{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"V. Zivilsenat","decided":"2004-01-29","aktenzeichen":"V ZR 244/03","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nV ZR 244/03\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n29. Januar 2004\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat am 29. Januar 2004 durch die\n\nRichter Tropf, Prof. Dr. Krüger, Dr. Lemke, Dr. Gaier und Dr. Schmidt Räntsch\n\nbeschlossen:\n\nDie Revision gegen das Urteil des 5. Zivilsenats des Brandenbur-\n\ngischen Oberlandesgerichts vom 17. Juli 2003 wird auf Kosten\n\ndes Beklagten als unzulässig verworfen.\n\nDer Streitwert für das Revisionsverfahren wird auf 171.200,18 \n\nfestgesetzt.\n\nGründe:\n\nI.\n\nMit notariellem Vertrag vom 30. September 1999 kauften die Kläger von\n\ndem Beklagten Wohnungseigentum zum Preis von 371.008 DM. Die Kläger\n\nzahlten den Kaufpreis nahezu vollständig und bezogen die Wohnung. Noch vor\n\nEintragung einer Auflassungsvormerkung für die Kläger belastete der Beklagte\n\ndas Wohnungseigentum mit einer Grunddienstbarkeit, die u.a. die Einrichtung\n\neines Kinderspielplatzes zugunsten der jeweiligen Eigentümer eines anderen\n\nGrundstücks zum Gegenstand hat. Die Kläger forderten den Beklagten vergeb-\n\nlich auf, diese Belastung zu beseitigen.\n\nIm vorliegenden Rechtsstreit nehmen sie den Beklagten auf Schadens-\n\nersatz wegen Nichterfüllung in Anspruch. Das Landgericht hat ihrer Klage weit-\n\n(cid:0)(cid:2)(cid:1)(cid:4)(cid:3)\n\ngehend stattgegeben und den Beklagten zur Zahlung von 171.200,18 \n\num Zug gegen Rückgabe des Wohnungseigentums und Löschung der Auflas-\n\nsungsvormerkung verurteilt. Mit ihrer Berufung gegen dieses Urteil haben die\n\n(cid:3)(cid:16)(cid:15)(cid:18)(cid:17)(cid:20)(cid:19)(cid:22)(cid:21)(cid:9)(cid:23)\n\n(cid:3)(cid:16)(cid:15)\n\nKläger die Zahlung weiterer 25.117,15 \n\n(cid:5)(cid:7)(cid:6)(cid:9)(cid:8)(cid:11)(cid:10)\n\n(cid:12)(cid:14)(cid:13)\n\n(cid:8)(cid:24)(cid:6)(cid:9)(cid:13)(cid:16)(cid:25)(cid:26)(cid:25)(cid:27)(cid:6)(cid:9)(cid:8)(cid:29)(cid:28)(cid:20)(cid:6)(cid:9)(cid:30)(cid:7)(cid:10)(cid:31)(cid:12)\n\n(cid:6)! n-\n\nschlußberufung mit dem Ziel vollständiger Klageabweisung eingelegt hat. Das\n\nOberlandesgericht hat Berufung und Anschlußberufung zurückgewiesen. Es\n\nbejaht einen Schadensersatzanspruch der Kläger, hält aber die von den Klä-\n\ngern mit der Berufung weiterverfolgten Positionen nicht für erstattungsfähig,\n\ndarunter auch deren Aufwendungen für das zur Kaufpreisfinanzierung aufge-\n\nnommene Darlehen.\n\nMit seiner gegen dieses Urteil gerichteten Revision erstrebt der Beklagte\n\nweiterhin die vollständige Klageabweisung.\n\nII.\n\nDie Revision des Beklagten ist nicht zulässig.\n\nDer Statthaftigkeit der Revision des Beklagten steht die fehlende Zulas-\n\nsung des Rechtsmittels entgegen (§ 543 Abs. 1 ZPO). Insoweit hat das Beru-\n\nfungsgericht die Revision in dem angefochtenen Urteil nicht zugelassen (§ 543\n\nAbs. 1 Nr. 1 ZPO).\n\n1. Im Tenor des Berufungsurteils ist die Zulassung der Revision zwar\n\nohne Beschränkung ausgesprochen, in den Entscheidungsgründen führt das\n\nBerufungsgericht aber hinsichtlich der Zulassung der Revision aus, von grund-\n\nsätzlicher Bedeutung sei die Frage, ob die \"Finanzierungskosten des Kaufprei-\n\nses als Vertragskosten … nicht erstattungsfähig\" seien. Hieraus ergibt sich ei-\n\nne Beschränkung der Revisionszulassung.\n\na) Die - hier anzuwendende - Neuregelung des Revisionsverfahrens\n\ndurch das Gesetz zur Reform des Zivilprozesses hat nichts an der Möglichkeit\n\ngeändert, die Revision nur hinsichtlich eines tatsächlich und rechtlich selbstän-\n\ndigen und abtrennbaren Teils des Gesamtstreitstoffs zuzulassen, auf den auch\n\ndie Partei selbst die Revision beschränken könnte (Begründung zu § 543\n\nAbs. 2 ZPO-RegE, BT-Drucks. 14/4722, S. 104; MünchKomm-ZPO/Wenzel,\n\n2. Aufl., Aktualisierungsband, § 543 Rdn. 33; Musielak/Ball, ZPO, 3. Aufl.,\n\n§ 543 Rdn. 20; vgl. auch Senat, Beschl. v. 27. Juni 2002, V ZR 148/02, NJW\n\n2002, 2720, 2721). Auf diese Weise wird eine unnötige Belastung des Revisi-\n\nonsgerichts vermieden (BGHZ 2, 396, 398; 7, 62, 63).