{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VIII. Zivilsenat","decided":"2003-05-21","aktenzeichen":"VIII ZB 10/03","doktyp":"Beschluß","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nVIII ZB 10/03\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n21. Mai 2003\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 21. Mai 2003 durch die\n\nRichter Dr. Hübsch, Dr. Beyer, Dr. Leimert, Wiechers und Dr. Frellesen\n\nbeschlossen:\n\nAuf die Rechtsbeschwerde der Klägerin wird der\n\nBeschluß der 12. Zivilkammer des Landgerichts Köln\n\nvom 7. Januar 2003 aufgehoben.\n\nDie Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über\n\ndie Kosten des Beschwerdeverfahrens, an das Beru-\n\nfungsgericht zurückverwiesen.\n\nDer Beschwerdewert wird auf 858,82 \n\n(cid:0)(cid:2)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:8)(cid:7)(cid:4)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:9)(cid:1)(cid:10)(cid:5)(cid:12)(cid:11)(cid:9)(cid:5)(cid:14)(cid:13)\n\nGründe:\n\nI.\n\nDie Klägerin hat der Beklagten eine Wohnung für eine monatliche Miete\n\nvon 950 DM zuzüglich einer Nebenkostenpauschale von 250 DM vermietet. Mit\n\nSchreiben vom 21. Dezember 2001 forderte sie die Beklagte auf, ab dem\n\n1. Februar 2002 eine um 50 DM erhöhte Nebenkostenpauschale zu zahlen;\n\ndies lehnte die Beklagte ab. Mit ihrer Klage begehrt die Klägerin die Feststel-\n\nlung, daß die Beklagte verpflichtet ist, ab dem Monat Februar 2002 eine um\n\n(cid:1)(cid:17)(cid:16)(cid:14)(cid:18)(cid:20)(cid:19)(cid:21)(cid:18)(cid:10)(cid:5)(cid:22)(cid:1)\n\n(cid:23)(cid:24)(cid:1)(cid:25)(cid:5)(cid:8)(cid:16)(cid:27)(cid:26)\n\n(cid:1)(cid:21)(cid:28)(cid:25)(cid:3)(cid:10)(cid:29)(cid:31)(cid:30)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:22)(cid:1)! (cid:4)\"(cid:25)#(cid:21)$%(cid:3)(cid:9)&(cid:10)(cid:18)%#(cid:21)’\n\n((cid:20)(cid:30)(cid:21) \n\n (cid:25)$(cid:4) (cid:4))*(cid:1)(cid:21)(cid:18)(cid:4)(cid:16),+(cid:4)-(cid:4)-\n\n50 DM (25,56 \n\n(cid:11)(cid:25)$.(cid:11)(cid:9)#(cid:21)(cid:18)(cid:4)’/(cid:1)(cid:21) 0(cid:13)\n\n(153,39 \n\n DM\n\n(cid:15)\n(cid:1)\n(cid:15)\n\nDas Amtsgericht hat die Klage abgewiesen. Die hiergegen gerichtete Be-\n\nrufung der Klägerin hat das Landgericht durch Beschluß vom 7. Januar 2003\n\nwegen Nichterreichens der Berufungssumme (§ 511 Abs. 2 Nr. 1 ZPO) als un-\n\nzulässig verworfen, wobei es von einem Wert des Beschwerdegegenstandes\n\n+%2!+4365(cid:21)-\n\n#(cid:21)$(cid:25)(cid:3)(cid:9)(cid:7)(cid:4)(cid:1)(cid:25)(cid:7)(cid:4)#(cid:21) %(cid:7)(cid:4)(cid:1)! 7(cid:26)/(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:14)(cid:13)\n\nfür das Berufungsverfahren von (15 x 25,56 \n\n10(cid:15)\n\nDabei hat es auf seinen Beschluß vom 2. September 2002 Bezug genommen\n\nund dort zur Begründung ausgeführt: Nach seiner ständigen Rechtsprechung\n\nsei bei Streitigkeiten über regelmäßige Zahlungen im Zusammenhang mit ei-\n\nnem Wohnraummietverhältnis in analoger Anwendung des § 16 GKG aus sozi-\n\nalen Gründen zur Vermeidung