{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"III. Zivilsenat","decided":"2002-08-01","aktenzeichen":"III ZB 66/01","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BGHR: ja\n\nIII ZB 66/01\n\nBUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n1. August 2002\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 1. August 2002 durch den\n\nVorsitzenden Richter Dr. Rinne und die Richter Streck, Schlick, Dr. Kapsa und\n\nGalke\n\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde der Antragstellerin gegen den Beschluß\n\ndes 4. Zivilsenats des Bayerischen Obersten Landesgerichts vom\n\n25. Oktober 2001 - 4Z SchH 6/01 - wird nicht angenommen.\n\nDie Antragstellerin hat die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfah-\n\nrens zu tragen (§ 97 Abs. 1 ZPO).\n\nStreitwert: 500.000 DM (= 255.645,94 €)\n\nGründe\n\nI.\n\nDie Antragstellerin war Kommanditistin der D. \n\nGmbH & Co. KG (künftig: D. KG). Deren Gesellschafter vereinbarten die Zu-\n\nständigkeit eines Schiedsgerichts bezüglich der Rechtsstreitigkeiten, die dem\n\n\"Rechtsverhältnis der Gesellschafter untereinander\" entspringen.\n\nDie Antragsgegnerin ist Kommanditistin der D. KG. Sie beansprucht\n\nvon der Antragstellerin Schadensersatz wegen Verletzung eines Wettbewerbs-\n\nverbots und hat deshalb gegen sie das schiedsgerichtliche Verfahren einge-\n\nleitet. Die Antragstellerin begehrt, gemäß § 1032 Abs. 2 ZPO die Unzulässig-\n\nkeit des schiedsrichterlichen Verfahrens festzustellen. Das Bayerische Oberste\n\nLandesgericht hat den Antrag zurückgewiesen. Dagegen richtet sich die\n\nRechtsbeschwerde der Antragstellerin.\n\nII.\n\nDie Rechtsbeschwerde ist nicht anzunehmen. Die Rechtssache hat kei-\n\nne grundsätzliche Bedeutung; die Rechtsbeschwerde hat im Ergebnis auch\n\nkeine Aussicht auf Erfolg.\n\n1.\n\nDas Bayerische Oberste Landesgericht hat die Antragstellerin in bezug\n\nauf die gegen sie gerichtete Schadensersatzklage der Antragsgegnerin an den\n\nam 10. Dezember 1997 unterzeichneten Schiedsgerichtsvertrag für gebunden\n\ngehalten, obwohl die Antragstellerin ihren Kommanditanteil an der D. KG am\n\n30. Dezember 1998 auf die D. GmbH übertragen\n\nhatte und damit aus der D. KG ausgeschieden war. Der Schiedsgerichtsver-\n\ntrag vom 10. Dezember 1997 sei weder auf eine bestimmte Zeit beschränkt\n\nnoch von dem (Fort-)Bestand der Kommanditistenstellung abhängig gewesen.\n\nGerade bei der Übertragung der Gesellschafterrechte auf einen Dritten könn-\n\nten sich Rechtsstreitigkeiten ergeben, die dem \"Rechtsverhältnis der Gesell-\n\nschafter untereinander\" entsprängen (Nr. 1 Buchst. d des Schiedsgerichtsver-\n\ntrages vom 10. Dezember 1997). Diese Auslegung des Schiedsgerichtsvertra-\n\nges ist im Rahmen der rechtlichen Prüfung hinzunehmen.\n\n2.