:26)(cid:27)’Y(cid:25)\n\n’(cid:21)(cid:4)(cid:3)(cid:15)(cid:10)(cid:22)3(cid:7)(cid:10)(cid:9)(cid:28)(cid:17)-(cid:6)(cid:8)(cid:7)(cid:10)@(cid:8)(cid:11))(cid:26)(cid:27)’(cid:21)(cid:4)\n\n(cid:25)-(cid:7)\n\n2.930.000 \n\n(cid:0)RD\n\nüber den Zuschlag am 16. Dezember 2002 zur Begründung ihres Antrags, den\n\nZuschlag gemäß § 74a ZVG zu versagen, geltend, die betreibende Gläubigerin\n\nhabe ihre Forderungen insoweit falsch angemeldet, als ihre persönlichen For-\n\nderungen weit unter den dinglichen lägen. Mit Beschluß vom 23. Dezember\n\n2002 hat das Amtsgericht den Grundbesitz der Meistbietenden zugeschlagen.\n\nMit der dagegen gerichteten sofortigen Beschwerde hat die Schuldnerin vorge-\n\ntragen, aus dem Darlehensverhältnis habe sie im Zeitpunkt des Versteige-\n\nrungstermins nur noch einen Restbetrag von 2.187.457 \n\n(cid:22)(cid:21)(cid:6)\n\n((cid:8)(cid:4)V(cid:25)-(cid:7)(cid:10)@(cid:8)’3(cid:7)\n\n(cid:11)(cid:14)(cid:11)(cid:14)’(cid:21)(cid:7)\n\nKFZ\n\nFür die nicht mehr valutierten Grundschulden der Ersteherin hätten bereits Lö-\n\nschungsbewilligungen vorgelegen. Das Landgericht hat die sofortige Be-\n\nschwerde zurückgewiesen und die Rechtsbeschwerde zugelassen \"zur Klärung\n\nder Frage, inwieweit der Rechtspfleger dem behaupteten Zurückbleiben der\n\npersönlichen Forderung des betreibenden Gläubigers hinter der dinglichen\n\nnachgehen muß\".\n\n?\n(cid:25)\n’\nK\nK\nP\n(cid:25)\nK\nK\nL\nK\n?\n(cid:0)\n\nII.\n\nDie gemäß § 574 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 3 ZPO statthafte und auch im übri-\n\ngen gemäß § 575 ZPO zulässige Rechtsbeschwerde der Schuldnerin hat kei-\n\nnen Erfolg.\n\n1. Nach Auffassung des Landgerichts ist die Schuldnerin nicht berech-\n\ntigt, gemäß § 74a Abs. 1 Satz 1 ZVG die Versagung des Zuschlags zu bean-\n\ntragen, weil ihr Anspruch aus der Eigentümergrundschuld auch bei einem Ge-\n\n(cid:7)(cid:18)(cid:25)(cid:19)(cid:13)(cid:16)(cid:15)X(cid:26)\\@(cid:8)’(cid:8)(cid:9)(cid:8)’(cid:8)(cid:13)(cid:16)(cid:20)](cid:26)E^\\G(cid:21)(cid:4)/’\n\nbot in Höhe von 7/10 des Verkehrswertes (3.924.200 \n\nFür die Frage, ob ein Berechtigter bei Erreichen der 7/10 Grenze im Sinne von\n\n§ 74a Abs. 1 Satz 1 ZVG ganz oder teilweise Deckung hätte erlangen können,\n\nsei allein die dingliche Rechtsstellung, also die formale durch das Grundbuch\n\nbelegte Berechtigung der in der Rangklasse 4 vollstreckenden Gläubigerin\n\nmaßgeblich. Dem Amtsgericht als Versteigerungsgericht sei es verwehrt und\n\nohnehin nicht möglich, die materiell-rechtliche Berechtigung der angemeldeten\n\nund sich aus dem Grundbuch ergebenden Rechte und Ansprüche zuverlässig\n\nzu prüfen und seiner Entscheidung zugrunde zu legen.\n\nDemgegenüber macht die Rechtsbeschwerde geltend, maßgeblich sei,\n\nin welcher Höhe die der betreibenden Gläubigerin zur Sicherung schuldrechtli-\n\ncher Ansprüche bestellte Grundschuld noch valutiere. Das müsse jedenfalls\n\ndann gelten, wenn die Höhe der persönlichen Forderung unstreitig sei. Dies sei\n\nder Fall, weil das Vorbringen der Schuldnerin in der Beschwerdeinstanz nicht\n\nbestritten worden sei.