{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"III. Zivilsenat","decided":"2003-03-27","aktenzeichen":"III ZB 83/02","doktyp":"Beschluß","leitsatz":"ZPO § 1040 Die Versäumung des Antrags nach § 1040 Abs. 3 Satz 2 ZPO schließt den Einwand der Ungültigkeit der Schiedsvereinbarung (§ 1059 Abs. 2 Nr. 1 Buchst. a ZPO) für das Schiedsverfahren und für das Aufhebungs- und Voll- streckbarerklärungsverfahren aus.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n27. März 2003\n\nin dem Rechtsstreit\n\nIII ZB 83/02\n\nNachschlagewerk:\n\nja\n\nBGHZ:\n\nBGHR:\n\nnein\n\nja\n\nZPO § 1040\n\nDie Versäumung des Antrags nach § 1040 Abs. 3 Satz 2 ZPO schließt den\n\nEinwand der Ungültigkeit der Schiedsvereinbarung (§ 1059 Abs. 2 Nr. 1\n\nBuchst. a ZPO) für das Schiedsverfahren und für das Aufhebungs- und Voll-\n\nstreckbarerklärungsverfahren aus.\n\nBGH, Beschluß vom 27. März 2003 - III ZB 83/02 - OLG Oldenburg\n\nDer III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 27. März 2003 durch die\n\nRichter Streck, Schlick, Dr. Kapsa, Dörr und Galke\n\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde des Antragsgegners gegen den Beschluß\n\ndes 9. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Oldenburg vom 15. No-\n\nvember 2002 wird auf seine Kosten als unzulässig verworfen.\n\nWert des Beschwerdegegenstandes: 46.900 \n\nGründe:\n\nDie gemäß § 574 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. §§ 1065 Abs. 1 Satz 1, 1062 Abs. 1\n\nNr. 4 zweiter Fall ZPO statthafte Rechtsbeschwerde ist nicht zulässig, weil die\n\nweiteren Zulässigkeitsvoraussetzungen des § 574 Abs. 2 ZPO nicht gegeben\n\nsind. Weder hat die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung noch erfordert die\n\nFortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung\n\neine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts.\n\n1.\n\nGrundsätzlichkeit kommt der Sache insbesondere nicht wegen der vom\n\nOberlandesgericht angenommenen Präklusionswirkung des § 1040 ZPO zu.\n\nEine klärungsbedürftige Frage wird dadurch nicht aufgeworfen. Denn es ist hier\n\nnicht zweifelhaft, daß die Rüge, die Vollstreckbarerklärung des Schiedsspruchs\n\nsei unzulässig, weil eine wirksame Schiedsvereinbarung nicht zustande ge-\n\n(cid:0)\n\nkommen sei (§ 1060 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. § 1059 Abs. 2 Nr. 1 Buchst. a zweiter\n\nFall ZPO), im Verfahren der Vollstreckbarerklärung nicht mehr erhoben werden\n\nkann; der Antragsgegner hat die Zwischenentscheide des Schiedsgerichts,\n\ndurch die es seine Zuständigkeit bejaht hat, nicht mit dem Antrag auf gerichtli-\n\nche Entscheidung nach § 1040 Abs. 3 Satz 2 ZPO angefochten. Der Einwen-\n\ndungsausschluß ergibt sich klar aus dem Sinn und Zweck des § 1040 ZPO; er\n\nentspricht dem ausdrücklichen Willen des Gesetzgebers.\n\n2.\n\nGemäß § 1040 Abs. 1 Satz 1 ZPO kann das Schiedsgericht über die\n\neigene Zuständigkeit und im Zusammenhang hiermit über das Bestehen oder\n\ndie Gültigkeit der Schiedsvereinbarung entscheiden. Hält sich das Schiedsge-\n\nricht für zuständig, entscheidet es über die rechtzeitig (§ 1040 Abs. 2 ZPO)\n\nvorgebrachte Rüge in der Regel durch Zwischenentscheid (§ 1040 Abs. 3\n\nSatz 1 ZPO). In diesem Fall kann jede Partei innerhalb eines Monats nach\n\nschriftlicher Mitteilung des Entscheids eine gerichtliche Entscheidung beantra-\n\ngen (§ 1040 Abs. 3 Satz 2 ZPO). Die gerichtliche Entscheidung wirkt Rechts-\n\nkraft \n\n(Stein/\n\nJonas/Schlosser, ZPO 22. Aufl. 2002 § 1040 Rn. 12; MünchKommZPO-Münch\n\n2. Aufl. 2001 § 1040 Rn. 25).