{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VIII. Zivilsenat","decided":"2003-12-22","aktenzeichen":"VIII ZB 76/03","doktyp":"Beschluß","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nVIII ZB 76/03\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n22. Dezember 2003\n\nin der Rechtsbeschwerdesache\n\nDer VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 22. Dezember 2003 durch\n\ndie Vorsitzende Richterin Dr. Deppert und die Richter Dr. Beyer, Dr. Leimert,\n\nWiechers und Dr. Wolst\n\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde der Beklagten gegen den Beschluß der\n\n1. Zivilkammer des Landgerichts Halle vom 24. Juni 2003 wird\n\nverworfen.\n\nDie Beklagte hat die Kosten des Verfahrens der Rechtsbeschwer-\n\nde zu tragen.\n\nStreitwert: 2.968,48 \n\nGründe:\n\nI.\n\nMit Entscheidung des Amtsgerichts vom 28. März 2003, der Beklagten\n\nzugestellt am 3. April 2003, ist die Beklagte zur Zahlung von 920,32 \n\n(cid:1)(cid:3)(cid:2)(cid:5)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:8)(cid:7)\n\nZinsen verurteilt worden und ist ihre auf 2.048,16 \n\n(cid:2)(cid:5)(cid:10)(cid:12)(cid:11)\n\n(cid:13)(cid:15)(cid:14)(cid:15)(cid:7)(cid:16)(cid:2)(cid:17)(cid:7)(cid:18)(cid:2)(cid:20)(cid:19)(cid:21)(cid:11)(cid:23)(cid:22)(cid:24)(cid:2)(cid:5)(cid:10)(cid:26)(cid:25)(cid:28)(cid:27)(cid:23)(cid:29)\n\n(cid:2)(cid:30)(cid:29) b-\n\ngewiesen worden. Am 5. Mai 2003, einem Montag, hat die Beklagte durch\n\nSchriftsatz ihres Prozeßbevollmächtigten vom selben Tag Berufung eingelegt.\n\n(cid:0)\n(cid:9)\n(cid:9)\n\nDie Begründung des Rechtsmittels ist am 5. Juni 2003 beim Landgericht ein-\n\ngegangen.\n\nNach einem Hinweis der Kammer darauf, daß die Berufungsbegrün-\n\ndungsfrist bereits am 3. Juni 2003 verstrichen sei, hat die Beklagte beantragt,\n\nihr Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung dieser Frist\n\nzu gewähren.\n\nDas Berufungsgericht hat den Antrag der Beklagten auf Wiedereinset-\n\nzung in den vorigen Stand zurückgewiesen. Zur Begründung hat es im wesent-\n\nlichen ausgeführt, nach dem Sachvortrag der Beklagten sei nicht ersichtlich,\n\ndaß im Büro des Beklagtenvertreters eine hinreichende Fristenkontrolle ge-\n\nwährleistet sei. Auch aus den vorgelegten Versicherungen an Eides statt lasse\n\nsich nur entnehmen, daß die Büroleiterin die Fristeintragungen ihrer Kollegin\n\nals solches überprüfe. Dies sei nicht ausreichend, da damit keine Überprüfung\n\ndaraufhin stattfinde, ob die Fristberechnung selbst sachlich richtig sei. Daher\n\nsei von einem Organisationsverschulden des Beklagtenvertreters auszugehen.\n\nII.\n\nDie gemäß § 574 Abs. 1 ZPO in Verbindung mit §§ 238 Abs. 2, 522\n\nAbs. 1 Satz 4 ZPO statthafte Rechtsbeschwerde ist unzulässig, weil sie keine\n\ngrundsätzliche Bedeutung hat und weder die Fortbildung des Rechts noch die\n\nSicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechts-\n\nbeschwerdegerichts erfordert (§ 574 Abs. 2 ZPO).\n\nAuf die von der Beklagten im Rahmen des § 574 Abs. 2 ZPO für bedeut-\n\nsam gehaltenen Fragen kommt es nicht an. Dem Gesuch auf Wiedereinset-\n\nzung konnte schon deshalb nicht entsprochen werden, weil dem Vortrag der\n\nhierfür darlegungspflichtigen Beklagten (vgl. § 233 ZPO) nicht entnommen\n\nwerden kann, daß in der Kanzlei ihres Prozeßbevollmächtigten für Rechtsmit-\n\ntelbegründungsfristen Vorfristen im Fristenkalender eingetragen werden. Fehlt\n\neine entsprechende allgemeine Kanzleianordnung, liegt ein Organisationsver-\n\nschulden vor (vgl. BGH, Beschluß vom 5. Oktober 1999 - VI ZB 22/99, NJW\n\n2000, 365 unter II 1 c; Musielak/Grandel, ZPO, 3. Aufl., § 233 Rdn. 18\n\nm.w.Nachw.). Dieses Organisationsverschulden ist auch ursächlich für die\n\nFristversäumnis gewesen. Würden im Büro des Beklagtenvertreters \n\nfür\n\nRechtsmittelbegründungsfristen Vorfristen notiert, wäre vorliegend die Beru-\n\nfungsbegründungsfrist nicht versäumt worden. Dies ist auch für den Fall anzu-\n\nnehmen, daß nur eine von der Rechtsprechung als ausreichend erachtete Vor-\n\nfrist von vier Tagen eingetragen worden wäre (BGH, Beschluß vom 5. Oktober\n\n1999, aaO). Wäre dem Rechtsanwalt die Sache vier Tage vor dem (vermeintli-\n\nchen Ablauf der Frist am) 5. Juni 2003, d.h. also spätestens am (Montag)\n\n2. Juni 2003 vorgelegt worden, hätte er bei pflichtgemäßer Sorgfalt die Beru-\n\nfungsbegründungsfrist noch einhalten können. Zwar ist ein Rechtsanwalt nicht\n\ngehalten, Rechtsmitteleinlegungen noch am Tag der Vorlage zur Vorfrist ab-\n\nschließend zu bearbeiten. Es trifft ihn jedoch die Obliegenheit, nunmehr zu\n\nprüfen, \n\nob \n\ndas \n\nFristende \n\nzutreffend\n\nnotiert ist (BGH, Beschluß vom 27. Mai 1997 - VI ZB 10/97, NJW 1997, 2825\n\nunter II 2).\n\nDr. Deppert \n\nDr. Beyer \n\nDr. Deppert\nfür den wegen Urlaubs an der\nUnterzeichnung verhinderten\nRichter am Bundesgerichtshof\nDr. Leimert\n\n13. Januar 2004\n\nWiechers \n\nDr. Wolst","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-12-22/viii-zb-76-03","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 233","ref_norm":"233","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 238","ref_norm":"238","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 522","ref_norm":"522","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-12-22/viii-zb-76-03","retrieved":"2026-07-10 15:04:02.122050+00:00"},"card":{"id":"bgh/2003-12-22/viii-zb-76-03","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"VIII. 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