\n\n[\n(cid:0)\n\n2. Amtsgericht und Beschwerdegericht haben die Antragsberechtigung\n\nder Schuldnerin zu Recht verneint.\n\na) Nach § 74a Abs. 1 Satz 1 ZVG kann den Antrag auf Versagung des\n\nZuschlags nur ein Berechtigter stellen, dessen Anspruch ganz oder teilweise\n\ndurch das Meistgebot nicht gedeckt ist, aber bei einem Gebot in Höhe von 7/10\n\ndes Grundstückswertes ganz oder teilweise gedeckt sein würde. Bei der da-\n\nnach zur Prüfung der Antragsberechtigung erforderlichen hypothetischen Be-\n\nrechnung der Höhe der aus dem Versteigerungserlös vorrangig zu befriedigen-\n\nden Ansprüche (vgl. Dassler/Schiffhauer/Gerhardt/Muth, ZVG 12. Aufl. § 85a\n\nRn. 23 ff; Böttcher, ZVG 3. Aufl. § 74a Rn. 3: \n\n\"fiktiver Teilungsplan\";\n\nSteiner/Storz, ZVG 9. Aufl. § 74a Rn. 34: \"fiktive Verteilung\") ist aber bei einer\n\nGrundschuld entgegen der Auffassung der Rechtsbeschwerde auf deren No-\n\nminalbetrag (Kapital der Grundschuld, vgl. § 1191 Abs. 1, § 1194 BGB, nebst\n\nZinsen und anderen Nebenleistungen, vgl. § 1191 Abs. 2, § 1194 BGB) abzu-\n\nstellen, nicht auf die Höhe der dem Grundschuldgläubiger noch zustehenden\n\nschuldrechtlichen Forderung. Demgemäß wäre der dingliche Anspruch der\n\nSchuldnerin aus der Eigentümergrundschuld auch bei einem Meistgebot in Hö-\n\n(cid:22)(cid:21)(cid:6)(cid:10)(cid:11)(cid:14)@(cid:8)’\n\n(cid:22)(cid:28)(cid:17)!(cid:17)(cid:19)’(cid:21)(cid:7)\n\nhe von 7/10 des Verkehrswertes des Grundstücks (3.924.200 \n\nDer Anspruch ist entgegen der Auffassung der Rechtsbeschwerde nicht der\n\nvierten, sondern der sechsten Rangklasse des § 10 Abs. 1 ZVG zuzuordnen,\n\nweil er gemäß § 23 Abs. 1 Satz 1 ZVG gegenüber der betreibenden Gläubige-\n\nrin und dem Beteiligten zu 2 (Gläubiger L. , Anspruch der Rangklasse 5)\n\nunwirksam ist (Stöber, ZVG 17. Aufl. § 10 Rn. 10.1). Schon die Nominalbeträge\n\nder nach § 10 Abs. 1 Nr. 4 und, soweit es die älteren Rückstände wegen Zin-\n\nsen und anderer Nebenleistungen betrifft, nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 (vgl. Stöber\n\n[\n?\n(cid:0)\n\naaO § 10 Rn. 9.1 und 9.2) vorrangigen Grundschulden der betreibenden Gläu-\n\nbigerin übersteigen diesen Betrag deutlich.\n\nb) Die Rechtsfrage, ob bei der nach § 74a Abs. 1 Satz 1 ZVG erforderli-\n\nchen Berechnung bei einer Grundschuld auf deren Nominalbetrag oder die\n\nHöhe der dem Grundschuldgläubiger noch zustehenden Forderung (schuld-\n\nrechtliche Lösung) abzustellen ist, stellt sich in gleicher Weise auch bei der\n\nnach § 85a Abs. 3 ZVG erforderlichen Berechnung des Ausfalls eines Meist-\n\nbietenden, der zur Befriedigung aus dem Grundstück berechtigt ist. Sie kann\n\nfür beide Vorschriften nur einheitlich beantwortet werden (vgl. Storz, Praxis des\n\nZwangsversteigerungsverfahrens 