{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"V. Zivilsenat","decided":"2003-10-02","aktenzeichen":"V ZB 18/03","doktyp":"Beschluss","leitsatz":"ZPO §§ 7, 9, 511 Abs. 2 Nr. 1 SachenRBerG § 116 a) Der Wert des Beschwerdegegenstandes kann bei der Verurteilung zur Bestellung einer Dienstbarkeit nicht nach dem fiktiven Erbbauzins für die Ausübungsfläche bemessen werden. b) Der Wert des Beschwerdegegenstandes bemißt sich auch dann nach der vollen Wertminderung des dienenden Grundstücks, wenn die Verurteilung zur Bestel- lung einer Dienstbarkeit auf § 116 SachenRBerG beruht.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nV ZB 18/03\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n2. Oktober 2003\n\nin dem Rechtsstreit\n\nNachschlagewerk:\n\nja\n\nBGHZ:\n\nnein\n\nBGHR: ja\n\nZPO §§ 7, 9, 511 Abs. 2 Nr. 1\nSachenRBerG § 116\n\na) Der Wert des Beschwerdegegenstandes kann bei der Verurteilung zur Bestellung\neiner Dienstbarkeit nicht nach dem fiktiven Erbbauzins für die Ausübungsfläche\nbemessen werden.\n\nb) Der Wert des Beschwerdegegenstandes bemißt sich auch dann nach der vollen\nWertminderung des dienenden Grundstücks, wenn die Verurteilung zur Bestel-\nlung einer Dienstbarkeit auf § 116 SachenRBerG beruht.\n\nBGH, Beschl. v. 2. Oktober 2003 - V ZB 18/03 - LG Stralsund\n\n AG Bergen/Rügen\n\nDer V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat am 2. Oktober 2003 durch den\n\nVizepräsidenten des Bundesgerichtshofes Dr. Wenzel und die Richter Tropf,\n\nProf. Dr. Krüger, Dr. Gaier und Dr. Schmidt-Räntsch\n\nbeschlossen:\n\nAuf die Rechtsbeschwerde der Beklagten wird der Beschluß der\n\n8. Zivilkammer des Landgerichts Stralsund vom 4. Februar 2003\n\naufgehoben.\n\nDie Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten\n\nder Rechtsbeschwerde, an das Berufungsgericht zurückverwie-\n\nsen.\n\nDer Wert des Beschwerdegegenstandes beträgt 1.533,88 \n\nGründe:\n\nI.\n\nDie Beklagte ist vom Amtsgericht verurteilt worden, zum Zwecke des\n\nBefahrens und Belieferns durch den jeweiligen Eigentümer des Grundstücks\n\nder Kläger eine Grunddienstbarkeit zu bestellen. Das Landgericht hat die Be-\n\nrufung als unzulässig verworfen. Hiergegen richtet sich die Rechtsbeschwerde\n\nder Beklagten.\n\n(cid:0)\n\nII.\n\nDas Berufungsgericht bewertet den Beschwerdegegenstand mit 44,80 \n\nwomit den Anforderungen des § 511 Abs. 2 Nr. 1 ZPO, dem Überschreiten der\n\nGrenze von 600 \n\n(cid:2)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:8)(cid:7)(cid:10)(cid:9)(cid:12)(cid:11)(cid:14)(cid:13)(cid:15)(cid:2)(cid:14)(cid:16)(cid:17)(cid:11)(cid:18)(cid:9)(cid:12)(cid:19)(cid:20)(cid:13)(cid:21)(cid:3)\n\n(cid:0)(cid:23)(cid:22)\n\n(cid:13)(cid:25)(cid:24)(cid:26)(cid:13)(cid:28)(cid:27)(cid:10)(cid:29)(cid:6)(cid:30)(cid:14)(cid:11)(cid:31)(cid:9) (cid:13)!