\n\nb) Im vorliegenden Fall hat das Berufungsgericht von der Möglichkeit ei-\n\nner beschränkten Zulassung der Revision Gebrauch gemacht. Dem steht das\n\nFehlen einer Beschränkung im Tenor des Berufungsurteils nicht entgegen;\n\ndenn nach gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes sind für die\n\nPrüfung des Umfangs einer zugelassenen Revision auch die Entscheidungs-\n\ngründe des Berufungsurteils heranzuziehen (BGHZ 48, 134, 136; BGH, Urt. v.\n\n8. März 1995, VIII ZR 156/94, NJW 1995, 1481, 1482; Urt. v. 12. Juli 2000,\n\nXII ZR 159/98, NJW-RR 2001, 485, 486). Entscheidend ist, ob sich aus ihnen\n\neine Beschränkung der Zulassung der Revision mit der gebotenen Deutlichkeit\n\nergibt (vgl. BGH, Urt. v. 7. Juli 1983, III ZR 119/82, NJW 1984, 615). Hierfür\n\ndürfen sich die Ausführungen nicht lediglich mit einer Begründung für die Zu-\n\nlassung der Revision befassen, vielmehr muß aus den Entscheidungsgründen\n\nder Wille des Berufungsgerichts, die Revision in bestimmter Hinsicht zu be-\n\nschränken, klar und eindeutig hervorgehen (BGHZ 102, 293, 295; BGH, Urt. v.\n\n19. November 1991, VI ZR 171/91, NJW 1992, 1093; Urt. v. 11. Oktober 1994,\n\nVI ZR 303/93, NJW 1995, 452, Urt. v. 12. Juli 2000, XII ZR 159/98, aaO; Senat,\n\nUrt. v. 11. Juli 2003, V ZR 430/02, VIZ 2003, 526, 527).\n\naa) Eine hinreichend klare Beschränkung der Zulassung bejaht der\n\nBundesgerichtshof namentlich dann, wenn sich die von dem Berufungsgericht\n\nals zulassungsrelevant angesehene Frage nur für einen selbständigen Teil des\n\nStreitstoffs stellt (vgl. BGHZ 48, 134, 136; BGH, Urt. v. 16. März 1988, VIII ZR\n\n184/87, NJW 1988, 1778; Urt. v. 3. Mai 1988, VI ZR 276/87, NJW 1989, 774;\n\nUrt. v. 30. November 1995, III ZR 240/94, NJW 1996, 527; Urt. v. 16. Januar\n\n1996, XI ZR 116/95, NJW 1996, 926, 927).\n\nbb) Diese Voraussetzungen liegen hier vor. Die für die Zulassung maß-\n\ngebende Rechtsfrage der Erstattungsfähigkeit von Finanzierungskosten beim\n\nSchadensersatz wegen Nichterfüllung bezieht sich ausschließlich auf den ent-\n\nsprechenden Rechnungsposten des geltend gemachten Schadensersatzan-\n\nspruchs. Hierbei handelt es sich um einen selbständigen Teil des Streitstoffs.\n\nEin solcher ist insbesondere gegeben, wenn - wie hier der Fall - ein abtrennba-\n\nrer Teil des Gesamtstreitstoffes einem Teilurteil zugänglich gewesen wäre\n\n(BGH, Urt. v. 16. März 1988, VIII ZR 184/87, NJW 1988, 1778, insoweit in\n\nBGHZ 104, 6 nicht abgedruckt). Insoweit ist unerheblich, daß lediglich ein un-\n\nselbständiger Rechnungsposten (vgl. Senat, Urt. v. 24. September 1999, V ZR\n\n71/99, NJW 1999, 3625) betroffen ist. Auch über ihn hätte das Berufungsge-\n\nricht durch ein abweisendes Teilurteil entscheiden können, weil diese Position\n\nziffernmäßig bestimmt und individualisiert ist (vgl. Senat, Urt. v. 21. Februar\n\n1992, V ZR 253/90, NJW 1992, 1769, 1770).\n\n2. Der Teil des Streitstoffs, auf den sich die Zulassung demnach be-\n\n(cid:21)(cid:27)(cid:3)\n\nschränkt, besteht in den 14.408,60 \n\n(cid:25)#\"\n\n(cid:6)$(cid:25)%\"(cid:31)(cid:6)’&((cid:10)\n\n(cid:6)(cid:14)(cid:8)\n\n(cid:6)(cid:14)(cid:13))(cid:25)*(cid:6)(cid:27)+-,\n\n(cid:8)/.0\"1(cid:13)(cid:4)(cid:12)(cid:9)(cid:13)(cid:7),(cid:27)\" e-\n\nrung des Kaufpreises aufgenommenen Darlehens als Ersatz für die Zinsen, die\n\nBearbeitungskosten und das \"Aufhebungsentgelt\" geltend machen. Nachdem\n\ndas Berufungsgericht die Abweisung der Klage insoweit bestätigt hat, kann die\n\nRevision des Beklagten, mit der er sich gegen seine Verurteilung wendet, von\n\nder Zulassung der Revision nicht erfaßt sein.\n\n3. Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.\n\nTropf Krüger Lemke\n\n Gaier Schmidt-Räntsch\n\n(cid:17)\n(cid:19)\n(cid:6)\n(cid:3)\n(cid:1)","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-01-29/v-zr-244-03","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-01-29/v-zr-244-03","retrieved":"2026-07-10 15:09:33.283136+00:00"},"card":{"id":"bgh/2004-01-29/v-zr-244-03","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"V. 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