8. Aufl. D 4.3.1 [S. 535]). Der Versagungs-\n\ngrund des § 74a ZVG soll ebenso der Gefahr von Grundstücksverschleuderun-\n\ngen begegnen wie der - im Gegensatz zu § 74a ZVG - von Amts wegen zu be-\n\nachtende Versagungsgrund des § 85a ZVG. Allerdings dient die 7/10-Grenze\n\ndes § 74a ZVG dem Schutz nachrangiger Gläubiger (vgl. bereits KG JW 1933,\n\n2295; Stöber, aaO § 74a Rn. 1.1, 1.4; Eickmann, Zwangsversteigerungs- und\n\nZwangsverwaltungsrecht 2. Aufl. § 17 III 1 [S. 207 f]), die 5/10-Grenze des\n\n§ 85a Abs. 1 ZVG dagegen dem Schutz des Schuldners (vgl. BT-Drucks.\n\n8/2152, \n\nS. 15; \n\nSteiner/Storz \n\naaO \n\n§ 85a \n\nRn. 1;\n\nDassler/Schiffhauer/Gerhardt/Muth aaO § 85a Rn. 1). Beide Vorschriften ste-\n\nhen aber trotz der insoweit unterschiedlichen Zielsetzung in einem engen Zu-\n\nsammenhang. So darf der Zuschlag, wenn er nach einer der Vorschriften ver-\n\nsagt worden ist, im neuen Versteigerungstermin weder nach der einen noch der\n\nanderen Vorschrift versagt werden (§ 74a Abs. 4, § 85a Abs. 2 Satz 2 ZVG).\n\nZudem kann der Zuschlag, wenn nach § 85a Abs. 3 ZVG der Versagungsgrund\n\nvon Absatz 1 nicht anwendbar ist, in demselben Versteigerungstermin auf An-\n\ntrag eines Berechtigten nach § 74a Abs. 1 ZVG zu versagen sein. Da es an-\n\ndernfalls zu Wertungswidersprüchen käme, können die §§ 74a, 85a ZVG, so-\n\nweit es die Berücksichtigung einer Grundschuld bei den vorzunehmenden Be-\n\nrechnungen betrifft, nur einheitlich ausgelegt werden.\n\nc) Für die nach § 74a Abs. 1 Satz 1 erforderliche Berechnung kann da-\n\nher nichts anderes gelten als für die Berechnung des Ausfalls des Meistbieten-\n\nden nach § 85a Abs. 3 ZVG, bei der nach nunmehr überwiegend vertretener\n\nAuffassung auf den Nominalbetrag der Grundschuld abzustellen ist (vgl. LG\n\nMünchen, mitgeteilt in Rpfleger 1985, 373 = KTS 1986, 83; LG Lüneburg\n\nRpfleger 1986, 188; LG Frankfurt/M. Rpfleger 1988, 35; LG Hanau Rpfleger\n\n1988, 77; LG Landau Rpfleger 2001, 366, 367; Böttcher aaO § 85a, Rn. 9;\n\nDassler/Schiffhauer/Gerhardt/Muth, ZVG 12. Aufl. § 85a Rn. 25; Storz aaO\n\nS. 535 ff; Stöber aaO § 85a, Rn. 4 m.w.N.; Muth Rpfleger 1985, 45, 47; 1987,\n\n89, 96 f; Hennings Rpfleger 1986, 234; Eickmann, Zwangsversteigerungs- und\n\nZwangsverwaltungsrecht 2. Aufl. § 17 I 2 [S. 201]; ders. KTS 1987, 617, 621;\n\nHintzen Rpfleger 1991, 469). Die schuldrechtliche Lösung, die zu § 85a Abs. 3\n\nZVG vertreten wird (OLG Koblenz Rpfleger 1991, 468; LG Flensburg Rpfleger\n\n1985, 372, bestätigt durch SchlHOLG, mitgeteilt in Rpfleger 1985, 373 = KTS\n\n1986, 83; LG Trier Rpfleger 1985, 451, 452; Scherer Rpfleger 1984, 259; 1985,\n\n181; Ebeling Rpfleger 1985, 279, 280; 1987, 123), ist weder mit Wortlaut und\n\nSystematik der §§ 74a, 85a ZVG noch mit den allgemeinen Grundsätzen des\n\nauch für das Zwangsversteigerungsverfahren geltenden Zwangsvollstreckungs-\n\nrechts zu vereinbaren:\n\naa) Ob der Grenzwert des § 74a Abs. 1 