{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"XII. Zivilsenat","decided":"2003-11-05","aktenzeichen":"XII ZB 105/03","doktyp":"Beschluß","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nXII ZB 105/03\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n5. November 2003\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 5. November 2003 durch die\n\nVorsitzende Richterin Dr. Hahne und die Richter Gerber, Fuchs, Dr. Ahlt und\n\ndie Richterin Dr. Vézina\n\nbeschlossen:\n\nAuf die Rechtsbeschwerde der Klägerinnen wird der Beschluß des\n\n6. Zivilsenats des Brandenburgischen Oberlandesgerichts vom\n\n31. März 2003 aufgehoben.\n\nDie Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten\n\ndes Rechtsbeschwerdeverfahrens, an das Oberlandesgericht zu-\n\nrückverwiesen.\n\nBeschwerdewert: 454 \n\nGründe:\n\nI.\n\nDurch die angefochtene Entscheidung des originären Einzelrichters\n\n(§ 568 Abs. 1 ZPO) hat das Oberlandesgericht die sofortige Beschwerde gegen\n\neinen Kostenfestsetzungsbeschluß zurückgewiesen und die Rechtsbeschwerde\n\nzugelassen. Die Zulassung der Rechtsbeschwerde hat der Einzelrichter damit\n\nbegründet, es sei in Rechtsprechung und Literatur streitig, in welcher Höhe ei-\n\nner von mehreren Streitgenossen die dem gemeinsamen Anwalt geschuldeten\n\nKosten vom Gegner erstattet verlangen könne, wenn die Kostengrundentschei-\n\n(cid:0)\n\nung nach der sogenannten Baumbach’schen Formel ergangen sei. Obwohl\n\ngrundsätzliche Bedeutung zu bejahen sei, sei es nicht erforderlich, die Sache\n\ndem Senat zu übertragen, weil der Senat in einer früheren Entscheidung zu\n\ndem Problem bereits Stellung genommen habe und weil der Einzelrichter der\n\nAnsicht des Senates folge.\n\nMit der zugelassenen Rechtsbeschwerde wollen die Klägerinnen errei-\n\nchen, daß als außergerichtliche Kosten des Beklagten zu 2 nur der auf ihn ent-\n\nfallende Bruchteil der Kosten des von ihm und dem Beklagten zu 1 gemeinsam\n\nbeauftragten Anwalts berücksichtigt wird.\n\nII.\n\nDie Rechtsbeschwerde ist gemäß § 574 Abs. 1 Nr. 2 ZPO statthaft. Ent-\n\nscheidet - wie hier - der originäre Einzelrichter beim Oberlandesgericht über\n\neine Beschwerde in einer Sache, der er rechtsgrundsätzliche Bedeutung bei-\n\nmißt, und läßt er die Rechtsbeschwerde zu, so ist die Zulassung zwar wirksam.\n\nNach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs unterliegt die Ent-\n\nscheidung aber auf die Rechtsbeschwerde hin der Aufhebung von Amts wegen,\n\nweil sie unter Verletzung des Verfassungsgebots des gesetzlichen Richters\n\n(Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) ergangen ist. In einer Sache, der er grundsätzliche\n\nBedeutung beimißt, darf der originäre Einzelrichter nicht selbst entscheiden,\n\nsondern muß das Verfahren gemäß § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO dem mit drei Rich-\n\ntern besetzten Senat übertragen (BGH, Beschluß vom 13. März 2003 - IX ZB\n\n134/02 - NJW 2003, 1254 f. = FamRZ 2003, 669 f., zur Veröffentlichung in\n\nBGHZ vorgesehen; Senatsbeschluß vom 2. April 2003 - XII ZB 198/02 -).\n\nDie Ansicht des Oberlandesgerichts, die im Gesetz vorgeschriebene\n\nÜbertragung auf den Senat könne unterbleiben, wenn der Senat sich zu der als\n\ngrundsätzlich eingestuften Rechtsfrage bereits geäußert habe, beruht auf\n\nRechtsirrtum. Der originäre Einzelrichter verfügt bei Rechtssachen, denen er\n\ngrundsätzliche Bedeutung beimißt, über keinen Handlungs- oder Ermessens-\n\nspielraum, ob er selbst entscheiden oder die Sache übertragen will (BGH, Be-\n\nschluß vom 13. März 2003 aaO). Wer der gesetzliche Richter ist, hängt nicht\n\ndavon ab, ob sich der Senat, zu dem der Einzelrichter gehört, zu einer be-\n\nstimmten Rechtsfrage bereits geäußert hat oder nicht.\n\nIII.\n\nFür das weitere Verfahren weist der Senat auf den Beschluß des Bun-\n\ndesgerichtshofs vom 30. April 2003 hin (- VIII ZB 100/02 - NJW-RR 2003,\n\n1217 f.).\n\nHahne\n\nGerber\n\nFuchs\n\nAhlt\n\nVézina","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-11-05/xii-zb-105-03","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 568","ref_norm":"568","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 101","ref_norm":"101","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-11-05/xii-zb-105-03","retrieved":"2026-07-10 14:56:38.038184+00:00"},"card":{"id":"bgh/2003-11-05/xii-zb-105-03","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"XII. Zivilsenat","date":"2003-11-05","dockets":["XII ZB 105/03"],"decision_type":"Beschluß","ecli":null,"ids":{"ecli":null},"cite_as":"BGH, Beschluss vom 05.11.2003 – XII ZB 105/03","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-11-05/xii-zb-105-03","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Auf die Rechtsbeschwerde der Klägerinnen wird der Beschluß des\n\n6. Zivilsenats des Brandenburgischen Oberlandesgerichts vom\n\n31. März 2003 aufgehoben.\n\nDie Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten\n\ndes Rechtsbeschwerdeverfahrens, an das Oberlandesgericht zu-\n\nrückverwiesen.\n\nBeschwerdewert: 454","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"ZPO/568","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"568","label":"§ 568 ZPO","mentions":2},{"id":"GG/101","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"101","label":"Art 101 GG","mentions":1},{"id":"ZPO/574","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"574","label":"§ 574 ZPO","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. That says nothing about whether earlier or later decisions exist."},"fundstellen":[],"provenance":{"source":null,"source_url":null,"retrieved_at":"2026-07-10T14:56:38.038184+00:00","text_quality":"native","attribution":null},"ai_summary":null,"ai_summary_available":false}}