unbilliger Kostenlasten für die Mietvertragspar-\n\nteien ein Streitwert in Höhe des zwölffachen Wertes des streitigen monatlichen\n\nDifferenzbetrages angemessen. Allerdings sei bei der Berechnung der Be-\n\nschwer der fünfzehnfache Wert des streitigen Differenzbetrages zu Grunde zu\n\nlegen, um - wiederum im Interesse der Parteien - die Einschränkung der\n\nRechtsmittelfähigkeit entsprechender amtsgerichtlicher Urteile weniger ein-\n\nschneidend zu gestalten. Dies gelte auch bei einem Streit über Betriebskosten-\n\nvorauszahlungen.\n\nII.\n\n1. Die Rechtsbeschwerde ist statthaft (§ 574 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. § 522\n\nAbs. 1 Satz 4 ZPO); sie ist auch im übrigen zulässig, weil die Sicherung einer\n\neinheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdege-\n\nrichts erfordert (§ 574 Abs. 2 Nr. 2, 2. Alt. ZPO).\n\n2. Die Beschwerde ist auch begründet. Entgegen der Auffassung des\n\nLandgerichts übersteigt die Beschwer der Klägerin den Betrag von 600 \n\n8:9 511\n\nAbs. 2 Nr. 1 ZPO). Das Landgericht hätte deshalb die Berufung der Klägerin\n\nnicht mit der gegebenen Begründung als unzulässig verwerfen dürfen.\n\na) Soweit es - wie hier - nach den Vorschriften der Zivilprozeßordnung\n\nauf den Wert des Beschwerdegegenstandes ankommt, ist dieser nach den\n\n§§ 3-9 ZPO zu bestimmen (§ 2 ZPO). Für Klagen auf künftig wiederkehrende\n\nLeistungen gilt § 9 ZPO; darunter fallen auch Klagen auf Erhöhung oder Herab-\n\nsetzung von Mieten und Nebenkostenpauschalen. Das dem Richter nach § 3\n\nZPO grundsätzlich zustehende Ermessen bei der Wertfestsetzung ist insoweit\n\ndurch die Sonderregelung des § 9 ZPO eingeschränkt. Den vom Berufungsge-\n\nricht angeführten sozialen Gründen für die Gestaltung des Kostenrechts in\n\nWohnraummietsachen wird durch die gebührenrechtliche Vorschrift des § 16\n\nGKG Rechnung getragen, der die Bemessung des Streitwertes auf das einjäh-\n\nrige Entgelt begrenzt und dadurch - mittelbar - die anfallenden gerichtlichen und\n\naußergerichtlichen Gebühren in einem vertretbaren Rahmen hält. Für den Zu-\n\ngang zur Berufungsinstanz sind sie ohne Bedeutung; insofern kann sich im Ge-\n\ngenteil die vom Landgericht entgegen § 9 ZPO vorgenommene \"Kappung\" des\n\nWertes des Beschwerdegegenstandes gerade unsozial auswirken, wenn sie\n\ndazu führt, daß der unterlegenen Partei aus formellen Gründen die Möglichkeit\n\neiner Überprüfung des erstinstanzlichen Urteils genommen wird. Für eine ana-\n\nloge Anwendung des § 16 GKG auf die Bemessung des Wertes des Beschwer-\n\ndegegenstandes besteht daher kein Anlaß und keine Rechtfertigung.