{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"V. Zivilsenat","decided":"2003-06-18","aktenzeichen":"V ZR 46/03","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nV ZR 46/03\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n18. Juni 2003\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat am 18. Juni 2003 durch den\n\nVizepräsidenten des Bundesgerichtshofes Dr. Wenzel und die Richter Tropf,\n\nDr. Klein, Dr. Lemke und Dr. Schmidt-Räntsch\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag der Klägerin auf Zulassung der Sprungrevision gegen\n\ndas Urteil der 4. Abteilung des Amtsgerichts Erfurt vom 23. Januar\n\n2003 wird abgelehnt.\n\nDie Klägerin trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.\n\nDer Gegenstandswert wird auf 1.184,30 \n\n(cid:0)(cid:2)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:8)(cid:7)(cid:9)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:10)(cid:1)(cid:11)(cid:5)(cid:13)(cid:12)(cid:10)(cid:5)(cid:15)(cid:14)\n\nGründe:\n\nI.\n\nDie Beklagte erließ als Sonderungsbehörde am 10. Dezember 1999 ei-\n\nnen Sonderungsbescheid für das Stadtgebiet „A. “ in E. , in\n\ndem sie sich die Festsetzung der an die bisherigen Grundstückseigentümer zu\n\nzahlenden Entschädigungsbeträge und der von den künftigen Grundstücksei-\n\ngentümern an sie zu zahlenden Ausgleichsbeträge einem besonderen Be-\n\nscheid vorbehielt. Am 20. Januar 2000 erhob die Klägerin dagegen Wider-\n\nspruch, zu dessen Begründung sie am 17. März 2000 ausführte, der Bescheid\n\nsei an die §§ 61 ff. SachenRBerG anzupassen. Am 7. März 2000 stellte die\n\nBeklagte die Zahlung des Nutzungsentgelts unter Hinweis auf die Bestands-\n\nkraft des Sonderungsbescheids ein. Am 5. Mai 2000 setzte die Beklagte die\n\nEntschädigung für die Klägerin fest, die dieser auch ausgezahlt wurde. Gegen\n\ndiesen Bescheid erhob die Klägerin am 9. Mai 2000 Widerspruch. Der Wider-\n\nspruch gegen den Sonderungsbescheid wurde am 16. August 2000 zurückge-\n\nwiesen und ist Gegenstand eines Antrags der Klägerin auf gerichtliche Ent-\n\nscheidung, der vor dem Landgericht E. schwebt ( ). Die Ent-\n\nscheidung über den Widerspruch wurde bis zu einer Entscheidung in einem\n\nparallelen Antragsverfahren eines anderen Planbetroffenen ( LG\n\nE. ) zurückgestellt. Der dingliche Teil des Sonderungsbescheids vom\n\n10. Dezember 1999 wurde im Grundbuch vollzogen. Die Parteien streiten dar-\n\nüber, ob die Beklagte verpflichtet ist, der Klägerin auch über den Ablauf der\n\nWiderspruchsfrist gegen den Sonderungsplan - den 15. Februar 2000 - hinaus\n\nNutzungsentgelt nach Art. 233 § 2a Abs. 1 Satz 8 EGBGB zu zahlen. Das\n\nAmtsgericht hat die Klage abgewiesen. Dagegen richtet sich der Antrag der\n\nKlägerin, die Sprungrevision zuzulassen.\n\nII.\n\nDer Antrag auf Zulassung der Sprungrevision ist unbegründet.\n\n1. Die Rechtssache wirft keine entscheidungserheblichen Fragen von\n\ngrundsätzlicher Bedeutung auf und macht eine Entscheidung auch nicht zur\n\nFortbildung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung\n\nerforderlich (§ 566 Abs. 4 Satz 1 ZPO). Der Senat hat die Grundfrage bereits\n\nentschieden. Auf dieser Grundlage lassen sich auch die aufgeworfenen Zu-\n\nsatzfragen ohne weiteres klären. Das Urteil des Amtsgerichts läßt keinen Be-\n\ndarf für eine ergänzende Klärung erkennen.