\n\nBei der Übertragung eines Kommanditanteils gehen allerdings die Rech-\n\nte und Pflichten aus einer mit dem Gesellschaftsvertrag verbundenen Schieds-\n\nvereinbarung regelmäßig auf den Erwerber über, ohne daß es eines geson-\n\nderten Beitritts des Erwerbers zum Schiedsvertrag in der Form des § 1027\n\nAbs. 1 ZPO a.F. oder der §§ 1029 Abs. 2, 1031 ZPO n.F. bedürfte. Die\n\nSchiedsklausel ist als \"Eigenschaft\" des übertragenen Rechts zu behandeln,\n\nund es ist anzunehmen, daß sie diesem entsprechend dem in § 401 BGB ent-\n\nhaltenen Grundgedanken nachfolgt (st. Rspr. vgl. Senatsurteil vom 2. Oktober\n\n1997 - III ZR 2/96 - NJW 1998, 371 m.w.N.; BGH, Urteil vom 3. Mai 2000\n\n- XII ZR 42/98 - NJW 2000, 2346; RGZ 146, 52, 56 f). Die D. \n\n GmbH, die anstelle der Antragstellerin Kommanditistin der D. \n\nKG wurde, trat danach mit dem Abschluß des Übertragungsvertrages vom\n\n30. Dezember 1998 dem unter den Gesellschaftern der D. KG geschlosse-\n\nnen Schiedsgerichtsvertrag vom 10. Dezember 1997 bei. Das besagt aber\n\nnoch nicht, daß zugleich die Antragstellerin als weichende Kommanditistin ihrer\n\nRechte und Pflichten aus dem Schiedsgerichtsvertrag vollständig verlustig ge-\n\ngangen wäre. Insoweit kam es vielmehr auf den Willen der Parteien des\n\nSchiedsgerichtsvertrages an. Sie konnten die Wirkungen des Schiedsgerichts-\n\nvertrages an die Gesellschafterstellung binden. Sie konnten aber - im Hinblick\n\nauf mögliche, sich an die Übertragung der Gesellschaftsbeteiligung knüpfende\n\nStreitigkeiten zwischen den verbleibenden Gesellschaftern und dem ausschei-\n\ndenden Gesellschafter, im Hinblick auf fortbestehende Pflichten des ausge-\n\nschiedenen Gesellschafters (Wettbewerbsverbot, nachwirkende Treuepflicht) -\n\nvereinbaren, daß der Schiedsgerichtsvertrag auch für frühere Gesellschafter\n\nGeltung haben soll, sofern es sich um eine aus dem Gesellschaftsverhältnis\n\nentspringende Rechtsstreitigkeit handelt. Im Zweifel dürfte der Wille der ver-\n\ntragsschließenden Gesellschafter dahin gehen, sämtliche Streitigkeiten aus\n\ndem Gesellschaftsverhältnis, auch solche mit ausgeschiedenen Gesellschaf-\n\ntern, \"intern\", nämlich im Wege des Schiedsverfahrens, zu erledigen. Entgegen\n\nder Auffassung der Rechtsbeschwerde können Streitigkeiten von Gesellschaf-\n\ntern mit ausgeschiedenen Gesellschaftern wegen nachwirkender Gesellschaf-\n\nterpflichten durchaus den innergesellschaftlichen Rechtsfrieden stören und die\n\nschnelle Beendigung durch Schiedsspruch erheischen.\n\nEs bestehen deshalb keine grundsätzlichen rechtlichen Bedenken, daß\n\ndas Bayerische Oberste Landesgericht die Fortgeltung der Schiedsklausel für\n\nausgeschiedene Gesellschafter angenommen hat, vorausgesetzt, die Rechts-\n\nstreitigkeit entspringt (noch) dem Rechtsverhältnis der Gesellschafter unterein-\n\nander (Nr. 1 Buchst. d des Schiedsgerichtsvertrages vom 10. Dezember 1997).\n\nDieser Vertragsauslegung stehen weder der Wortlaut noch Sinn und Zweck\n\ndes Schiedsgerichtsvertrages entgegen.\n\nRinne\n\nStreck\n\nSchlick\n\nKapsa\n\nGalke","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2002-08-01/iii-zb-66-01","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 401","ref_norm":"401","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 1029","ref_norm":"1029","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 1031","ref_norm":"1031","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 1032","ref_norm":"1032","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2002-08-01/iii-zb-66-01","retrieved":"2026-07-10 13:29:13.308046+00:00"},"card":{"id":"bgh/2002-08-01/iii-zb-66-01","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"III. 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