Satz 1 ZVG (7/10 des Verkehrs-\n\nwertes) oder der des § 85a Abs. 1 ZVG (Hälfte des Verkehrswerts) erreicht ist,\n\nhängt nach beiden Vorschriften von der Höhe des abgegebenen Meistgebots\n\n\"einschließlich des Kapitalwertes der nach den Versteigerungsbedingungen\n\nbestehenbleibenden Rechte\" ab. Ist das bestehenbleibende Recht (§ 52 ZVG)\n\neine Grundschuld, bestimmt sich ihr Kapitalwert nach ihrem Nominalbetrag\n\n(vgl. Eickmann aaO § 17 I 1 [S. 196]; Storz aaO S. 535), denn nach § 45 Abs. 1\n\nSatz 1 ZVG ist ein solches Recht bei der Feststellung des Anspruchs nach dem\n\nInhalte des Grundbuchs zu berücksichtigen.\n\nbb) Auch soweit bei der nach § 74a Abs. 1 Satz 1 ZVG fiktiv vorzuneh-\n\nmenden Erlösverteilung eine durch den Zuschlag erlöschende (§ 91 Abs. 1\n\nZVG) Grundschuld und bei der nach § 85a Abs. 3 ZVG erforderlichen Berech-\n\nnung des Ausfalls des Meistbietenden dessen ebenfalls durch den Zuschlag\n\nerlöschende Grundschuld zu berücksichtigen sind, ist nach Wortlaut und Sinn-\n\nzusammenhang der Regelungen der Nominalbetrag der Grundschuld maßgeb-\n\nlich. Ein solcher aus dem Grundbuch ersichtlicher Anspruch ist gemäß § 114\n\nAbs. 1 Satz 1 ZVG nach dem Inhalte des Buches in den Teilungsplan aufzu-\n\nnehmen. Da die Grundschuld in ihrem dinglichen Bestand forderungslos ist\n\n(§ 1192 Abs. 1 BGB), ist es dabei unbeachtlich, ob eine durch die Grundschuld\n\nzu sichernde Forderung entstanden oder ob sie - teilweise - erloschen ist (vgl.\n\nStöber aaO § 114 Rn. 7.2). Auch dann steht eine Grundschuld dem Gläubiger\n\nzu (vgl. BGH, Urt. v. 27. Februar 1981 – V ZR 9/80, NJW 1981, 1505). Dies gilt\n\nauch für den ebenfalls abstrakten Anspruch auf Grundschuldzinsen (vgl. BGH\n\naaO). Ein schuldrechtlicher Rückgewähranspruch des Schuldners gegen den\n\nGrundschuldgläubiger aus dem der Grundschuldbestellung zugrundeliegenden\n\nSicherungsvertrag oder aus § 812 BGB (vgl. dazu Stöber aaO § 114 Rn. 7.7)\n\nkann vom Schuldner nach § 115 Abs. 3 ZVG iVm. §§ 767,769, 770 ZPO nur bei\n\ndem Prozeßgericht geltend gemacht werden. Hat sich ein nachrangiger Grund-\n\nschuldgläubiger Rückgewähransprüche des Schuldners gegen vorrangige\n\nGrundschuldgläubiger abtreten lassen, steht dem nachrangigen Gläubiger\n\nzwar der Widerspruch gegen den Teilungsplan nach § 115 Abs. 1 ZVG iVm.\n\n§ 878 ZPO zu (vgl. BGH, Urt. v. 20. Dezember 2001 – IX ZR 419/98, NJW\n\n2002, 1578, 1579 m.w.N.); dieser kann aber ebenfalls nur im Wege einer Klage\n\nbei dem Prozeßgericht geltend gemacht werden.