\n\n2. In seinem Urteil vom 18. Februar 2000 (V ZR 324/98, VIZ 2000, 367)\n\nhat der Senat entschieden, daß dem Grundstückseigentümer bei einer Sachen-\n\nrechtsbereinigung im Wege der Bodenneuordnung nach § 5 des Bodensonde-\n\nrungsgesetzes vom 20. Dezember 1993 (BGBl. I S. 2182 – BoSoG) unbescha-\n\ndet der Möglichkeit, zu einem früheren Zeitpunkt ein notarielles Vermittlungs-\n\nverfahren zu beantragen (Senatsurt. v. 11. April 2003, V ZR 209/02, zur Veröf-\n\nfentlichung bestimmt), eine Nutzungsentschädigung nach Art. 233 § 2a Abs. 1\n\nSatz 8 EGBGB von der Einleitung dieses Verfahrens bis zu dessen Abschluß\n\nzusteht. Abgeschlossen ist ein Bodensonderungsverfahren mit der Bestands-\n\nkraft des Sonderungsbescheids (Senatsurt. v. 18. Februar 2000 aaO.). Auf die\n\nBestandskraft des Bescheids ist deswegen abzustellen, weil mit ihrem Eintritt\n\ndie im Sonderungsbescheid bestimmten Änderungen der Zuordnung dinglicher\n\nRechte nach § 13 Abs. 1 BoSoG wirksam werden (Senatsurteil v. 18. Februar\n\n2000 aaO. S. 368), auf die es für den Anspruch auf Nutzungsentschädigung\n\nnach Art. 233 § 2a EGBGB ankommt.\n\n3. Die in einem Sonderungsbescheid bestimmten dinglichen Rechtsän-\n\nderungen treten indessen nicht immer erst ein, wenn der Sonderungsbescheid\n\nin allen Punkten bestandskräftig geworden ist. Wird der Sonderungsbescheid\n\nnur teilweise angefochten, so wird er nach § 18 Abs. 3 Satz 3 BoSoG in Anse-\n\nhung der Festlegungen, auf die sich eine Änderung der angefochtenen Festle-\n\ngungen nicht auswirken kann (§ 18 Abs. 3 Satz 2 BoSoG), schon nach Ablauf\n\nder Widerspruchsfrist nach § 18 Abs. 1 Satz 3 BoSoG i.V.m. § 70 VwGO be-\n\nstandskräftig. Wird ein Teil der dinglichen Festlegungen bestandskräftig, treten\n\nnach § 13 Abs. 1 Satz 1 BoSoG insoweit auch die dinglichen Rechtsänderun-\n\ngen sogleich ein; sie sind nach § 7 Abs. 3 Satz 2 der Sonderungsplanverord-\n\nnung vom 2. Dezember 1994 (BGBl. I S. 3701 – SPV) auch im Grundbuch zu\n\nvollziehen. Werden nicht die dinglichen Festlegungen, sondern allein die\n\nFestlegungen zur Höhe der Entschädigung und der Ausgleichsbeträge ange-\n\ngriffen, werden die dinglichen Rechtsänderungen deshalb nach Ablauf der Wi-\n\nderspruchsfrist sofort in vollem Umfang wirksam. Nichts anderes gilt, wenn –\n\nwie im vorliegenden Fall – die Sonderungsbehörde, was nach § 15 Abs. 6 Bo-\n\nSoG \n\nin den durch Nr. 7.8 Satz 4 der Bodensonderungsvorschrift vom\n\n17. Dezember 1997 (BAnz Nr. 25a vom 6. Februar 1998) bestimmten Grenzen\n\nmöglich ist, die Festlegung der Entschädigungs- und der Ausgleichsbeträge\n\neinem besonderen Bescheid vorbehalten hat und sich der Widerspruch dage-\n\ngen richtet. Denn auch dann bleiben die dinglichen Rechtsänderungen unan-\n\ngefochten.\n\nIII.\n\nDie Kostenentscheidung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.\n\nWenzel Tropf\n\nKlein\n\n Lemke Schmidt-Räntsch","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-06-18/v-zr-46-03","cited_norms":[{"jurabk":"BGBEG","ref":"Art 233 § 2a","ref_norm":"233-2a","n":3},{"jurabk":"BoSoG","ref":"§ 18","ref_norm":"18","n":3},{"jurabk":"BoSoG","ref":"§ 13","ref_norm":"13","n":2},{"jurabk":"SachenRBerG","ref":"§ 61","ref_norm":"61","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 566","ref_norm":"566","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 70","ref_norm":"70","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-06-18/v-zr-46-03","retrieved":"2026-07-10 14:27:54.419470+00:00"},"card":{"id":"bgh/2003-06-18/v-zr-46-03","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"V. 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