\n\nDie Regelung des § 1040 ZPO soll gewährleisten, daß die Kompetenz-\n\nfrage grundsätzlich in einem frühen Verfahrensstadium geklärt wird (Begrün-\n\ndung der Bundesregierung zu dem Entwurf eines Gesetzes zur Neuregelung\n\ndes Schiedsverfahrensrechts <im folgenden Begründung> BT-Drucks. 13/5274\n\nS. 44). Dementsprechend kann die Entscheidung des Schiedsgerichts im Auf-\n\nhebungs- oder Vollstreckbarerklärungsverfahren nicht mehr zur Prüfung ge-\n\nstellt werden, wenn ein Antrag auf gerichtliche Entscheidung gemäß § 1040\n\nAbs. 3 Satz 2 ZPO nicht gestellt worden ist; darauf hat der Gesetzgeber eigens\n\nhingewiesen (vgl. Begründung aaO). Sonst stünde das Schiedsverfahren, wie\n\nmit der Einrichtung des Zwischenentscheids nach § 1040 Abs. 3 Satz 1 ZPO\n\nbeabsichtigt, doch nicht auf sicheren Füßen. Angesichts dieser klaren Ziel-\n\nrichtung des Gesetzgebers ist auch ohne ausdrückliche Regelung davon aus-\n\nzugehen, daß die Versäumung des Antrags nach § 1040 Abs. 3 Satz 2 ZPO\n\nden Einwand der Ungültigkeit der Schiedsvereinbarung für das Schiedsverfah-\n\nren u n d für das Aufhebungs- und Vollstreckbarerklärungsverfahren vor dem\n\nstaatlichen Gericht ausschließt. Das ist auch im Schrifttum nahezu allgemeine\n\nAnsicht (vgl. Stein/Jonas/Schlosser aaO § 1040 Rn. 9; MünchKommZPO-\n\nMünch aaO Rn. 22 und 25; Musielak/Voit, ZPO 3. Aufl. 2002 § 1040 Rn. 13;\n\nZöller/Geimer, ZPO 23. Aufl. 2003 § 1040 Rn. 12 und § 1059 Rn. 39; Albers in\n\nBaumbach/\n\nLauterbach/Albers/Hartmann, ZPO 61. Aufl. 2003 § 1040 Rn. 3 und 5; Schwab/\n\nWalter, Schiedsgerichtsbarkeit 6. Aufl. 2000 Kap. 16 Rn. 11 f; Borges ZZP 111\n\n<1998>, 487, 490; wohl auch Labes/Lörcher MDR 1997, 420, 423; a.A. Thomas\n\nin Thomas/Putzo, ZPO 24. Aufl. 2002 § 1040 Rn. 5). Dem Schiedsgericht ist im\n\nRahmen des § 1040 ZPO die Befugnis eingeräumt, über die eigene Zuständig-\n\nkeit zu entscheiden. Wird sein Zwischenentscheid nicht angefochten, bleibt es\n\ndabei auch für das staatliche Aufhebungs- und Vollstreckbarerklärungsverfah-\n\nren.\n\nOb eine im Schiedsverfahren e n t s c h u l d i g t unterbliebene\n\noder e n t s c h u l d i g t mit dem Antrag nach § 1040 Abs. 3 Satz 2 ZPO\n\nnicht weiterverfolgte Zuständigkeitsrüge im Aufhebungs- oder Vollstreckbarer-\n\nklärungsverfahren erhoben werden kann (vgl. Stein/Jonas/Schlosser aaO;\n\nMünchKommZPO-Münch aaO § 1040 Rn. 23; Musielak/Voit aaO; Zöller/Geimer\n\naaO § 1040 Rn. 7), kann offenbleiben. Der Streitfall liegt anders. Der Antrags-\n\ngegner hat die Rüge im Schiedsverfahren rechtzeitig vorgebracht; das\n\nSchiedsgericht hat hierüber sachlich entschieden. Es ist nicht ersichtlich, daß\n\nder Antragsgegner gehindert gewesen wäre, den positiven Zwischenentscheid\n\ndes Schiedsgerichts mit dem Antrag auf gerichtliche Entscheidung gemäß\n\n§ 1040 Abs. 3 Satz 2 ZPO anzufechten.\n\nStreck\n\nSchlick\n\nKapsa\n\nDörr\n\n Galke","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-03-27/iii-zb-83-02","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 1040","ref_norm":"1040","n":15},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 1059","ref_norm":"1059","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-03-27/iii-zb-83-02","retrieved":"2026-07-10 14:11:48.640520+00:00"},"card":{"id":"bgh/2003-03-27/iii-zb-83-02","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"III. 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