\n\ncc) Entgegen der Auffassung der Rechtsbeschwerde kann im Falle einer\n\nGrundschuld auch bei der vom Vollstreckungsgericht vor der Zuschlagsertei-\n\nlung vorzunehmenden Prüfung der Versagungsgründe der §§ 74a, 85a ZVG\n\nselbst dann nicht auf die gesicherte persönliche Forderung abgestellt werden,\n\nwenn deren Höhe unstreitig ist. Zwar würden sich dann nicht die mit der\n\nschuldrechtlichen Lösung grundsätzlich verbundenen erheblichen praktischen\n\nProbleme stellen (vgl. LG Lüneburg Rpfleger 1986, 188, 189; LG Hanau Rpfle-\n\nger 1988, 77, 78; LG Landau, Rpfleger 2001, 366, 367; Stöber aaO § 85a,\n\nRn. 4.4), die sich unter anderem daraus ergeben, daß der Gläubiger nicht ver-\n\npflichtet ist, dem Vollstreckungsgericht Auskunft über die Höhe der gesicherten\n\nForderung zu erteilen (vgl. Dassler/Schiffhauer/Gerhardt/Muth aaO § 85a\n\nRn. 25; Muth Rpfleger 1985, 45, 47; Brendle Rpfleger 1986, 61; aA OLG Karls-\n\nruhe Rpfleger 1981, 407, allerdings für den Fall, daß der Sicherungsgeber\n\nnicht auch der Schuldner ist). Gleichwohl ist eine Grundschuld, die unstreitig\n\nnur teilweise valutiert, bei der Prüfung der Vorraussetzungen der §§ 74a, 85a\n\nZVG mit ihrem vollen Nominalbetrag zu berücksichtigen. Es gehört zu den all-\n\ngemeinen Grundsätzen des Zwangsvollstreckungsrechts, zu dem auch das\n\nZwangsversteigerungsrecht gehört (§ 866 Abs. 1, § 869 ZPO), daß die Voll-\n\nstreckbarkeit eines Titels von dem Schicksal des sachlich-rechtlichen An-\n\nspruchs unabhängig ist (vgl. BGHZ 110, 319, 322). Einwendungen gegen ei-\n\nnen durch Titel oder Grundbucheintragung belegten sachlich-rechtlichen An-\n\nspruch können nur außerhalb des Zwangsvollstreckungsverfahrens im Pro-\n\nzeßwege geltend gemacht werden (BGHZ aaO; Zöller/Stöber, ZPO 24. Aufl.\n\nvor § 704 Rn. 3, 13 f m.w.N.). Mit dieser verfahrensrechtlich vorgegebenen Ab-\n\ngrenzung von Vollstreckungsverfahren und Erkenntnisverfahren läßt sich die\n\nnach der schuldrechtlichen Lösung erforderliche - aus den genannten Gründen\n\nsystemwidrige - Befassung des Vollstreckungsgerichts mit den einer Grund-\n\nschuld zugrundeliegenden schuldrechtlichen Innenbeziehungen nicht vereinba-\n\nren (vgl. Eickmann KTS 1987, 617, 621 f).\n\nWäre das Vollstreckungsgericht gehalten, im Zwangsversteigerungs-\n\nverfahren bei der Prüfung der §§ 74a, 85a ZVG eine Grundschuld nicht mit\n\ndem Nominalbetrag zu berücksichtigen, sondern nur mit dem (noch) valutierten\n\nTeil, würde zudem der Unterschied zwischen der in ihrem dinglichen Bestand\n\nforderungslosen (abstrakten) Grundschuld (vgl. BGH, Urt. v. 27. Februar 1981\n\n- V ZR 9/80, aaO) und der akzessorischen Hypothek verwischt (vgl. Stöber\n\naaO § 85a Rn. 4.3).\n\ndd) Die nach Wortlaut und Systematik der Vorschriften gebotene Be-\n\nrücksichtigung einer Grundschuld mit ihrem Nominalbetrag steht schließlich\n\nauch mit den Schutzzwecken der §§ 74a, 85a ZVG im Einklang. Beide Vor-\n\nschriften gehören zum Zwangsversteigerungsverfahren und schützen einen\n\nnachrangigen Gläubiger oder den Schuldner nur in diesem Verfahren und nur\n\neinmal (§ 74a Abs. 4, § 85a Abs. 2 Satz 2 ZVG) vor einer Verschleuderung des\n\nGrundstücks. Daß eine vorrangige Grundschuld im Rahmen des § 74a Abs. 1\n\nSatz 1 ZVG mit ihrem Nominalbetrag zu berücksichtigen ist, obwohl sie nicht\n\n(mehr) oder nur (noch) zum Teil valutiert, ist ein für den