\n\nb) Soweit § 9 ZPO früher von einem Teil der Rechtsprechung und der\n\nLiteratur trotz seines klaren Wortlauts auf Mieterhöhungsklagen nicht ange-\n\nwandt worden ist, beruhte dies im wesentlichen auf der Erwägung, daß die lan-\n\ngen Zeiträume, auf die die Vorschrift in ihrer damaligen Fassung abstellte\n\n- zwölfeinhalbfacher Jahresbetrag bei ungewisser Dauer des Klageanspruchs -\n\njedenfalls bei Wohnraummietverhältnissen nicht der Realität entsprächen und\n\ndie Vorschrift daher für solche Ansprüche nicht passe. Dieser Auffassung ist\n\njedoch durch die Änderung des § 9 ZPO durch das Gesetz zur Entlastung der\n\nRechtspflege vom 11. Januar 1993 (BGBl. I, 50) die Grundlage entzogen; die\n\ngenerelle Bemessung der Beschwer lediglich nach dem 3 ½-fachen Jahresbe-\n\ntrag des streitigen Betrages stellt eine auch für Wohnraummietverhältnisse an-\n\ngemessene Grundlage für die Rechtsmittelfähigkeit amtsgerichtlicher Entschei-\n\ndungen dar (vgl. dazu BVerfG, NJW 1996, 1531 unter II 1 b; Senatsbeschluß\n\nvom 13. Dezember 1965 - VIII ZR 287/63, NJW 1966, 778; BGH, Beschluß vom\n\n17. Mai 2000 - XII ZR 314/99, NJW 2000, 3142). Die vom Landgericht prakti-\n\nzierte Nichtanwendung der Vorschrift ist daher auch unter diesem Gesichts-\n\npunkt nicht gerechtfertigt.\n\nc) Der Umstand, daß im vorliegenden Fall die Klage nicht als Antrag auf\n\nkünftige Leistung, sondern auf Feststellung einer solchen Verpflichtung gerich-\n\ntet ist, ist für die Frage der Anwendbarkeit des § 9 ZPO ohne Bedeutung; er hat\n\nlediglich zur Folge, daß von dem rechnerischen Betrag - wie auch sonst regel-\n\nmäßig bei positiven Feststellungsklagen - ein Abzug in Höhe von 20 % vorzu-\n\nnehmen ist (Schmidt-Futterer/Börstinghaus, Mietrecht, 7. Aufl., § 2 MHG,\n\nRdnr. 610). Die Beschwer der Klägerin beläuft sich demnach auf 42 x 25,56 \n\n(cid:13)/;(cid:27)(cid:13)(cid:10)<0-\n\n$(cid:4) (cid:25)>@?(cid:4)(cid:28)(cid:20)(cid:1)(cid:21)(cid:16):(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:22)(cid:1)(cid:21)(cid:26)/(cid:7)(cid:25)(cid:5)0(cid:3)(cid:9)(cid:30)(cid:17))A(cid:26)\n\n(cid:5)4>4(cid:26)\n\n(cid:1)@ %#(cid:4)&(cid:10)(cid:18)\n\n= 1.073,52 \n\n % (214,70 \n\n(cid:15)=1 858,82 \n\n9 511\n\nAbs. 2 Nr. 1 ZPO für die Zulässigkeit der Berufung maßgebende Wertgrenze\n\nvon 600 \n\n(cid:13)\n\n3. Dementsprechend ist der Beschluß des Landgerichts Köln vom\n\n7. Januar 2003 aufzuheben. Das Landgericht wird nunmehr unter Beachtung\n\nder vorstehenden rechtlichen Beurteilung erneut über die Zulässigkeit der Be-\n\nrufung der Klägerin zu entscheiden haben (§ 577 Abs. 4 Satz 1 und 4 ZPO).\n\nDr. Hübsch \n\nDr. Beyer \n\nDr. Leimert\n\nWiechers \n\nDr. Frellesen","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-05-21/viii-zb-10-03","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 9","ref_norm":"9","n":6},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 2","ref_norm":"2","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 3","ref_norm":"3","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 522","ref_norm":"522","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 511","ref_norm":"511","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-05-21/viii-zb-10-03","retrieved":"2026-07-10 14:20:22.253499+00:00"},"card":{"id":"bgh/2003-05-21/viii-zb-10-03","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"VIII. 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