(cid:7)(cid:17)(cid:30)(cid:28)\"(cid:17)(cid:13)$#(cid:14)(cid:13)(cid:28)(cid:2)&%’(cid:13)(cid:28)()(cid:9)(cid:12)#(cid:14)(cid:13)(cid:14)(cid:19)*(cid:24) e-\n\nschwerdegegenstandes trotz Aufforderung nicht glaubhaft gemacht. Er sei da-\n\nher nach freiem Ermessen zu schätzen. Das Interesse der Beklagten an der\n\nAbänderung der Entscheidung entspreche der Beschwer, die durch die Verur-\n\nteilung zur Bestellung eines inhaltgleichen Notwegerechts begründet werde.\n\nDie maßgebliche Notwegrente bemesse sich nach den Vorschriften über die\n\nÜberbaurente, ein angemessener Maßstab hierfür sei der Erbbauzins. Er be-\n\nlaufe sich für den von der Dienstbarkeit betroffenen Grundstücksteil von\n\n128 qm bei einem Bodenwert von 2,50 \n\n(cid:2)(cid:17)#1(cid:13)(cid:21)(cid:3)2(cid:2)(cid:17)(cid:13)\n\n(cid:3)2(cid:2)(cid:17)(cid:19)65\n\n(cid:2);:\n\n+-,(cid:15).0/\n\n.43\n\n/(cid:4)718(cid:10)9\n\n(cid:0)=<>(cid:0)\n\njährlich 12,80 \n\n(cid:0)?(cid:22)\n\nDreieinhalbfache.\n\n(cid:13)(cid:15)(@%’(cid:13)(cid:28)()(cid:9)A#B(cid:13)(cid:14)(cid:19)1(cid:24)(cid:26)(cid:13)(cid:14)(cid:19)(cid:20)(cid:5)(cid:8)(cid:7)DCE(cid:13)(cid:28)(F#(cid:14)(cid:13)(cid:14)(cid:11)(cid:14)(cid:13)(cid:14)(cid:11)B(cid:13)(cid:28)(cid:2)(cid:17)(cid:19)D(cid:9))(cid:30)(cid:28)(cid:2)(cid:17)#(cid:14)(cid:13)(cid:14)(cid:19)G\"(cid:17)(cid:13)(cid:21)(cid:29)(cid:6)(cid:30)\n\n5F(cid:13)H(cid:19)(cid:18)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:8)(cid:7)G(cid:30)\n\n5I#(cid:14)(cid:30)(cid:14)(cid:19)\n\nDies hält der Rechtsbeschwerde nicht stand.\n\nIII.\n\n1. Die Rechtsbeschwerde ist nach § 574 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. § 522 Abs. 1\n\nSatz 4 ZPO unbeschadet des Umstandes, daß der Wert der geltend zu ma-\n\nchenden Beschwer 20.000 \n\n(cid:2)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:8)(cid:7)(cid:10)(cid:9)J(cid:16)(cid:14)\"(cid:17)(cid:13)(cid:28)(F(cid:19)D(cid:9))(cid:13)(cid:21)(cid:3)(cid:6)(cid:11)(cid:18)(cid:9)(cid:12)K\n\n(cid:11)(cid:21)(cid:29)\n\n(cid:0)ML 26 Nr. 8 EGZPO; BGH,\n\nBeschl. v. 4. September 2002, VIII ZB 23/02, NJW 2002, 3783; Senat, Beschl.\n\nv. 19. September 2002, V ZB 31/02, BGH-Report 2002, 1112), statthaft. Sie ist\n\nauch sonst zulässig, denn die Beklagte legt dar (nachstehend zu 2), daß das\n\n(cid:1)\n(cid:1)\n(cid:3)\n8\n(cid:30)\n/\n5\n/\n/\n8\n\nBerufungsgericht ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt hat und was sie\n\nbei Gewährung des Gehörs vorgetragen hätte (§ 574 Abs. 2 Nr. 2, 2. Alt. ZPO;\n\nst. Rechtspr. des Senats, zuletzt Beschl. v. 27. März 2003, V ZR 291/02, für\n\nBGHZ bestimmt).\n\n2. Das Rechtsmittel ist auch begründet. Die Verwerfung der Berufung\n\nwegen fehlender Glaubhaftmachung, daß der Wert des Beschwerdegegen-\n\nstandes 600 \n\nAbs. 1 GG.