nachrangigen Siche-\n\nrungsnehmer typisches Realisierungsrisiko seines dinglichen Anspruchs. Es\n\nkann zudem durch entsprechende Vereinbarungen in der Sicherungsabrede\n\noder durch Pfändung des Rückgewähranspruchs des Sicherungsgebers ver-\n\nringert werden. Eine Ausdehnung des Schutzbereichs des § 74a ZVG gegen\n\nWortlaut und Systematik der Vorschrift ist deshalb nicht geboten. Entsprechen-\n\ndes gilt für § 85a Abs. 3 ZVG, dessen Schutzbereich das für den Geber einer\n\nnicht akzessorischen Sicherheit typische Realisierungsrisiko seiner Rückge-\n\nwähransprüche gegen den meistbietenden Grundschuldgläubiger nicht umfaßt\n\n(vgl. Eickmann KTS 1987, 617, 621). Der Schuldner hat insoweit die Möglich-\n\nkeit, seine Rückgewähransprüche nach §§ 767, 769 ZPO geltend zu machen\n\n(vgl. OLG Köln, ZIP 1980, 112; Muth Rpfleger 1985, 45, 48; Stöber aaO § 114\n\nRn. 7.10, § 115 Rn. 6.1, 6.2); zudem kann ihm ein Bereicherungsanspruch ge-\n\ngen den Grundschuldgläubiger zustehen (vgl. LG Hanau, Rpfleger 1988, 77,\n\n78; Dassler/Schiffhauer/Gerhardt/Muth aaO § 85a Rn. 27; Böttcher aaO § 85a\n\nRn. 9; Storz ZIP 1980, 506, 510; Eickmann KTS 1987, 617, 623 ff). Darüber\n\nhinaus ist er nach § 765a ZPO vor einer Verschleuderung des Grundstücks\n\ngeschützt.\n\nKreft Raebel Athing\n\n Boetticher Kessal-Wulf","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-02-27/ixa-zb-135-03","cited_norms":[{"jurabk":"ZVG","ref":"§ 74a","ref_norm":"74a","n":20},{"jurabk":"ZVG","ref":"§ 85a","ref_norm":"85a","n":17},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 1194","ref_norm":"1194","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 767","ref_norm":"767","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 769","ref_norm":"769","n":2},{"jurabk":"ZVG","ref":"§ 115","ref_norm":"115","n":2},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 812","ref_norm":"812","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 1192","ref_norm":"1192","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 575","ref_norm":"575","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 765a","ref_norm":"765a","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 770","ref_norm":"770","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 869","ref_norm":"869","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 878","ref_norm":"878","n":1},{"jurabk":"ZVG","ref":"§ 23","ref_norm":"23","n":1},{"jurabk":"ZVG","ref":"§ 52","ref_norm":"52","n":1},{"jurabk":"ZVG","ref":"§ 91","ref_norm":"91","n":1},{"jurabk":"ZVG","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"ZVG","ref":"§ 10","ref_norm":"10","n":1},{"jurabk":"ZVG","ref":"§ 45","ref_norm":"45","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-02-27/ixa-zb-135-03","retrieved":"2026-07-10 15:17:38.367310+00:00"},"card":{"id":"bgh/2004-02-27/ixa-zb-135-03","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IXa. 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