\n\n(cid:16)(cid:14)\"(cid:17)(cid:13)(cid:28)(F(cid:19)D(cid:9))(cid:13)(cid:21)(cid:3)(cid:6)(cid:11)(cid:18)(cid:9)\n\n(cid:13)(cid:28)(N(cid:29)(cid:6)(cid:13)(cid:18)(cid:9)=O(cid:20)(cid:9)P#(cid:14)(cid:30)(cid:14)(cid:19)RQI(cid:13)(cid:14)(cid:5)(cid:8)(cid:7)(cid:10)(cid:9)P#(cid:14)(cid:13)(cid:28)(S(cid:24)T(cid:13)(cid:28)(cid:27)(cid:10)(cid:29)(cid:6)(cid:30)(cid:14)(cid:11)(cid:18)(cid:9))(cid:13)(cid:28)(cid:2)U(cid:30)\n\n(cid:19)WVX()(cid:9)\n\n(cid:1)18\n\n(cid:0) 103\n\na) Das Berufungsgericht hat die Aufhebung des Termins zur mündlichen\n\nVerhandlung mit der Begründung verfügt, daß Bedenken gegen die Zulässig-\n\nkeit der Berufung bestünden. Zugleich hat es der Beklagten aufgegeben, bin-\n\nnen zwei Wochen den Wert des Beschwerdegegenstandes glaubhaft zu ma-\n\nchen; eine Bezugnahme auf die Streitwertangabe (Kläger: 10.000 DM) bzw. die\n\nStreitwertfestsetzung genüge nicht, vielmehr sei die Beschwer aus der Sicht\n\ndes dienenden Grundstücks zu beziffern. Die Verfügung hat das Berufungsge-\n\nricht der Beklagten nur insoweit bekannt gegeben, als sie die Terminsaufhe-\n\nbung und den Hinweis auf Zulässigkeitsbedenken zum Inhalt hat. Die an die\n\nBeklagte gerichtete Auflage wurde nicht dieser, sondern den Klägern mitgeteilt.\n\nDas Berufungsgericht durfte danach nicht davon ausgehen, die Beklagte habe\n\ndie Auflage nicht erfüllt. Die der Beklagten bruchstückhaft zugegangene Mit-\n\nteilung, die lediglich nicht näher bezeichnete Bedenken zum Inhalt hatte, gab\n\nhierfür keine Grundlage.\n\nb) Die Beklagte legt dar, bei Kenntnis der Auflage hätte sie vorgetragen,\n\ndie Ausübungsfläche der Dienstbarkeit betrage mindestens 500 qm. Über die\n\n/\n\neigentliche Wegefläche, von der das Berufungsgericht ausgehe, hinaus werde\n\ndie Fläche zwischen Garagen und Lagerhalle und der Wegespur sowie eine\n\nweitere, zum Wenden von Lkw erforderliche Fläche in Anspruch genommen.\n\nDie Ausübungsfläche werde jeder weiteren Nutzung entzogen. Ihr Wert liege\n\nals Gartenland bereits bei 1.533,88 \n\n#(cid:14)(cid:13)(cid:28)(Y(cid:9) (cid:30)(cid:31)(cid:9) (cid:19)(cid:20)Z(cid:14)(cid:5)(cid:8)(cid:7)(cid:28)(cid:29)[(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:8)(cid:7)(cid:17)(cid:13)$%’(cid:13)(cid:15)( (cid:9)\\(cid:29)](cid:3)\n\n(cid:13)B(cid:11)(cid:14)(cid:13)4#(cid:14)(cid:30)(cid:28)(^(cid:16)(cid:14)\"(cid:17)(cid:13)(cid:15)(\n\ndenn sie sei in den Entwurf eines Bebauungsplanes einbezogen.\n\nc) Die Darlegungen der Beklagten, von denen für die Rechtsbeschwerde\n\nauszugehen ist, sind entscheidungserheblich. Maßgeblich für den Wert des\n\nBeschwerdegegenstandes ist für die beklagte Seite, die sich gegen die Verur-\n\nteilung zur Bestellung einer Dienstbarkeit wehrt, die Wertminderung, die ihr\n\nGrundstück durch die Belastung erleidet (§ 7, 2. Alt. ZPO; Senat BGHZ 23,\n\n205; Urt. v. 18. Mai 1990, V ZR 291/89; BGH, Beschl. v. 11. Juli 1994, II ZB\n\n13/93). Die Beklagte braucht sich, entgegen der Auffassung des Berufungsge-\n\nrichts, nicht auf eine fiktive Gegenleistung in Rentenform verweisen lassen,\n\nderen Kapitalisierung die Obergrenze des § 9 Satz 1 ZPO, der dreieinhalbfa-\n\nche Jahresbetrag, entgegensteht. Das Berufungsgericht wird im Verfahren der\n\nGlaubhaftmachung (§ 511 Abs. 3 ZPO) zu klären haben, ob es die Angaben\n\nder Beklagten rechtfertigen, von einer Wertminderung ihres Grundstücks aus-\n\nzugehen, die 600 \n\n(cid:16)B\"(cid:17)(cid:13)(cid:28)(F(cid:19)D(cid:9) (cid:13)_(cid:3)\n\n(cid:11)(cid:31)(cid:9) .\n\nHierbei wird das Berufungsgericht, entgegen der Auffassung des Thü-\n\nringer Oberlandesgerichts (OLG - NL 2001, 263) die Wertminderung nicht im\n\nHinblick auf den Umstand begrenzen können, daß dem Anspruch auf Bestel-\n\nlung einer Dienstbarkeit nach § 116 SachenRBerG, der Grundlage der Verur-\n\nteilung durch das Amtsgericht ist, Verhältnisse zugrunde liegen, die nach der\n\nRechtswirklichkeit in der DDR schon bestanden haben. Beim Streit zwischen\n\n(cid:1)\n(cid:1)\n\nNutzer und Eigentümer um die Bestellung einer Dienstbarkeit nach\n\n§ 116 SachenRBerG geht es gerade darum, ob ein aus der Zeit der DDR über-\n\nkommenes Nutzungsverhältnis besteht, das in eine Dienstbarkeit übergeleitet\n\nwerden kann. Der Wert der Dienstbarkeit für das herrschende Grundstück,\n\nbzw. die Wertminderung des dienenden Grundstücks nach § 7 ZPO ist in sol-\n\nchen Fällen ungekürzt anzusetzen. Entsprechend hat der Senat auch bei der\n\nBewertung des Bereinigungsanspruchs auf Ankauf eines Grundstücks dessen\n\nVerkehrswert, nicht den geringeren Ankaufspreis, dem die Rechtsverhältnisse\n\naus der Zeit der DDR (mit) zugrunde liegen, als maßgeblich angesehen\n\n(Beschl. v. 15. April 1999, V ZR 391/98, WM 1999, 1734; vgl. auch Beschl. v.\n\n7. Dezember 2000, V ZR 335/99, WM 2001, 479).\n\nWenzel Tropf Krüger\n\n Gaier Schmidt-Räntsch","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-10-02/v-zb-18-03","cited_norms":[{"jurabk":"SachenRBerG","ref":"§ 116","ref_norm":"116","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 511","ref_norm":"511","n":2},{"jurabk":"SachenRBerG","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"SachenRBerG","ref":"§ 9","ref_norm":"9","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 9","ref_norm":"9","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 522","ref_norm":"522","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-10-02/v-zb-18-03","retrieved":"2026-07-10 14:51:50.556383+00:00"},"card":{"id":"bgh/2003-10-02/v-zb-18-03","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"V. 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